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Neukirchen-Vluyn: Wann lohnt ein E-Auto?

Neukirchen-Vluyn : Wann lohnt ein E-Auto?

Akke Wilmes von der Verbraucherzentrale informierte an einem Themenabend im Rathaus über den Solarstrom und wie er gespeichert werden kann, zum Beispiel in einer Batterie eines Elektroautos.

"Pack den Tiger in den Tank" - mit diesem Slogan warb der Mineralölkonzern Esso in Deutschland und Österreich von 1965 bis 1968 für sein Benzin. Dieser Slogan brannte sich ins kollektive Bewusstsein ein, um seit nunmehr einem halben Jahrhundert immer wieder zitiert und leicht abgewandelt zu werden, zum Beispiel von Akke Wilmes. Der Energieberater der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Kreis Wesel titelte am Mittwoch einen Themenabend "Pack die Sonne in den Tank", der vom Klimaschutzmanager Stephan Baur zu Solarenergie, Sonnenstromspeichern und Elektroautos organisiert worden war.

"Elektroautos sind nur sinnvoll, wenn der Strom aus regenerativen Energien gewonnen wird und nicht aus Braunkohle", unterstrich der Referent. Vor den Zuhörern, die alle auf dem Dach ihrer Häuser Photovoltaikanlagen installiert haben oder installieren wollen, wie ihre Zwischenfragen zeigten, äußerte er sich differenziert zu den reinen Elektroautos. Ungeschminkt zählte er die Nachteile auf. "Eine Lithium-Ionen-Batterie für einen Wagen herzustellen, benötigt sehr viel Energie", erläuterte der 51-jährige Diplom-Ingenieur und Architekt. "Bei einer Laufleistung von 15 000 Kilometern im Jahr ist dieser Energieeinsatz nach zwei Jahren wieder hereingeholt, bei einer eigenen Photovoltaikanlage bereits nach eineinhalb."

Er sprach die geringere Reichweite der E-Autos an. Dies werde immer noch von vielen Verbrauchern als Problem betrachtet. "Allerdings sind 90 Prozent der täglichen Fahrten kürzer als 50 Kilometer", gab der Referent zu Bedenken. Da seien die mehreren 100 Kilometer Reichweite kein Problem, die im Winter durch die Heizung und im Sommer durch die Klimaanlage geringer ausfallen würden als von den Herstellern angegeben. "Für sehr lange Fahrten, zum Beispiel in den Urlaub, stellen einige Hersteller konventionelle Autos bereit", berichtete er .

Auch den Kaufpreis eines Elektroautos, der durch die Batterie erheblich über dem eines konventionellen Autos liegt, sprach er an. Er zeigte eine Studie des ADFC, laut der ein konventioneller VW-Golf und ein elektrischer pro Kilometer jeweils 50 Cent kosten würden, inklusive Energie, Wartung und Abschreibungen für den Wertverlust bei 15 000 Kilometern im Jahr. In dieser Betrachtung machen Verbrenner und Stromer kaum einen Unterschied.

Er blickte aber auch auf die staatliche Förderung, beispielsweise 4000 Euro für den Kauf eines Elektroautos oder 1000 Euro für die Installation einer Ladestation. "Ein E-Auto lohnt sich vor allem, wenn man den Strom selbst mit einer Photovoltaikanlage produziert", berichtete Akke Wilmes. "Den überschüssigen Strom kann man in der Batterie des E-Autos speichern. Man bekommt dafür ja fast nichts, wenn man ihn ins Netz speist." Wenn es einmal mehr Elektroautos gebe, könnten diese bei Netzschwankungen einen Puffer bilden, um kurzfristig Strom zu liefern. Der nächste Themenabend ist für den 18. Juni, 17.30 Uhr, im kleinen Sitzungssaal des Rathauses, Hans-Böckler-Straße, terminiert. Akke Wilmes spricht dann zum Thema "Smart Home", das er am Mittwochabend bereits anschnitt. Elektro-Geräte sollen so eingeschaltet werden, dass sie den Solarstrom dann verbrauchen, wenn er anfällt.

(got)