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Neukirchen-Vluyn: Der Autoflüsterer hat Sprechstunde

Neukirchen-Vluyn : Der Autoflüsterer hat Sprechstunde

Wie gut verstehen sich eigentlich noch Mensch und Maschine? Durch immer mehr Elektronik wissen viele Fahrer gar nicht mehr, was in ihrem Auto vor sich geht. Ein Ortstermin beim ADAC-Prüfdienst.

Schlange stehen vor dem gelben Wagen - das nahmen gestern die Autofahrer am Baumarkt in Vluyn geduldig in Kauf. Die Wartezeit wurde für einen Plausch rund ums Auto genutzt. "Rund 40 bis 60 Wagen fahren wir im Schnitt am Tag auf den Prüfstand", sagt Helmut Börgers. Der 64-Jährige hat als Kfz-Meister den Kennerblick und vor allem die Gerätschaften, die mit klaren Messergebnissen auf dem Ausdruckzettel nichts beschönigen.

Beispielsweise, wenn die Funktionsfähigkeit von Stoßdämpfern und Bremsen in dem Container auf einer Art Buckelpiste, ähnlich einer schlechten Straße, geprüft werden. "Bremsen werden nur zu einem Drittel genutzt. Zwei Drittel sind ungenutzt. Das macht sich dann bei einer Vollbremsung bemerkbar. Vollbremsungen trainiert der Autofahrer eher nicht", weiß Börgers.

Die Messergebnisse lügen nicht, sondern sind vielmehr ein Hinweis, ob die Verkehrssicherheit gegeben ist. "Autos sind zum Fahren da. Klar, sprechen wir dann die Mängel an und geben Empfehlungen aus, was zu tun ist. Wir sind aber nicht weisungsbefugt", so der ADAC-Fachmann, der mit Tipps und Hinweisen nicht spart. Anders als beim Tüv kann Börgers kein Fahrzeug stilllegen, sondern nur dringend die Reparatur empfehlen.

Als ein roter Triumph TR6, Baujahr 1970, vorfährt, schlagen die Herzen der Autofans höher. Das Cabrio ist schick, der Lack glänzt und die Speichenfelgen blinken. Bremsen und Stoßdämpfer will Besitzer Kuhr prüfen lassen. Das ist ihm wichtig, deshalb soll ein Profi prüfen. Das Auto hat er selber restauriert. Im Motorraum kennt er jede Schraube und jede Ecke und weiß, wohin jedes Kabel hinführt. "Bei solchen Autos habe ich noch den direkten Zugang zum Motor und habe die Sachen selber in der Hand", urteilt Kuhr.

Für ihn ein Stück Freiheit und Unabhängigkeit, das zu seinem Oldtimer einfach dazu gehört. Dem Triumph gilt eben seine ganze Leidenschaft. Eine Displayanzeige, die den dringenden Werkstattbesuch und eine Störung ankündigt, hat er nicht. "Wenn, dann ist die Reaktion eher direkt", so Kuhr. "Daher ich muss mich regelmäßig um alles selber kümmern." In diesem Fall sind es laut Messergebnis die vorderen Stoßdämpfer hinüber. Sie entsprechen nicht mehr den Vorgaben.

Die Ersatzbeschaffung ist für den Oldiefreund kein Problem. "Stoßdämpfer gehen eher schleichend kaputt", erläutert ADAC-Mann Börgers. In der Schlange steht ebenfalls Detlef Holub mit seinem Opel Astra Sports Tourer. "Wenn etwas mit dem Auto sein sollte, bekomme ich direkte Info. Nur noch fahren kann ich allein", sagt Holub schmunzelnd, der diesen Komfort moderner Fahrzeuge zu schätzen weiß.

Obwohl er das Handwerk des Kfz-Mechanikers gelernt hat, überlässt er die Arbeit dem Werkstatt-Mechatroniker, der über das Auslesen des Fehlerspeichers die Diagnose stellen kann. Sein Auto ist ein geschlossenes System, das Schraubern keine Chance mehr gibt. Hightech, die auch ein Stück weit die Abhängigkeit von Laptop, Tablet und Diagnosegerät offenbart."Ich mache nichts mehr selber. Außerdem komme ich an keinen Bereich des Motors mehr ran. Das ist Aufgabe der Werkstatt und der modernen Technik", so Holub, der die Wartungsintervalle jedoch penibel einhält.

Die Prüfanlage steht bis zum Samstag, 26. Mai, am Toom-Baumarkt, Inneboltstraße 99, und ist von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 13 und 14 bis 17 Uhr geöffnet.

(sabi)