Hilden: Elektro-Autos werden Energiespeicher

Hilden : Elektro-Autos werden Energiespeicher

Der Hildener Unternehmer Uwe Koenzen stellt im Forummühle sein Projektvor, das die Bundesregierung fördert.

Die Sonne liefert gratis Strom. Allerdings muss er entweder sofort verbraucht oder ins Netz eingespeist werden. Das führt dort aber zu enormer Belastung und Mehrkosten. Das hat Uwe Koenzen auf die Idee gebracht, Elektroautos als mobile Pufferspeicher zu nutzen. "Es funktioniert", sagt der Hildener Unternehmer nach zwei Jahren Entwicklungsarbeit. Im forummühle berichtet er am kommenden Dienstag, 30. Januar, über seine Erfahrungen.

Denn das von der Bundesregierung geförderte Konzept sei für Unternehmer, Hauseigentümer und Vermieter interessant. Die meisten Fahrzeuge fahren gar nicht, wie ihr Name vermuten lässt, sondern stehen - und zwar 95 Prozent ihrer Zeit, erläutert Koenzen. Und wenn sie fahren, dann zu 85 Prozent nur etwa zwischen zehn und 80 Kilometer weit. Batterien seien vergleichsweise teuer. Und zudem altern sie auch noch chemisch und kalendarisch. Wenn sie häufiger ge- und entladen werden, verlängere sich dadurch sogar ihre Lebensdauer. Wer eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach hat, kann damit sein Elektro-Auto gratis auftanken.

Allerdings wird das E-Auto tagsüber häufig genutzt - und abends bei der Rückkehr nach Hause ist die Sonne weg. "Deshalb braucht man einen stationären Zwischenspeicher", erläutert Koenzen. In seiner Firma funktioniert das so. Er hat einen alten VW Bulli von 1958 zu einem Elektro-Auto umgebaut - weil der Oldtimer auf Messen ein Eye-Catcher ist. Mit einer Batterie-Ladung kann er 25 Arbeitsplätze im Büro zwei Tage lang mit Strom versorgen. Der Strom kommt entweder aus einer Photovoltaik-Anlage auf seinem Haus-Dach oder einer Kraft-Wärme-Anlage im Büro-Keller (die Wärme und Strom erzeugt). "Wenn man beide Anlagen koppelt, funktioniert das sommers wie winters das ganze Jahr über", hat der Hildener Tüftler erprobt: "Das ist ein attraktives Modell für Handwerker und Unternehmen." Weil diese Art der Energienutzung nicht nur umweltfreundlich und nachhaltig sei, sondern sich auch rechne.

"Das Hildener Praxis-Modell ist für Handwerker wirtschaftlich interessant", sagt Dietrich Ernst, Geschäftsführer des einladenden Vereins forummühle: "Mit Elektro-Autos müssen sie keine drohenden Fahrverbote fürchten." Die Investitionen amortisieren sich", ergänzt Uwe Koenzen: "Und vom Staat gibt es Förderung - zum Teil bis zu 50 Prozent." Auch Bäcker Roland Schüren (Hilden) werde das Konzept in Kürze in der Praxis anwenden. Der tagsüber geerntete Sonnenstrom wird in den Batterien der elektrischen Lieferwagen gespeichert und nachts an die Produktion der Backstube wieder abgegeben. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch, ist Koenzen überzeugt: "Der ADAC hat gerade erstmals belegt, dass ein E-Golf zum Listenpreis mit 15.000 Kilometer Laufleistung im Jahr wirtschaftlicher ist als ein Golf-Benziner oder -Diesel." Ein elektrischer Nissan-Lieferwagen sei jetzt schon um 3000 Euro günstiger als ein Diesel oder Benziner. Dietrich Ernst ist selbstständiger Kommunikationsberater und hat sich gerade einen Elektro-Smart angeschafft: "Die Wartezeit für einen E-Smart beträgt inzwischen ein Jahr."

Und der E-Golf Modell 2019 ist komplett ausverkauft, weiß Uwe Koenzen, der sich gerade einen angeschafft hat.

(cis)
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