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Neukirchen-Vluyn: Gedenktafeln erinnern an 1500 Zwangsarbeiter

Neukirchen-Vluyn : Gedenktafeln erinnern an 1500 Zwangsarbeiter

Gestern wurden an vier Orten in Neukirchen-Vluyn Tafeln aufgestellt, die an das Schicksal von rund 1500 Frauen und Männern erinnern, die während des Zweiten Weltkrieges als Gefangene schuften mussten.

Seit gestern wird an vier Stellen in Neukirchen-Vluyn an die Schicksale der Frauen und Männer erinnert, die während des Zweiten Weltkrieges in Neukirchen-Vluyn als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Meist waren es Gefangene aus Russland, der Ukraine und Polen. Viele von ihnen mussten unter unmenschlichen Verhältnissen schuften und hungern.

Die Idee, an die rund 1500 Zwangsarbeiter zu erinnern, die nach Neukirchen-Vluyn geschickt worden waren, kam von der Ratsfraktion NV AUF geht's. Der Rat hatte am 19. März zugestimmt. Museumsverein und Stadtmarketing setzten die Pläne schließlich um.

"So kann ab sofort jeder Interessierte auf eigene Faust erfahren, an wie vielen Orten in der Stadt Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Dieser Teil unserer Geschichte, der als abschreckendes Beispiel für das dient, wozu Menschen in der Lage sind, wird so sehr erlebbar aufgearbeitet", erklärte Frank Grusen vom Stadtmarketing. Krista Horbrügger und Jutta Lubkowski, die für den Museumsverein die historischen Hintergründe für die Texte auf den Tafeln recherchiert hatten, planen bereits Führungen zum Thema Zwangsarbeiter in der Stadt. "Die vom Museum geplante Führung ist eine wertvolle Ergänzung zu den beiden Stadtteilführungen in Neukirchen und Vluyn mit einem ganz anderen historischen Hintergrund", kommentiert Frank Grusen. Gerade jüngeren Menschen könne so dieser Teil der Geschichte nahegebracht werden. "Insofern freuen wir uns, dass wir das Projekt - auch durch die finanzielle Unterstützung der Fraktion NV AUF geht's und des Vereins ,Erinnern für die Zukunft' - mit dem Stadtmarketing umsetzen konnten."

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Die vier Tafeln sind auf einem Edelstahl-Fuß montiert worden. Die erste steht an der Niederrheinallee, in der Nähe des ehemaligen Zechengeländes Niederberg. Der größte Teil der Zwangsarbeiter wurde im Kohlebergbau eingesetzt. Die zweite Tafel steht an der Holtmannstraße, wo von 1941 bis 1945 bis zu 600 Gefangene aus der Sowjetunion in einem von Stacheldraht umzäunten Lager von der Wehrmacht bewacht wurden. Im Jahre 1943 wurde zudem ein "Ostarbeiterlager" errichtet, an das mit einer Tafel an der Ecke Ernst-Moritz-Arndt-Straße/Siebertstraße erinnert wird.

Auf dem Friedhof Neukirchen steht die vierte Tafel. 37 Zwangsarbeiter sind dort beerdigt worden, 22 von ihnen hatten auf der Zeche Niederberg gearbeitet, 15 in der Landwirtschaft, darunter vier Frauen und Mädchen.

Wer von den Gefangenen auf dem Land arbeitete, lebte oft auf den Höfen selbst, doch es gab auch Lager für diese Gruppen: an der Dorfschule Neukirchen, dem Dimmershof bei Vluyn, bei Schloss Bloemersheim und der Nieper Schule. Zudem gab es für zwanzig ukrainische Frauen und Mädchen ein "Ostarbeiterlager" am Möllenbruckshof.

(RP)