Moers: Offensive für die Kultur

Moers : Offensive für die Kultur

Claudius Albustin über die k.o.-Ziele.

Mit der Lesereihe „Literarisch verzapft“ und nicht zuletzt durch das Engagement von Herbert Feuerstein hat sich k.o. Kulturoffensive Moers endgültig bei einem breiterem Publikum einen Namen gemacht. Der Verein hat sich bereits vor vier Jahren gegründet. RP-Redakteurin Anja Katzke sprach mit dem Vorsitzenden Claudius Albustin, Chef der Röhre, über die Ziele der Kulturoffensive.

Der Name Kulturoffensive suggeriert, in Moers sei kulturell nichts los gewesen, als sich der Verein 2002 gründete. Warum war es damals Zeit, in die Offensive zu gehen?

Albustin Die Röhre war von Anfang an ein Inbegriff für Jazzmusik, was natürlich Burkhard Hennens Verdienst war. Damals gab es etwa 300 Veranstaltungen im Jahr. Das ist leider mit der Zeit immer mehr eingeschlafen. Als wir die Kulturoffensive gründeten, klaffte ein großes kulturelles Loch in Moers. Kleinkunst existierte nicht wirklich, und wenn dann nur sporadisch. Für Musiker gab’s keine Auftrittsmöglichkeiten.

Wer steckt hinter der Kulturoffensive?

Albustin Die Idee wurde gemeinsam mit Stammgästen der Röhre entwickelt. Um sie finanziell zu realisieren, haben wir einen Verein gegründet, der heute 35 Mitglieder hat. Siegmund Ehrmann und Burkhard Hennen sind unter anderem unsere Ehrenmitglieder. Zielsetzung war es, Nachwuchskünstlern ein Sprungbrett zu bieten. Was nicht immer leicht war: Unbekannte Künstler ziehen kein so großes Publikum an wie zum Beispiel ein Herbert Feuerstein.

Den Sie für die Lesereihe „Literarisch verzapft“ nach Moers holen konnten.

Albustin Die Idee ist bereits vor Jahren entstanden. Ich habe Feuerstein live gesehen, dachte: Es wäre doch toll, wenn er mal eine Lesung hinter einer Theke halten würde. Das hat einen familiären Charakter. Vom Publikum haben wir großen Zuspruch bekommen. Das Konzept für Literarisch verzapft stammt von Ivonn Kerlen, die bereit war, die Reihe auf die Beine zu stellen. Wir werden die Reihe im Herbst auf jeden Fall fortsetzen.

Die Kulturoffensive bietet ihrem Publikum jedoch nicht nur Lesungen an?

Albustin Nein, es gibt bei uns ständig wechselnde Ausstellungen, die Bettina Engel organisiert. Derzeit läuft eine Ausstellung von Amnesty International in Moers. Unser Musikprogramm, mit dem wir bei Null angefangen haben, ist mittlerweile ein Selbstläufer geworden. Die Termine sind ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Darum kümmert sich Sandra Baetzel. Heute Abend, 20 Uhr, gibt bei uns das Will Holshouser Trio aus den USA ein Sonderkonzert. Das Trio ist auf der Durchreise und legt bei uns einen Stopp ein. Es war ein Tipp von Reiner Michalke, dem künstlerischen Leiter des Moers Festivals. Der Vater des Kontrabassisten hat selbst auf dem Moers Festival gespielt.

Ist es ein Problem, dass die Kulturoffensive immer mit der Röhre an der Weygoldstraße in Verbindung gebracht wird?

Albustin Ursprünglich war das nicht so geplant. Der damalige Wirt der Röhre, Markus Brinkmann, hat uns die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Heute ist es zu einer Kooperationsgeschichte geworden. Hier finden fast alle Veranstaltungen der Offensive statt. Und was soll’s? Auch das Hundertmeister in Duisburg arbeitet so.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft, um die Kultur in Moers weiterhin voranzubringen?

Albustin Unser großes Ziel ist es, eine Vernetzung mit anderen kulturschaffenden Kneipen aufzubauen. Es soll ein Forum sein, in dem man sich austauschen und absprechen kann. Denn oft ist es so, dass an einem Wochenende gar nichts in Moers läuft und am nächsten sich die Veranstaltungen ballen. Aber das sind noch Zukunftsgedanken.

(RP)
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