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Moerser Schüler philosophieren mit Senioren

Moers : Schüler philosophieren mit Senioren

Um den Sinn des Lebens ging es im Generationenprojekt der Hermann-Runge-Gesamtschule. Regelmäßig finden dort Gesprächsrunden zwischen jungen und lebenserfahrenen Menschen statt. Beide Seiten profitieren davon.

Wenn Jung und Alt zusammengekommen, prallen nicht selten auch Welten aufeinander. Dass das aber nicht von Nachteil sein muss, davon sind die Lehrer, Schüler und Gäste des Generationenprojektes an der Hermann-Runge-Gesamtschule überzeugt. Vor vielen Jahren von Schülern eigens ins Leben gerufen, finden die philosophischen Runden unter der Projektleitung von Silvia Miessen mehrere Male im Halbjahr statt und erfreuen sich immer wieder aufs Neue einer großen Anzahl an Teilnehmern.

So saß am Dienstagnachmittag auch Dörte Kubon wieder mit im Stuhlkreis des Philosophie-Projektkurses der Oberstufe. Sie kommt schon mehrere Jahre immer mal wieder zu der philosophischen Runde und kann schon als Stammgast angesehen werden. Ihre Motivation? Jede Menge Inspiration. „Ich habe Frau Miessen damals bei dem Projekt kennengelernt, bei dem Schüler älteren Leuten Handys erklärt haben. Sie erzählte mir von der philosophischen Runde und ich war sehr interessiert“, erzählt die Seniorin und fügt hinzu: „Ich genieße es mit jungen Leuten zusammen zu sein und bin jedes Mal wieder erstaunt, wie schlau sie sind! Das tröstet mich einfach, dass es auch Jugendliche gibt, die was im Köpfchen haben und nett sind. Man hört leider so viel Schlechtes über ihre Generation im Allgemeinen. Aber meine eigenen Enkel überzeugen mich ja auch vom Gegenteil“, lacht die Seniorin.

Das Generationenprojekt „Sozial Genial“ ist dem Philosophie-Kurs angegliedert, aber für die Schüler ist es ein freiwilliges Angebot, das sie jede Woche eine Doppelstunde lang in Anspruch nehmen können, um sich auszutauschen. Trotzdem, oder gerade deshalb, sei der Kurs sehr beliebt und werde in jedem Jahrgang aufs Neue wieder gerne angenommen, erzählt die Projektleiterin.

Dies bestätigt auch die 19-jährige Schülerin Seren, die Mitglied des Projektes ist. „Mich interessiert das Thema Philosophie an sich sehr. Aber anders als der Unterricht, ist dieser Kurs viel lockerer. Wir sitzen im Stuhlkreis und tauschen uns ganz ungezwungen aus. Es geht um Teamarbeit und dass man seine Kreativität ausleben kann. Das finde ich sehr cool.“ Auch aufgrund ihrer Religion fühle sich die Muslima wohler, als wenn sie zum Beispiel den evangelischen Religionsunterricht besuchen würde. „Hier werden solche Themen auf einer ganz anderen Ebene akzeptiert und diskutiert.“

Bei der philosophischen Runde am Dienstag ging es den Schülern vornehmlich um die Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“. Dabei kam es zu einer angeregten Diskussion, Schüler und Schülerinnen beteiligten sich mit großer Freude und das Gespräch entwickelte schnell eine ganz besondere Dynamik. „Heute war es mal etwas anders, aber auch wieder sehr interessant“, resümierte Dörte Kubon.

Das Generationenprojekt ist Teil der übergeordneten SAMT-Projekte. Die Abkürzung steht für „Soziale Angebote miteinander tragen“ – ein Konzept, das die Schüler nicht nur gerne annehmen, sondern auch aktiv leben, wie die Schulleiterin Gerhild Brinkmann stolz berichtet.