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Im KreisWesel ist Grippe-Impfstoff Mangelware

Enpass im Kreis Wesel : Im Kreis ist Grippe-Impfstoff Mangelware

Patienten und Apotheker schlagen Alarm, weil der Grippe-Impfstoff praktisch nicht mehr zu bekommen ist. Das bestätigt auch die Kreisverwaltung. Doch das NRW-Gesundheitsministerium gibt Entwarnung.

Seit Jahren schon lässt sich Jürgen Stegemann aus Hamminkeln im Spätherbst gegen Grippe impfen.  Und obwohl er schon Anfang November in der Hamminkelner Marktapotheke den sogenannten viervalenten Totimpfstoff bestellt hatte, bekam er jetzt das Rezept von seinem Apotheker zurück. Und zwar mit dem Hinweis, dass in ganz Deutschland kein Grippe-Impfstoff  mehr verfügbar sei. „Auch mein Versuch, in verschiedenen Praxen anzurufen und nach möglichen Restbeständen zu fragen, ist fehlgeschlagen“, sagt der 71-Jährige.

Dass Thomas Preis, der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, kürzlich verkündet hatte, dass jeder, der geimpft werden wolle, auch geimpft werde, klingt für ihn wie ein Hohn. „Ich will geimpft werden. Aber wo bekomme ich jetzt den Impfstoff her?“ Sein Versuch, beim Ärzteverband Nordrhein in Düsseldorf eine Antwort zu bekommen, ist kürzlich fehlgeschlagen.

 Wie Jürgen Stegemann geht es in diesen Tagen vielen Menschen in der Region. Auch der Kreis Wesel teilt auf Anfrage mit, dass Grippe-Impfmittel derzeit so gut wie nicht zu bekommen sind. Was aber sollen die Kunden tun, die sich noch impfen lassen wollen?

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Eine Frage, die sich auch Michael Jilek, der Sprecher der Apotheker in Wesel stellt. Von seinem Großhändler ist ihm nämlich jüngst ein Fax geschickt worden, in dem es heißt, „dass es in ganz Europa keinen Vierfach-Impfstoff mehr gibt“. Den Hinweis, dass man den Dreifach-Impfstoff aus dem vergangenen Jahr aus Österreich bestellen könne, nennt er „blanken Unfug“. Das sei nur ein halber Schutz.

Dass die Nachfrage nach dem Grippe-Impfstoff so ist, liegt nach Überzeugung von Jilek unter anderem daran, „dass es 2017 eine große  Grippewelle gegeben hat und die Leute sensibler sind. Die Ärzte sagen, dass so viel noch nie geimpft wurde.“

  Dass sich deutlich mehr Menschen gegen die Grippe impfen lassen wollen, ist auch der Eindruck von Thomas Preis. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, dass allerdings in diesem Jahr deutlich mehr Impfstoffe produziert und ausgeliefert  wurden als im vergangenen Jahr. „Es ist richtig, dass die meisten Apotheken keinen Impfstoff mehr haben. Es sei denn, dass sie Mittel schon aus dem Ausland importiert haben.“ Das nämlich ist möglich, seit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jüngst einen „Versorgungsengpass“ ausgerufen hat.

Damit, erklärt Thomas Preis, gebe es nun die Möglichkeit, dass das Land NRW die Einfuhr von Impfstoffen aus dem Ausland erlaube. Unabhängig davon ist Thomas Preis überzeugt, dass viele Arztpraxen für Angehörige von Risikogruppen (zum Beispiel Senioren) noch Impfstoffe vorrätig haben.

Obwohl es, laut Jilek, offenbar in ganz Europa keine Impfstoffe mehr gibt, sollen sie importiert werden dürfen? Eine Nachfrage am Dienstag beim NRW-Gesundheitsministerium brachte Klarheit. Es sei so, teilte Ministeriums-Sprecher Axel Birkenkämper mit, dass aufgrund des Versorgungsmangels „Impfstoffe, die normalerweise nicht zum Verkehr im Geltungsbereiches des Arzneimittelgesetzes zugelassen sind, befristet in Deutschland in Verkehr gebracht werden dürfen. Diese dann verkehrsfähigen Arzneimittel können von nordrhein-westfälischen Apotheken bezogen und an Ärzte weitergegeben werden.“

 Weiterhin teilt Birkenkämper mit, dass  voraussichtlich Ende der Woche die Firma Kohlpharma aus dem Saarland einst nach Schweden exportierten Grippeimpfstoff nun wieder einführt. „Wer sich also impfen lassen will, der sollte sich an seinen Apotheker wenden“, empfiehlt Axel Birkenkämper.