Moers: Gedenkkonzert will Frieden stiften

Moers: Gedenkkonzert will Frieden stiften

Der Grafschafter Konzertchor erinnerte mit Dvoráks "Stabat Mater" an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren.

2018 jährt sich das Ende des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Das Gedenkjahr gibt Anlass zu unterschiedlichsten Aktivitäten auch im kulturellen Bereich. So gedachte der Grafschafter Konzertchor am Wochenende mit einer Aufführung von Antonín Dvoráks "Stabat Mater" der vielen Opfer, die der Krieg gefordert hatte. Er erinnerte, "an all das Furchtbare, was Menschen Menschen angetan haben in diesen vier Kriegsjahren", wie Schirmherr Wolfram Syben, Superintendent des Kirchenkreises Moers, in seinem Grußwort schrieb. Darin wünschte er sich, dass der Konzert-Beitrag als "Anstiftung" zum Frieden-Stiften aufgenommen und weitergeführt werden könne. Dvoráks Opus 58 ist eine Vertonung des mittelalterlichen Gedichtes "Stabat Mater", entstanden nach schweren persönlichen Schicksalsschlägen, die der Tod dreier Kinder innerhalb weniger Jahre dem Ehepaar Dvorák gebracht hatte.

Mit der in ernstem Gleichmaß dahinschreitenden Musik und ohne den kleinsten Anklang einer böhmischen Musikantisierung erreicht das Werk ein Äußerstes an Trauer und Empfindung und geht dem Hörer tief zu Herzen. Hans-Günther Bothe, der seit 2007 die Leitung des Grafschafter Konzertchors innehat, fand von Anfang an den passenden Ton dafür: packend und ergreifend, aber ohne Gefühlsduselei selbst in den süßen Melodien.

Von den trostlos absteigenden Klagemotiven bis zum Triumph der Hoffnung, vom Schmerz bis zur Seligkeit gelang es ihm, das Publikum in der voll besetzten St. Martinus-Kirche in seinen Bann zu ziehen. Dabei erwies sich die bestens vorbereitete Chorgemeinschaft aus Grafschafter Konzertchor und dem Chor des Städtischen Musikvereins Wesel als ausgezeichneter Partner, der sich sehr homogen und gut ausbalanciert präsentierte.

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Harmonisch fügte sich auch das Solistenquartett: Agnes Lipka mit innig schwebendem Sopran, Rena Kleifeld mit ausdrucksstarker dunkler Fülle, Paul Onaga mit lyrischer Brillanz und Bruno Vargas mit kernigem Bass. Ein besonderes Lob gebührt dem Rheinischen Oratorienorchester, das sich einmal mehr als souveräner und ausgesprochen geschlossen agierender Instrumentalpartner bewährte. Einer der ergreifendsten Momente des Konzerts war die Schweigeminute, um die der Vorsitzende des Grafschafter Konzertchores Rainer van Lück im Programmheft gebeten hatte - auch wenn es letztlich nur eine halbe Minute wurde, weil es vereinzelt doch vorschnellen Applaus gab. Keine weitere Minute sollte es dann dauern, bis alle Zuhörer sich zu Ehren der Ausführenden erhoben hatten und minutenlang stehend applaudierten. Der verdiente Abschluss einer des Anlasses rundum würdigen Veranstaltung.

Der Grafschafter Konzertchor ist ein gemischter Chor aus etwa 60 aktiven Sängern, der große Chorwerke mit Orchester und Solisten einstudiert, vor allem Oratorien und kirchenmusikalische Werke. Hervorgegangen ist er aus einem Männerchor, der 1909 als "Liedertafel Homberg" gegründet wurde, sich 1926 durch die Aufnahme von Frauen zum Oratorienchor erweitert hat und 1965 in den "Musikverein Homberg" überging. Die heutige Bezeichnung führt er seit 2011.

(prs)
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