Moers: Wenn die Feuerwehr als Notarzt kommt

Moers: Wenn die Feuerwehr als Notarzt kommt

Steigende Einsatzzahlen bringen den Moerser Rettungsdienst an seine Kapazitätsgrenzen. Immer häufiger müssen daher Löschfahrzeuge die Lücke schließen und bei medizinischen Notfällen ausrücken.

217 Mal sind im Jahr 2017 Löschfahrzeuge der Moerser Feuerwehr ausgerückt, ohne dass es ihrem Einsatzbereich entsprochen hätte. Stattdessen fungierten die Rettungskräfte als sogenannte "First Responder", einer Art Noteinsatztruppe. Weil alle Moerser Rettungswagen bereits unterwegs waren, mussten Kollegen aus Nachbarwachen verständigt werden. Um die Zeit bis zu deren Eintreffen zu überbrücken, machten sich zunächst die "First Responder" auf den Weg. Das Konzept ist nicht neu, nur hat sich die Zahl dieser "Spezialfälle" innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.

"Die Einsatzzahlen haben in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen", bestätigt Feuerwehrchef Christoph Rudolph. "Wir haben rund um die Uhr drei Rettungswagen im Einsatz, dazu kommt unter der Woche für täglich zwölf Stunden ein viertes Fahrzeug."

Das reicht jedoch häufig nicht aus. "Da der Rettungsdienst über die Krankenkassen finanziert wird, muss das Thema im Kreis Wesel geregelt werden", erklärt Rudolph. Ohne den entsprechenden Rettungsdienst-Zentralplan erstatten die Krankenkassen nämlich keine Kosten. Der alte Bedarfsplan existiert schon seit einigen Jahren, ist daher überholt. Dringend wird eine neue Aufstellung ersehnt. Im Sommer soll es endlich so weit sein. Bis dahin stocken auch die Planungen für eine neue Moerser Hauptfeuer- und Rettungswache. Nachdem zunächst eine Modernisierung an alter Stelle am Jostenhof favorisiert wurde, wird mittlerweile doch nach einer Neubau-Fläche gesucht. In den Blickpunkt geriet dabei unter anderem der benachbarte Sportplatz von Rot-Weiß Moers (die RP berichtete).

In der Sitzung des Personal- und Feuerwehrausschusses wurde dazu in der vergangenen Woche ein neues Prüfverfahren angekündigt. Heißt: Die Verwaltung sieht sich in unmittelbarer Nähe zum jetzigen Standort (Radius von einem Kilometer) nach einem adäquaten Grundstück für einen Neubau der Hauptfeuer- und Rettungswache um. Derweil hat ein Gutachterbüro einen vorläufigen Kostenrahmen sowohl für einen Neubau auf freier Fläche, als auch für eine Sanierung im Bestand erstellt. Die Zahlen wurden gestern dem Ausschuss für Bauen, Wirtschaft und Liegenschaften vorgestellt. Für einen Neubau veranschlagen die Gutachter rund 40 Millionen Euro, für eine Sanierung rund 43 Millionen bei einer Bauzeit von zwei beziehungsweise sechs Jahren. "Eine Differenz von nur drei Millionen Euro kommt uns relativ wenig vor", sagt Stadtsprecher Klaus Janczyk. Deshalb sollen die Berechnungen jetzt noch mal geprüft werden.

Bei aller Unzufriedenheit mit der derzeitigen Situation, die Qualität der Rettungseinsätze bleibt dennoch gewährleistet. "Alle Feuerwehr-Bediensteten werden auch genauso im Rettungsdienst eingesetzt. Alle können bei uns alles", erklärt Rudolph. Es ist also keineswegs so, dass unqualifizierte Kräfte zu medizinischen Notfalleinsätzen geschickt werden. Die handelnden Personen sind gut ausgebildet, sitzen jedoch im falschen Fahrzeug. "Eine Grundausrüstung haben die Kollegen dabei. Sie können Erstmaßnahmen einleiten, den Patienten stabilisieren und am Leben erhalten", sagt der Feuerwehrchef. Allerdings verfügt ein Löschfahrzeug nicht über die entsprechenden medizinischen Gerätschaften eines Rettungswagens. Für alles weitere sind die Kollegen aus der Nachbarwache zuständig, die in einem solchen Fall dazu gerufen werden. Deren Eintreffen kann aber nun einmal eine Viertelstunde dauern. "Bei Notfällen ist jede Sekunde wichtig", betont Rudolph die Bedeutung der "First Responder". So kann der Rettungsdienst auch in Löschfahrzeugen Leben retten. "Die Zeit auf diese Art zu überbrücken ist auf jeden Fall besser als nichts." Der Optimalfall sieht allerdings anders aus. Doch bis zu einem neuen Rettungsdienstbedarfsplan sind den Einsatzkräften vor Ort die Hände gebunden.

(RP)