Ex-Bergmann kümmert sich im Moerser Hospiz

Soziales In Moers : Ex-Bergmann kümmert sich im Hospiz

Der Moerser Michael Maaß ist ehrenamtlich im „Ambulanten Hospizdienst Bethanien“ engagiert und kümmert sich um Bewohner.

Michael Maaß gehört in den 35-köpfigen Kreis des Ambulanten Hospizdiensts Bethanien. „Wir sind im Moerser Umfeld tätig, besuchen Seniorenheime, Privathaushalte und in Akutfällen die Stationen vom Krankenhaus Bethanien“, erklärt Hospizkoordinatorin Tanja Meissner. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Petra Papen koordiniert sie den ehrenamtlichen Dienst für Menschen in der letzten Lebensphase, wenn die Diagnose „austherapiert“ lautet, beispielsweise bei Tumorerkrankungen, oder anderen lebensverkürzenden Erkrankungen.

Maaß (60) ist Bergmann, der auf den Zechen Rossenray und Friedrich-Heinrich seit der Jugend als Elektriker gearbeitet hat. Früh erlebte er in der Familie den Verlust des Bruders, dann der Mutter. Sein Vater Werner, ebenfalls Bergmann, lebte vier Jahre lang im Seniorenstift Bethanien. „Ich war jeden Tag bei ihm. Als Rentner hatte ich Zeit“, erinnert sich Maaß an die intensiven Besuche. „Ich wurde als Bezugsperson sein Ein und Alles. Wir hatten mit zwei anderen Bewohnern Freundschaft geschlossen“, sagt der 60-Jährige. Als sich dann ihr Tod ankündigte, war es sein Vater, der mit ihm an die jeweiligen Sterbebetten trat, Hände streichelte und einfach in den letzten Stunden da war, die Freunde nicht alleine ließ.

Nach dem Tod des Vaters 2014 stand für Michael Maaß fest, an einer hospizlichen Ausbildung teilzunehmen. „Ich wusste, dass ich noch gebraucht werde.“ Unter dem Fachbegriff „Befähigungs- und Ermutigungskurs“ zur ehrenamtlichen Mitarbeit in Hospiz- und Palliativdiensten stand die Ausbildung, die er startete.

Tanja Meissner erweiterte den Hospizdienst des Seniorenstiftes im April 2018 zum „Ambulanten Hospizdienst Bethanien“. Schon der Info-Abend bestätigte Maaß, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dass dieser würdevolle Dienst am Nächsten überwiegend von Frauen geleistet wird, verwundert ihn nicht. „Ich glaube, die innere Berufung ist ausschlaggebend. Sterben, Tod und Trauer so nah zu erleben, kann nicht jeder. Für Männer ist es eher schwierig“, sagt Maaß.

Für die Hospizkoordinatorinnen ist die Möglichkeit, auf Wunsch eine männliche Begleitung in dieser letzten Lebensphase anzubieten, eine Fügung. „Wir haben drei Mitarbeiter. Damit ist am Sterbebett Augenhöhe erreicht. Wir Frauen sprechen nicht die gleiche Sprache wie Männer“, sagt Meissner.

Wenn Maaß eine Begleitung annimmt, baut er über Gespräche eine Beziehung auf. „Ich erkenne an persönlichen Gegenständen die Hobbys und finde schnell die Basis. Und dann sprudelt es aus meinem Gegenüber heraus.“ Die Gespräche drehen sich auch um Familien- und Jugenderlebnisse.

Einmal pro Woche für etwa drei Stunden macht Maaß den Besuch, schenkt Zeit, ist da, lädt zum Spaziergang ein. „Für Angehörige ist es sehr wichtig und entlastend, sich eine kleine Pause von der Pflege zu nehmen, um auch persönliche Dinge zu erledigen.“ Oft haben die Schwerstkranken keine Angehörigen mehr. „Bei unseren Treffen bringe ich die Welt von draußen mit“, sagt der Hospizler. Ein Lächeln, ein Händedruck sind der Dank. „Eine Wertschätzung. So einfach ist das.“

Eine Begleitung setzt nicht erst in den letzten Lebensstunden ein, braucht keine ärztliche Verordnung, sondern sollte früh organisiert werden, rät Meissner. Gut durch die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) eingestellt, stellt sich Lebensqualität ein. „Die hospizlichen Dienste nehmen die seelischen Schmerzen“, sagt Tanja Meissner.

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