Mönchengladbach: Stiftung Volksverein versteigert Steine der Brandtskapelle

Auktion in Mönchengladbach : Ein Stück Brandtskapelle fürs Wohnzimmer

Die Stiftung Volksverein versteigerte Sandsteine aus dem beschädigten Mauerwerk der Kapelle, um Erlöse für die teure Sanierung zu erzielen. 2700 Euro kamen dabei zusammen.

Die Brandtskapelle an der Rudolfstraße hat eine lange Tradition und erinnert an die Ursprünge des Volksvereins. 1896 erbaut, weist sie heute viele Mängel auf und muss saniert werden. Da sich die Höhe des geschätzten Betrages, der für die Baumaßnahmen benötigt wird, von etwa 700.000 Euro auf 1,2 Millionen Euro erhöht hat, kam der Stiftung Volksverein die Idee, zum Tag des Denkmals Sandsteine aus dem Gemäuer der Kapelle zu versteigern.

Steinreich sozusagen gingen am Sonntag die Besucher der Versteigerung am Tag des Denkmals nach Hause. Den größten Stein sicherte sich die Künstlerin Oda Walendy, die für einen Sandsteinturm 700 Euro bot und dafür ein so großes Stück Brandtskapelle mit nach Hause nehmen kann, dass dafür ein Lastwagen benötigt wird. Insgesamt kamen nach Auskunft des Volksvereins knapp 2700 Euro zusammen. „Das ist hocherfreulich“, sagte Saskia Derichs nach der Versteigerung, bei der Bezirksbundesmeister Horst Thoren ehrenamtlich als Auktionator half.

Hans-Werner Quasten, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Volksverein, erklärte, dass die Kapelle eine bedeutende Geschichte nicht nur für Mönchengladbach, sondern auch für den Verein hat: „Franz Brandts war in der Textilindustrie tätig und setzte sich schon damals für die Rechte von Arbeitnehmern ein“, erklärte er. Die Kapelle ließ er bauen, als sein Sohn an Tuberkulose erkrankte und schließlich auch daran starb. „Gleichzeitig sollte sie als eine Art Heimat für seine Arbeitnehmer dienen.“ Heute biete sie einen Raum für die verschiedensten Menschen. „Im Treff am Kapellchen kommen Berufstätige, Alleinerziehende sowie Geflüchtete zusammen. Niemand muss einen Titel vorweisen oder sich zu irgendetwas bekennen. Auch Gottesdienste verschiedener Religionsgemeinschaften werden in der Kapelle abgehalten.“

Da die Kosten für die Baumaßnahmen rapide in die Höhe stiegen, suchte der Volksverein nach einer Lösung, das nötige Geld zusammenzubekommen. Bei den Sandsteinen, die versteigert wurden, handelt es sich um defekte ausgebaute Elemente der Brandtskapelle. Viele von ihnen stammen aus den alten Fensterrahmen. „Ansonsten würden die Steine in den Müll geraten, und das wäre doch schade. Wir fanden die Vorstellung schön, dass die Leute die Möglichkeit haben, sich ein Stück Stadt- und Kirchengeschichte in ihren Garten oder ihr Wohnzimmer zu stellen.“ Der Wert der Steine wurde im Voraus geschätzt, und so begannen die Preise für die kleineren aus dem Restesack bei zehn Euro, größere Sandsteine wurden für Preise ab 120 Euro versteigert.

Die Sanierung der Brandtskapelle hat sich komplizierter erwiesen als erhofft. „Wir hatten eigentlich den Plan, im Oktober den ersten Bauabschnitt zu beenden“, sagte Architekt Ekkehard Mertens. „Aber als das Gerüst stand und wir alles genauer untersuchen konnten, stellte sich heraus, dass die Schäden immens sind. Es wird noch dauern.“ Wahrscheinlich im Frühjahr 2020 soll außen alles fertig sein. Im Spätsommer darauf sollen nach heutigem Plan auch die Innenarbeiten beendet sein.

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