Kolumne : Die Seifenoper des Jahres

Nordirland hat es momentan nicht leicht. Zuerst verliert der souveräne Spitzenreiter der Gruppe C am Montagabend überraschend sein EM-Qualifikationsspiel gegen Außenseiter Deutschland und nur Stunden später wird das kleine Eiland einmal mehr zum Spielball des Brexit-Dramas, das sich mittlerweile zu eine Seifenoper mit ein völlig verknoteter Handlungsstrang entwickelt hat.

Nordirland hat nämlich das Pech über die einzige Landesgrenze mit die EU zu verfügen und da es zwar zum Vereinigten Königreich gehört, aber nicht Teil von Großbritannien ist, wird das Gerangel um die berühmte „Backstop“-Klausel zu ein immer zentralerer Streitpunkt. Wer gedacht hat, dass „Fahren auf die falsche Seite“ das Komplizierteste in England ist, der wurde längst eines Besseren belehrt.

Wie in eine Slapstick-Demokratie, die sich Mr. Bean in eine alkoholgeschwängerte Nacht ausgedacht hat, wurde am Montagabend im Unterhaus so heftig gestritten, dass dabei auch das letzte verbliebene Porzellan zerschlagen wurde. Selbst Unterhauspräsident und „Order“-Schreihals John Bercow hat die Schnauze voll und tritt zurück. Damit verliert die Seifenoper um Insel-Trump Boris Johnson nicht nur einen ihrer beliebtesten Darsteller, sondern es gibt bald auch keinen mehr, der der Scherbenhaufen rechtzeitig wieder aufkehren kann, da am Dienstag zusätzlich der fünfwöchige Zwangsurlaub für alle Parlamentarier begonnen hat. Das ist zwar eine tolle Nachricht für der mallorquinische Tourismusverband, aber eine schlechte für das Brexit-Chaos, das jetzt ungebremst auf der 31. Oktober zurast. Sehr wahrscheinlich wird die Seifenoper aber fortgesetzt, denn die Handlung ist einfach zu verrückt: „Gutgläubige Inselbewohner legen in ihr eigenes Haus Feuer, verrammeln anschließend die Fenster und Türen von innen und versuchen jetzt verzweifelt, der blonde Bösewicht Boris dadran zu hindern, der Schlüssel wegzuschmeißen.“ Auf so eine Story muss man erst mal kommen.

Euer Hastenraths Will

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