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Mönchengladbach Denkanstoß: Zimmer mit Aussicht

Denkanstoß : Zimmer mit Aussicht

Unsere Autorin macht sich so ihre Gedanken über das Homeoffice und schaut dabei auch gerne mal aus dem Fenster. Dabei sieht sie spannende Dinge.

Ich sitze im Homeoffice am Laptop oder in Videokonferenzen, ärgere mich manchmal über schlechtes WLAN, ruckelige Bilder der Kollegen im Bildschirm oder abgehackten Ton. Meistens aber klappt alles prima und zwischendurch schaue ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers nach draußen auf die Straße vor unserem Haus. Es ist eine mäßig belebte, eher ruhige Straße, mehr Fußgänger als Autos; da werden regelmäßig Hunde bei Wind und Wetter ausgeführt, da sehe ich  Jugendliche mit Skateboards, sportlich Aktive, Mütter mit Kinderwagen, eine ältere Dame mit Rollator. Gruppen gibt es dort fast gar nicht, nur sonntags, wenn man sich in diesen kontaktarmen Zeiten mal  mit einer anderen Familie trifft zum gemeinsamen Spaziergang. Ich kann Regen, Schnee, Sonne sehen und auch Wind erkennen, wenn sich die Blätter der Sträucher vor dem Fenster bewegen.

Der Blick aus einem Fenster ist naturgemäß eingeschränkt, man kann nur einen bestimmten Abschnitt der Straße sehen. So sehe ich die Vorbeigehenden auch nur für eine kurze Zeitspanne auf einem Abschnitt von maximal 50 Metern. Da ich mit dieser Aussicht im Homeoffice mittlerweile recht viel Zeit verbringe, denke ich darüber nach, dass unsere Blickwinkel eingeschränkt sind. Eine Weite, die wir gerne für uns postulieren, haben wir meist doch nicht. Mir fällt der Roman von E.M. Foster dazu ein, Zimmer mit Aussicht, in dem eine junge Engländerin  Anfang des 20. Jahrhunderts als Touristin in Florenz unterwegs ist und gerne ein Zimmer mit Aussicht auf den Arno haben möchte, was schließlich ermöglicht wird und ihr Leben dadurch im Verlauf des Romans bestimmte (romantische) Wendungen nimmt. Blickwinkel und Aussichten bestimmen auch die Arbeiten der Künstler, die immer Ausschnitte zeigen. Diese Woche wurden wir als Leser der Rheinischen Post mit in die Welt des David Hockneys genommen. Auch an  Orten hier in der Stadt wie der Citykirche kann man derzeit quer sehen mit einem anderen Blick auf vertraute Dinge.

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Es tut gut, genau hinzuschauen und einmal wahrzunehmen, was ich von bestimmten Blickwinkeln von meinem Zuhause oder unterwegs beim Spaziergang, an Bushaltestellen oder Ampeln  sehe. Viele Menschen schauen tagtäglich genau hin: die Ärzte und Ärztinnen, die den Muskel beim Impfen treffen müssen, aber auch jeder Handwerker, der etwas repariert. Menschen, die sich für andere einsetzen, schauen auch genau hin, auf Ungerechtigkeiten, auf Benachteiligungen. Wir haben meist keinen Blickwinkel von 360 Grad, aber oft hilft es schon, wenn man den aktuellen Blickwinkel  wahrnimmt und dort genau hinschaut.

Ulrike Wellens ist Pastoralreferentin im Regionalteam der katholischen Region Mönchengladbach.