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Rheinberg: Bortherin sieht Betreuung als Herzenssache

Mobile Seniorenbetreuung in Rheinberg : Kümmern als Herzenssache

Ulrike Schulz betreibt seit zwei Jahren eine mobile Seniorenbetreuung. Ab September hat sie an der Borther Straße 195 in Borth auch eine feste Anlaufstelle. „Gemeinsam statt einsam“ ist das Motto der 48-jährigen Unternehmerin.

Ulrike Schulz weiß, dass sie die Welt nicht verändern kann, obwohl sie dies mit Blick auf die zunehmende Vereinsamung vieler Menschen sicher gerne tun würde. Die examinierte Kindergärtnerin, die von 2007 bis 2018 bei der Caritas als „Betreuungskraft für haushaltsnahe Dienstleistungen“ und in der Kurzzeitpflege als Pflegekraft gearbeitet hat, weiß aus eigener Erfahrung, dass das Alleinsein eine große Rolle im Alltag spielt. Der Lebenspartner fehlt, die Kinder oder Angehörigen sind berufstätig oder selbst mit der Pflege überfordert. Ihr Wunsch ist, ihren Alltag mit ihnen gemeinsam zu gestalten, damit Senioren und Menschen mit Einschränkungen, die so lange es eben geht in ihrem Zuhause leben können.

„Gemeinsam statt einsam“: Darum geht es der 48-Jährigen, die eine Weiterbildung zur Betreuungsassistentin nach § 87 b inklusive Pflegehelferin mit Behandlungspflege notwendigen Schulungen besucht und sich vor zwei Jahren mit ihrer mobilen Seniorenbetreuung selbstständig gemacht hat. „Ich wollte immer in die Pflege, aber Betreuung bedeutet mir viel mehr“, begründet die fröhliche Frau, deren Arbeitstag um 7 Uhr morgens beginnt, die in der Regel erst um 19 Uhr abends wieder zu Hause ist und dann noch lange nicht Feierabend hat, immer wieder von Klienten angerufen wird, die vielleicht gerade gestürzt sind, reden wollen oder ein Problem haben und sie bitten, doch eben mal kurz vorbei zu kommen. Und das macht Ulrike Schulz auch, Dienst nach Vorschrift gibt es für sie nicht.

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„Betreuungsdienst mit Herz“ hat sie ihre mobile Seniorenbetreuung genannt. Das trifft es genau, wie Ehemann Peter versichert, dem Ulrike Schulz nach dem langen Arbeitstag daheim am Küchentisch oft von den Menschen erzählt, die sie an dem Tag besucht hat, um für sie einkaufen zu gehen, ihnen beim Duschen zu helfen, leichte Tätigkeiten im Haushalt durchzuführen. Ältere oder pflegebedürftige, aber auch demenziell erkrankte Frauen und Männer, denen sie einfach nur mal zuhört, mit denen sie auch mal Mensch-ärger-dich-nicht spielt, kleine Spaziergänge unternimmt, die sie zum Arzt oder Friseur begleitet oder zum Krankenhaus fährt, weil sie dort stationär behandelt werden müssen. „Sie hat ein großes Herz für Menschen, die Hilfe brauchen“, sagt ihr Mann. Zustimmendes Kopfnicken bei der 23-jährigen Tochter, die sichtlich stolz ist auf ihre Mutter. Ein 17-jähriger Sohn komplettiert die Familie, die immer hinter ihr steht.

Ulrike Schulz nimmt sich Zeit für die Menschen, die sie betreut. Mittlerweile sind es mehr als 25, Tendenz steigend. Weil das so ist, hat sie mittlerweile drei geringfügig beschäftigte Mitarbeiterinnen und ab dem 4. September an der Bortherstraße 195 auch ein kleines Büro, von wo aus sie die administrativen Aufgaben erledigt, bei denen ihr Ehemann Peter hilft. Das Büro wird dann auch Anlaufstelle für Menschen, die Hilfe bei der Betreuung ihrer Angehörigen benötigen, und denen sie hilft, die zugehörigen Anträge bei den Krankenkassen zu stellen. Ihre Leistungen rechnet Schulz mit den Krankenkassen bei vorhandenen Pflegestufen direkt ab. Auch „Privatzahler“ können ihre Dienste in Anspruch nehmen.

„Nein, keine Sekunde“, antwortet die 48-Jährige auf die Frage, ob sie ihre Entscheidung bereut hat. Und erzählt von dem 88-jährigen Mann, der an Lungenfibrose erkrankt ist, alleine im Dachgeschoss eines Wohnhauses lebt und die Treppen nicht mehr rauf noch runter kommt. Er wartet immer schon auf sie, genau wie das Ehepaar, das seit 60 Jahren verheiratet ist und dank ihrer Unterstützung weiter in der eigenen Wohnung leben kann. Sätze wie „dich schickt der Himmel“ sind die schönste Anerkennung, die sie von ihren Senioren erfährt.

„Alleine alt zu werden ist schlimm“, findet Ulrike Schulz, die ihre Kinder alleine groß gezogen hat. Sie ist in einem kleinen Dorf in Bayern aufgewachsen, ist vor 16 Jahren mit ihrem damals einjährigen Sohn und der siebenjährigen Tochter an den Niederrhein gezogen. Sie will dazu beitragen, dass Menschen selbstständig bleiben können, sich ihre Würde bewahren. Und sie hat auch schon die nächste Idee im Kopf: Räume als Treffpunkt für ältere Menschen mieten, vielleicht in der Nähe der Borther Kirche, in denen sie dann auch beispielsweise eine Weihnachtsfeier organisieren könnte.