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Bäcker Schüren verkauft auch in Mettmann Mehl

Interview mit Roland Schüren : „Der Zusammenhalt in der Krise ist toll“

Der Bäckerei-Inhaber spricht über Mehl, Hamsterkäufe und Erfahrungen aus Zeiten schlechter Getreideernten.

Mehl ist nach Klopapier offenbar der Deutschen liebstes Hamster-Objekt: Vor allem Weizenmehl muss – blickt man sich in den leeren Supermarkt-Regalen um – tonnenweise in den privaten Haushalten lagern. Was macht in diesen Zeiten ein Unternehmen, das tagtäglich mit diesem begehrten Rohstoff arbeitet? Wir fragen Roland Schüren, Inhaber von „Ihr Bäcker Schüren“, der Filialen auch in Mettmann hat.

Haben Sie noch genug Mehl zum Backen in Ihrer Backstube?

Schüren Auf jeden Fall. Wir arbeiten mit regionalen Landwirten zusammen, bei denen wir ganz normal bestellen und alles bekommen, was wir haben wollen. Das klappt dank unserer langjährigen Geschäftsbeziehung sehr gut. In früheren Jahren schon haben wir gemeinsam zum Beispiel bei schlechten Ernten „geübt“, wie wir über die Runden kommen.

Geben Sie von Ihrem „Reichtum“ auf Wunsch etwas ab?

Schüren Natürlich, wir bieten in unseren Bäckereien auch Weizen- und Dinkelmehl an, das läuft tatsächlich extrem gut. Die Menschen haben aktuell scheinbar viel Zeit, selber zu backen.

Wie hat sich Ihr Geschäft in den letzten Wochen entwickelt?

Schüren Bis zum 17. März gab es massive Hamsterkäufe. Ab dann mussten unsere Cafés schließen, was unseren Umsatz einbrechen ließ. Die Kontaktsperre gibt es seit 24. März. Seither haben wir auch in den Geschäften einen drastischen Minderverkauf. Die Menschen essen ihre Hamsterbestände zum Teil auf, und weil sie weniger vor die Tür gehen, nehmen sie offenbar vor allem haltbare Backwaren.

Als Bäckerei können Sie Ihre Geschäfte weiterhin öffnen. Wie läuft es dort?

Schüren Je nach Ladengröße dürfen nur zwei bis sechs Kunden gleichzeitig rein. Wir haben auf dem Boden Abstandslinien gezogen. Das verstehen viele, aber nicht jeder sofort. Es bilden sich lange Schlangen, und die Bedienzeit verlängert sich, weil die Menschen oft nicht aneinander vorbeigehen. Deswegen kriegen wir die Verkaufs-PS im Moment nicht so recht auf den Boden.

Und wie geht es Ihrem Unternehmen wirtschaftlich in der Corona-Krise?

Schüren Wir haben mittlerweile Kurzarbeit. Das ist ein supertolles Instrument, um alle Arbeitsplätze zu erhalten. Wenn es in ein paar Wochen wieder losgeht, sind alle noch an Bord. Unser Unternehmen stockt das Kurzarbeitergeld freiwillig auf 80 Prozent auf, die Mitarbeiter wechseln sich bei der Arbeit ab.

Wie sieht das praktisch aus?

Schüren Wir haben die Backstube in zwei Teams aufgeteilt, die sich nicht sehen und nicht berühren. Die Öffnungszeiten in unseren Bäckereien sind verkürzt: Das gibt mehr Sicherheit, weil weniger Personal gleichzeitig arbeitet. Die anderen können in der Zeit Überstunden abbauen. Außerdem haben wir eine Jobrotation eingeführt: Mitarbeiter aus dem Verkauf werden zu Backstubenhelfern, Fahrern oder Mehlabpackern. Die Backstubenhelfer waschen und schneiden Erdbeeren. Alle sind super flexibel und ziehen an einem Strang.

Welche Erfahrungen machen Sie persönlich mit der Pandemie?

Schüren Ich spüre, wie jetzt alle merken, dass es ums Ganze geht. Wir sind in Deutschland Teamplayer, eine Turniermannschaft. Das zeichnet uns aus. Der Zusammenhalt ist toll. Ich hoffe, dass wir einige Erfahrungen aus der Krise mit in die Zeit danach hinüberretten können.

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