Politik streitet um das Meerbuscher Stadtarchiv

Soll das Stadtarchiv an den Kreis ausgelagert werden? : Stadtarchiv soll in Meerbusch bleiben

Weil die Stadt Räume für mehr Schüler braucht, überlegt die Verwaltung, das Stadtarchiv aus der Adam-Riese-Schule auszulagern.

Meerbusch soll wachsen – darüber ist man sich in der Politik einig. Darum werden nach und nach viele Baugebiete entwickelt. Zielgruppe: vor allem junge Familien. Heißt in der Konsequenz: Es werden in den nächsten Jahren auch Kita- und Schulplätze nötig. Und genau das will die Stadt strategisch angehen und überlegt schon jetzt, wie der Bedarf in den kommenden Schuljahren gedeckt werden kann.

Weil feststeht, wo Baugebiete entstehen und Neubürger einziehen, kann man hochrechnen, wie viel Kita-Plätze in Osterath und wie viel Klassenräume in Strümp oder Büderich nötig sind. Beispiel Grundschulen in Büderich: Eine mögliche Erweiterung wäre in der Adam-Riese-Schule an der Witzfeldstraße möglich. Aber: Dort ist seit 1993 das Stadtarchiv untergebracht. „Eine denkbare Möglichkeit”, so Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage jetzt im Haupt- und Planungsausschuss, „es dem Kreisarchiv zu übergeben.”

Sämtliche Unterlagen von Ostara konnten gesichert werden. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Und genau an diesem Punkt regte sich Protest: erst bei Historikern und Heimat-Freunden in Meerbusch, jetzt auch in der Politik. Die FDP brachte einen Antrag ein und fordert darin, dass das Archiv in Meerbusch bleiben und dass man  suchen soll, wo es demnächst untergebracht werden kann. Dieser Antrag wurde mehrheitlich angenommen, eine weitere Diskussion ist in der September-Sitzung angedacht.

So steht es draußen an der Schulwand: Hier ist das Stadtarchiv Meerbusch. Die Grundschule soll aber vergrößert werden. Foto: RP/Anke Kronemeyer

Dass die Adam-Riese-Schule erweitert werden soll, stand gar nicht zur Diskussion. „Meerbusch entwickelt sich,” so Nicole Niederdellmann-Siemes (SPD). „Und dabei muss eine Kita- und Schulentwicklung sichergestellt sein.” Es gebe ja schon jetzt Eltern, die keinen Kita-Platz finden würden. Das Stadtarchiv aber sollte nicht ausgelagert werden. Vor allem nicht vor dem Hintergrund, dass Meerbusch im nächsten Jahr 50 Jahre alt wird, sollte man die Identität nicht freiwillig woanders hingeben.

Stadtarchivar Michael Regenbrecht (hinten) und sein Mitarbeiter Christoph Erhardt. Foto: Stadt Meerbusch

So sehen es auch die anderen Politiker. Joachim Quass (Grüne): „Ein Stadtarchiv gehört in die Stadt.” Sein Fraktionskollege Jürgen Peters ist gleicher Meinung: „Es kommt gar nicht in Frage, dass das Archiv aufgegeben wird.” Marc Becker (Linke/Piraten) hatte gleich eine Idee, wo man das Archiv unterbringen könnte: „Im neuen Bürgerhaus in Osterath.” Oder sollte man nicht gleich ein eigenes Museum mitsamt Archiv planen? Dafür gäbe es dann doch bestimmt Fördermittel. Georg Neuhausen (SDP), auch Vorsitzender des Kulturausschusses, sprach sich ebenfalls gegen eine Auslagerung aus. Seine Idee: es im (lichtgeschützten) Keller der Feuerwache Osterath unterzubringen. Die CDU meldete noch Diskussionsbedarf an, so Fraktionsvorsitzender Werner Damblon.

Die FPD hatte in ihrem Antrag selbst einige Vorschläge gemacht: das Technische Rathaus in Lank, die Barbara-Gerretz-Schule, ungenutzte Keller in den Schulen oder freie Kirchenräumlichkeiten. Oder den Parkplatz vor dem Erwin-Herich-Haus in Bovert zu unterkellern und dort dann direkt das leerstehende Hausmeisterhaus mit zu nutzen. Oder den Dr.-Franz-Schütz-Platz zu unterkellern, dort das Archiv unterzubringen und damit eine Verbindung zur Bibliothek zu schaffen.

Der Hintergrund Das Stadtarchiv ist seit 1993 in den Räumen im hinteren Bereich der Adam-Riese-Schule auf knapp 600 Quadratmetern untergebracht. Zuvor hatte es schon viele andere Stationen, war unter anderem in Nierst und in der Pastor-Jacobs-Schule. Im Schnitt kommen 800 bis 1000 Besucher jährlich, um zu forschen oder zu recherchieren. Unter ihnen sind zum Beispiel Schulklassen, aber auch Menschen aus dem In- und Ausland, die etwas über ihre Vorfahren wissen wollen. Im Archiv lagert die komplette Geschichte von Meerbusch und vor allem von seinen Ortsteilen. Kirchenhistorische Dokumente aus der St. Stephanus Gemeinde in Lank, Wahlplakate aus allen Jahren, sämtliche Veröffentlichungen der Stadt, es gibt eine Schulbuchsammlung unter anderem mit alten Atlanten, auf 45 laufenden Metern sind sämtliche Ordner der Keramikfabrik Ostara aufgebaut – alle die Ordner, in denen Überstunden, Marketingmaßnahmen oder Dienstpläne abgeheftet sind. Damit werden 144 Jahre Firmengeschichte dokumentiert und erhalten. Eine historisch-politische-Sammlung gehört zum Bestand ebenso wie private Nachlässe von berühmten Meerbuschern, man findet dort historische Landkarten oder alle Zeitungenaus den letzten Jahrzehnten, die in Meerbusch erscheinen.

Leiter des Stadtarchivs ist Michael Regenbrecht, der theoretisch im Herbst in den Ruhestand gehen könnte, aber signalisiert hat, dass er noch über das Rentenalter hinaus weiter arbeiten möchte.

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