Sorge um die Zukunft des Meerbuscher Stadtarchivs

Zukunft des Meerbuscher Stadtarchivs : Historiker wollen Stadtarchiv halten

Der Gedanke der Stadtverwaltung, sich eventuell vom Stadtarchiv in der Adam-Riese-Schule zu trennen, um dort Klassenräume einzurichten, hat den Protest des Geschichtsvereins provoziert.

Es ist ja nur eine von drei Varianten in den Überlegungen der Stadt-Planer – aber eine mit Brisanz: Um auf die stetig steigende Bevölkerungszahl von Meerbusch schon vorab zu reagieren, überlegt die Stadt, wo sie Kitas bauen und weitere Klassenräume anbieten kann. Weil in Büderich demnächst mehr Kinder zur Schule gehen werden, soll es auch mehr Platz in Grundschulen geben. Und weil in Räumen der Adam-Riese-Schule das Stadtarchiv untergebracht ist, wird überlegt, dieses ins Kreisarchiv nach Zons zu verlagern und die Räume der Schule zuzuschlagen. Auch wenn es nur eine von drei Vatianten ist: Für den Geschichtsverein ist diese Lösung überhaupt nicht akzeptabel. Das schreibt der Verein jetzt auf seiner Facebook-Seite.

Besonders in der Kritik steht, dass keine andere Lösung vorgeschlagen wird: „Eine Lösung, das historische Gedächtnis der Stadt innerhalb der Stadtgrenzen anderweitig unterzubringen und weiter in eigener Regie zu führen, ist dabei nicht vorgesehen“, heißt es in der Mitteilung. Nach Ansicht der Historiker ist Eile geboten. Denn schon in der Sitzung von Haupt- und Planungsausschuss am 18. Juni (16.30 Uhr, Neusser Feldweg) stehen die Vorlagen auf der Tagesordnung. „Spätestens in einem Jahr soll das Stadtarchiv zum Schuljahr 2020/21 dann selbst Geschichte sein“, schreibt der Geschichtsverein. Er wendet sich „auf das Schärfste“ dagegen, dieses Archiv in seiner heutigen Form zu zerschlagen. Denn nichts anderes würde dieser angestrebte Beschluss bedeuten. Falls das Stadtarchiv nach Zons unter die Regie des Kreises ausgelagert würde, „würden die Akten und Urkunden, die die Geschichte und das Gedächtnis unserer Stadt ausmachen, nicht nur räumlich weit wegrücken“. Hinzu käme, dass sich die Zielsetzung radikal ändern würde, denn eine zeitgeschichtliche Sammlung, die das facettenreiche öffentliche Leben in Meerbusch mit hunderten Vereinen, Initiativen und Personen abbildet und vor Ort zugänglich macht, sei bestimmt nicht Ziel eines erweiterten Kreisarchives, vermuten Meerbuschs Historiker. Wertvolle Bestände aus Vereins- und Privatbesitz, von Parteien, Vereinen und Personen würden auf kurz oder lang unwiederbringlich verloren gehen, da sie im Stadtarchiv nur als Leihgabe deponiert sind, wird vermutet. Diese Bestände würden an ihre Besitzer zurückgegeben und wären damit nicht auf Dauer gesichert.

Das Stadtarchiv wird im Jahr von rund 600 Personen aufgesucht, die eigene Recherchen anstellen – über private Ereignisse oder die Geschichte einer Firma. Auch Schulklassen sind Stammgast im Archiv, außerdem absolvieren immer wieder Praktikanten eine Zeit im Team von Michael Regenbrecht und seinem Kollegen Christoph Erhardt. Das Stadtarchiv versteht sich laut städtischer Internetseite „als kommunaler Dienstleister für alle Bürger. Sämtliche Schrift-, Bild- und Tondokumente sowie elektronische Informationsträger, die aus rechtlichen und administrativen Gründen dauernd aufzubewahren sind, werden hier verwahrt, erhalten und nutzbar gemacht“. Das Stadtarchiv verfügt, so heißt es weiter, „neben einer orts- und regionalgeschichtlich ausgerichteten Bibliothek auch über eine umfassende Pressedokumentation. Gesammelt werden darüber hinaus alte Fotografien, Ansichtskarten, Plakate, Flugblätter, Schriftgut und Drucksachen von Parteien, Bürgerinitiativen und Verbänden, von Vereinen, Firmen und Kirchengemeinden. Das Archiv übernimmt aber auch Sammlungen, Nachlässe und Schriftstücke von Institutionen, Vereinigungen, Familien und Privatpersonen zur Aufbewahrung“.

Der Geschichtsverein weiter in seiner Stellungnahme: „Ein Verlust des Stadtarchives würde die lokale Erarbeitung unserer Stadtgeschichte, wie sie bei weitem nicht nur vom Geschichtsverein Meerbusch seit Jahrzehnten geleistet wird, künftig unmöglich machen und zudem in großem Umfange ehrenamtliches Engagement vernichten. Für eine Stadt der kommunalen Neugliederung und ohne gefestigte Identität wäre dies letzten Endes eine existenzbedrohenende Gefahr.“

Auch der Meerbuscher Ortsverband Die Linke protestiert: „Wir sind fassungslos über die Pläne der Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage, das Stadtarchiv in den Kreis nach Zons umzusiedeln.“ Eher plädiere man für einen Ausbau. Das „Gedächtnis“ der Stadt zu verlegen, sei der Anfang vom Ende, teilt Ortsverbandssprecher Marco Nowak in einem Schreiben mit. Stadtgeschichte gehöre vor Ort archiviert.

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