In Meerbusch gibt es zu wenig Kita-Plätze.

Betreuung : In Meerbusch fehlen Kitaplätze

Ab Sommer ist für zahlreiche Kinder keinen regulärer Platz in einer Kita vorhanden. Die Stadt plant Notgruppen, die Überbelegung von Gruppen und zwei neue Kindergärten. Auch Personalmangel ist ein großes Problem.

„Allein mit neuen Räumlichkeiten ist es nicht getan. Wir machen uns Sorgen um die Personalfluktuation in den Meerbuscher Kindertagesstätten“, sagte Gunnar Polte in der Einwohnerfragestunde des Jugendhilfeausschusses. Der junge Vater aus Osterath sieht einen flächendeckenden Personalmangel in den Kitas und zu viele befristete Stellen. „Da geht doch eine Erzieherin eher nach Krefeld, wenn sie dort eine unbefristete Stelle bekommen kann“, verdeutlichte er.

Erneut stand das Thema der ausreichenden Versorgung mit Kita-Plätzen im Mittelpunkt der Ausschussdiskussionen. „Ja, wir hinken immer dem Bedarf hinterher“, bestätigte Jörg Wartchow (CDU). Doch man könne auch nicht Kindergärten auf Vorrat bauen. Zwar erstellt die Stadt Bedarfsanalysen, die jährlich fortgeschrieben werden, doch stimmen diese auch für das kommende Kindergartenjahr nicht mit der Realität überein. Neue Baugebiete oder Zuzüge mit Kindern sind Unwägbarkeiten, die die Stadt schlecht prognostizieren könne, sagte der zuständige Dezernent Frank Maatz.

Während bis 2013 die Bevölkerungszahlen in den Altersgruppen unter sechs Jahren eher rückläufig gewesen seien, werde in NRW seit 2013 ein Bevölkerungszuwachs der Kleinsten beobachtet. Dies sei auch in Meerbusch der Fall. Das führt dazu, dass ab Sommer 2019 für 128 Ü3-Kinder und 275 U3-Kinder kein regulärer Platz in einer Kita vorhanden ist. Dabei sind besonders die Stadtteile Büderich und Osterath betroffen, während es im Norden Meerbuschs noch recht entspannt aussieht.

Die Stadt hat daher einen Plan erstellt, wie diese Kinder dennoch versorgt werden können. Für Büderich präferiert die Stadt die Einrichtung je einer Übergangsgruppe in den Räumen der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich und der Katholischen Kirchengemeinde St. Mauritius und Heilig Geist sowie im ehemaligen Kindergarten Am Sonnengarten, der bis 30. September 2020 zur Verfügung steht. Die kirchlichen Träger sind bereit, der Stadt Räumlichkeiten in den beiden Pfarrzentren an der Karl-Arnold-Straße gegen Zahlung einer angemessenen Miete zur Verfügung zu stellen, wollen aber nicht selbst Träger sein. Konzeptionell ist die Anbindung an bestehende städtische Kindergärten geplant.

Für Osterath sieht der städtische Plan vor, dass in den städtischen Einrichtungen Krähennest, Rasselbande und St. Nikolaus je eine provisorische Gruppe in den Bewegungsräumen untergebracht werden könnte. Außerdem wurde vereinbart, dass alle Gruppen mit wenigstens einem Kind überbelegt werden. Doch diese unbefriedigende Situation solle schnellstmöglich behoben werden, unterstrich Maatz. Was bedeutet, dass Meerbusch neue Kindergärten braucht.

Problematisch ist, dass die Stadt nur wenige Grundstücke zur Verfügung hat, wo gebaut werden könnte und die auch noch im „richtigen“ Ortsteil liegen. Denn was nützt ein Kindergarten in Strümp, wenn der Bedarf in Büderich liegt? Für Osterath zeichnet sich eine Lösung ab: Auf einem nicht-städtischen Grundstück im neuen Wohngebiet Schweinheimer Kirchweg könnte ein Privat-Investor einen sechs-gruppigen Kindergarten bauen. Die Gespräche darüber laufen. In Büderich ist derzeit ein Areal an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße im Gespräch. Einen Wald-Kindergarten einzurichten, wie von den Grünen angeregt, fand im Ausschuss keine Zustimmung. Zu teuer sei die Anschaffung eines Bauwagens, von Sanitäranlagen und einer Fachkraft für nur 15 Kinder.

Um keine Zeit zu verlieren, soll es im April eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses zu den beiden geplanten Projekten geben. Doch es bleibt die Frage, die Gunnar Polte gestellt hat: Wo kommen weitere Erzieher her? Zum Thema Befristung konnte Maatz Entwarnung geben. Es würden nur dann befristete Stellen ausgeschrieben, wenn Sachgründe wie Erziehungsurlaub oder längerfristige Erkrankung vorliegen. Er bestätigte jedoch auch, dass es grundsätzlich schwer sei, neues Personal zu finden, weil der Bedarf größer als das Angebot sei. Das sei ein bundesweites Problem. „Es rumort in der Elternschaft“, berichtete Polte.

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