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Meerbusch: Die Stadtbibliothek Büderich zeigt Upcycling-Möbel

Nachhaltigkeit in Meerbusch : Alter Schrott? Neue Möbel!

Eine Fahrradfelge wird zur Lampe, eine Badewanne zum Sessel: Josef Bodewig (21) werkelt mit alten Gegenständen und macht aus ihnen neue Möbelstücke. Seine Upcycling-Möbel sind aktuell in der Stadtbibliothek Büderich zu sehen.

Eine alte Matratze, eine ausrangierte Badewanne, ein Kaffeesack und Holzpaletten. Was klingt wie der Sperrmüll vor dem Haus, der nur darauf wartet, auf den Schrottplatz gebracht zu werden, ist in Wahrheit ein modischer Sessel, den Josef Bodewig (21) angefertigt hat: Upcycling heißt die Idee dahinter. Alte, nicht mehr benutzte Gegenstände nehmen und aus ihnen etwas Neues erschaffen – Möbel aus Müll, wenn man so möchte. „Ich finde Upcycling-Möbel sind eine extrem gute Idee, da man dabei ganz wenig neue Rohstoffe benötigt“, erklärt der Büdericher, dem das Thema Umweltschutz am Herzen liegt.

Für den neu entstandenen Sessel musste Bodewig lediglich die Schrauben hinzukaufen, alles andere hat sich der Hobby-Bastler zusammengesucht. „Bei der Neuproduktion und Herstellung solcher Dinge entsteht die größte Umweltbelastung. Das passiert beim Upcycling nicht. Außerdem macht es mir Spaß, mich so handwerklich, kreativ und künstlerisch auszuleben.“ Der 21-jährige Physiotherapie-Azubi hat sich immer schon gerne in der Hobby-Werkstatt der Eltern ausgetobt, mit seiner Upcycling-Aktion hat er sich nun auch erstmalig an Möbelstücke gewagt. Neben dem Badewannen-Sessel hat er aus einem alten Ölfass und der anderen Hälfte der Matratze einen weiteren Stuhl gebastelt. Besonders stolz ist er auf seinen Tisch: „Das ist eine alte Achse aus einem landwirtschaftlichen Fahrzeug. Die lag schon lange bei uns im Garten herum“, erklärt Bodewig und zeigt auf das Tischbein. Auf der Tischplatte ist zudem eine Lampe angebracht. „Die Technik darin ist natürlich neu, aber die Halterung ist aus einer alten Fahrradfelge angefertigt.“

Entstanden sind die Möbel im Zuge der Teilnahme am Jugend-Umweltpreis 2020, ausgeschrieben von der Stiftung Büderich, bei der Josef Bodewig den dritten Platz belegen konnte. Aktuell stehen seine modischen Möbelstücke in der Stadtbibliothek Büderich. „Josef hat uns angesprochen und gefragt, ob wir die Möbel hier austellen können“, erzählt Bibliotheksleiterin Heike Gennermann. „Da haben wir sofort zugesagt. Die Möbel sind ja ausgesprochen schön und echte Hingucker.“ Noch bis zum 30. Oktober können die zwei Sessel und der Tisch besichtigt werden. Der 21-Jährige freut sich, dass seine Upcycling-Stücke so für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, haben die Möbel doch mehr zu bieten als nur ihre bloße Funktion. „Ich möchte damit auf das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit aufmerksam machen und ein besseres Bewusstsein bei den Menschen schaffen. Nicht alles, was man nicht mehr benötigt, ist auch Müll“, erklärt er. Natürlich fordere er nicht von jedem Menschen, dass er aus nicht mehr benötigten Dingen nun Möbel baut. Ihm ginge es viel mehr um die Symbolik und eine gewisse Grundidee: „Wir dürfen beim Thema Umweltschutz nicht darauf warten, dass die Politlk alles in die Hand nimmt und von oben herab die Dinge regelt. Das muss aus der breiten Masse kommen – jeder Einzelne kann etwas an seinem Handeln ändern.“ Die Upcycling-Möbel sollen dabei eine Inspiration sein.

Auch bei Josef Bodewig kam das gestiegene Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz eher als schleichender Prozess daher. Mittlerweile ist es für ihn aber ein bestimmendes Thema in seinem Leben, sodass der 21-Jährige sogar bewusst auf ein eigenes Auto verzichtet. „Ich absolviere alles zu Fuß, auf dem Rad oder mit dem ÖPNV“, erklärt er. Mit dem Designen von neuen Möbeln aus alten Dingen möchte Bodewig definitiv weitermachen – auch nach dem Ende der Ausstellung in der Bibliothek. „Ich habe jetzt ganz neu einen Instagram-Account angelegt. Unter der_upcycler möchte ich noch mehr Leute inspirieren.“