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Eröffnung des Hauptverfahrens gegen Mutter aus Solingen wegen Mordes

Prozess vor dem Landgericht Wuppertal : Mutter aus Solingen muss wegen fünffachen Mordes vor Gericht

Sie soll im vergangenen September fünf ihrer sechs Kinder in ihrer Wohnung in Solingen getötet haben – nun muss sich die Mutter wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Prozess startet im Juni.

 Die Staatsanwaltschaft wirft der zur Tatzeit sechsfachen Mutter vor, am Morgen des 3. September 2020 in ihrer Wohnung in Solingen ihren fünf jüngsten Kindern im Alter von eineinhalb, zwei, drei, sechs und achteinhalb Jahren jeweils hohe Dosen Beruhigungsmedikamente in deren Frühstücksgetränke gemischt zu haben. Dies teilte das Landgericht Wuppertal am Freitag mit. Die Kinder sollen nach Einnahme der Flüssigkeit – wie von der Angeklagten gewollt – schläfrig geworden und eingeschlafen sein.

Die damals 27 Jahre alte Mutter soll dann im Badezimmer ihrer Wohnung Wasser in die Wanne eingelassen, Badespielzeug bereitgelegt und ein mobiles Heizgerät im Raum aufgestellt und eingeschaltet haben. Sie soll dann ihre Kinder nacheinander – beginnend mit dem jüngsten – geweckt, ins Badezimmer gebracht, dort ausgezogen und in der Badewanne erstickt oder ertränkt haben. Anschließend soll sie die toten Kinder in Handtücher gewickelt und ins Kinderzimmer gelegt haben.

Die Angeklagte soll gezielt eine Gegenwehr der Kinder verhindert haben, indem sie ihnen die Medikamentencocktails verabreichte. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Sie geht von einer Tötung der Kinder aus Heimtücke aus. Die Frau hatte sich später am Tag im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen, aber schwer verletzt überlebt. Auch ihr ältestes Kind, ein damals elf Jahre alter Junge, lebt. Er war zum Tatzeitpunkt in der Schule. Mittlerweile lebt er bei seiner Großmutter.

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Ein mögliches Motiv der Angeklagten ist noch unklar. Nach der Tat sprachen die Ermittler bei einer Pressekonferenz davon, dass die Frau in einem „Zustand emotionaler Überforderung" gehandelt haben könnte. Ihre zerrüttete Ehe soll dabei eine Rolle gespielt haben. Das Hauptverfahren dient der Klärung, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht, wie das Gericht betont. „Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Angeklagte als unschuldig“, teilte ein Sprecher mit. Der Beginn der Hauptverhandlung ist bestimmt auf Montag, 14. Juni. Ein Urteil könnte im August fallen. Den Vorsitz führt der Vorsitzende Richter am Landgericht Jochen Kötter.

(hsr)