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Leverkusen: Jörg Abbing spielte an der Orgel zu Buster Keatons "Der General"

Buster Keatons "Der General" mit Orgelbegleitung : Kirche wird zum Kinosaal

Live improvisierte Orgelmusik machte Buster Keatons Stummfilmkomödie „Der General“ in der Bielertkirche zum Hochgenuss.

Eine riesige Leinwand verdeckte den Altarraum der Bielertkirche, die am späten Sonntagnachmittag in ein Kino verwandelt wurde. Mit dem Sonnenuntergang verbesserten sich sogar die Bedingungen für das ungewöhnliche Veranstaltungsformat „Orgel und Kino“, das mehr Besucher angelockt hatte als ein klassisches Orgelkonzert. Ein Programm gab es nicht für dieses Konzert der KSL-Reihe Orgelforum. Und eigentlich auch keine Vorstellung, welche Art von Musik man erwarten durfte, denn die sollte ja erst entstehen als improvisierte „Live-Tonspur“ zu Buster Keatons Stummfilm-Klassiker „Der General“.

Mit dem Kommando „Film ab“ startete Gastorganist und Improvisations-Spezialist Jörg Abbing den Sound schon zum Vorspann. Mit aufwühlenden Pedal-Linien wies er darauf hin, dass diese Stummfilmkomödie bei allem Witz, Slapstick und Pantomime seine ebenso dramatischen Höhepunkte hat. Schließlich liegt der Handlung ein historisches Ereignis während des amerikanischen Sezessionskrieges zu Grunde, basierend auf dem verbürgten Andrews-Überfall 1862.

Dass er eine Komödie über den amerikanischen Bürgerkrieg machte, nahm man Regisseur Buster Keaton allerdings ziemlich übel, weswegen der 1926 mit sehr großem Aufwand gedrehte und teuerste Streifen der Stummfilmzeit zunächst floppte. Erst mit der Neuentdeckung in den 1950er Jahren bekam die Produktion die verdiente Anerkennung und gilt seitdem als eine der bedeutendsten Komödien der Filmgeschichte.

Wo sonst wird ein Rennen mit Lokomotiven ausgetragen? Und hier geschieht es gleich zwei Mal. Erst wird die Lokomotive „General“ von Spionen der Nordstaaten entführt und von Lokomotivführer Johnnie Gray (Buster Keaton) verfolgt. Dann geht es mit seiner Rückeroberung, inklusive Pannen, Tricks und Beinahe-Missgeschicken bei voller Fahrt wieder in die andere Richtung. Die regelmäßige Bewegung von Loks und Verfolgern konnten die Besucher sowohl sehen als auch hören. Immer nahmen Augen und Ohren gleichzeitig diese Eindrücke wahr, jenen Gefühlsmix von Spannung und Dramatik, Witz und Einfallsreichtum, Gelassenheit und tiefer Melancholie. Schließlich muss sich der Held auf der Lok die Zuneigung seiner geliebten Annabelle erst mühsam verdienen.

Dafür, dass der Filmspaß zugleich Hörvergnügen wurde, sorgte Jörg Abbing mit seiner illustrativen und emotionalen Orgelmusik, in die er Zitate quer durch die Musikliteratur mischte, vom Volkslied bis Marsch, von französischer Orgelromantik bis Bonanza. Ein ungewöhnliches wie unvergessliches Konzert.