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Leverkusen: "Für 'ne Moment": Niedecken blickt zurück

Leverkusen : "Für 'ne Moment": Niedecken blickt zurück

Ganz alleine stand er diesmal auf der Bühne, der Wolfgang Niedecken aus der Kölner Südstadt. Zwei Tage zuvor hatte der Frontmann der Kölsch-Rock-Gruppe BAP noch zahlreiche Mitstreiter bei dem Konzert "Arsch huh" an der Deutzer Werft in Köln vor geschätzten 80 000 Zuhörern.

Diesmal hatten die gut 300 Zuschauer in Opladens Scala ihn quasi ganz alleine. Entsprechend behaglicher — mitunter sehr nachdenklich — ging es dabei zu, als der 61-jährige Musiker und bildende Künstler aus seiner im vergangenen Jahr veröffentlichten, 528 Seiten starken Autobiografie "Für 'ne Moment", erschienen bei Hoffmann und Campe, vorlas. Er begleitete sich dabei selbst musikalisch mit Gesang, Gitarre und Mundharmonika.

"Für 'ne Moment" blickte Niedecken auf seine Anfänge am Chlodwigplatz im Kölner Süden, seine Mutter und den sparsamen Händler, der dort einen Lebensmittelladen betrieb, zurück. Der die künstlerischen Ambitionen seines Sohnes Wolfgang nie verstand und schon gar nicht billigte, aber dennoch dessen Erfolgs-Rockband den Namen gab: auf seinen Vater, seinen "Bapp". Weil sich das zweite "P" auf der Bass-Drum nicht gut machte, wurde aus "BAPP" einfach BAP.

Er erzählte von seinen ersten Gehversuchen als Maler und Musiker, der durch die Kneipen zog, von seiner Zeit im Internat, seinen Eindrücken in Afrika, wie er seine spätere (zweite) Frau in Münchner Edel-Diskos von sich überzeugte oder sich mit dem Kölner Karneval versöhnte. Kurz: sechs Jahrzehnte Wolfgang Niedecken — ebenso schillernd wie denkwürdig.

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Nur kurz wich er von seinem Konzept ab, als er auf den Fußball zu sprechen kam. Dabei beließ er es nur bei einer kurzen Andeutung des Ergebnisses der Bayer-Fußballer in Wolfsburg.

Gewissermaßen zum Ausgleich machte er dann ein paar Worte zum FC Köln: Als Gott nämlich die Erde in sieben Tagen erschaffen hatte, so erklärte Niedecken seine Sicht der Dinge, stellte er fest, dass da doch etwas fehlte — der 1. FC Köln.

Den erfand er dann am achten Tag, also eine "echte Montagsproduktion". Seine ganz eigene Vorstellung vom "lieben Herrgott" hat er auch: "Der muss irgendwie aussehen wie der alte Clint Eastwood —immer schlecht drauf, aber sehr gerecht." Sehr ruhig wurde es, als Niedecken von "Pater L." in seinem Internat erzählte, der mehr als nur die Jungen züchtigte, und von seinen Eindrücken aus Uganda, wo er Kinder-Soldaten erlebte.

Es waren also nicht nur schöne Erlebnisse, die Niedeckens Leben als Rock'n'Roller füllten, wenn auch die sein Leben so lebenswert gemacht haben, wie er bekannte.

(sg-)