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Datenpanne: Hunderte warte vor Corona-Testzentrum in Leverkusen

Corona-Abstrichzentrum in Leverkusen-Schlebusch : Datenpanne: Hunderte warten an Auermühle

Aufregung bei Facebook wegen des Abstrichzentrums Auermühle. Ein Foto zeigt eine lange Warteschlange, in Posts ist von 300 bis 600 Wartenden die Rede. Eine Leverkusenerin hat sich deswegen an Gesundheitsamtschef Martin Oehler gewandt in der Hoffnung, „dass sich das Debakel am Testzentrum der Auermühle nicht noch einmal wiederholen wird“, schreibt sie.

Ihre Söhne besuchen die Evangelische Kita an der Von-Diergardt-Straße. Dort ist eine Mitarbeiterin positiv getestet worden. Die Stadt forderte die Familie auf, sich am Mittwoch zwischen 15 und 19 Uhr testen zu lassen. „Wir trafen um 14.30 Uhr an der Auermühle ein und stellten uns in eine Schlange mit 70 bis 80 Personen vor uns an. Wir wunderten uns, dass die Tests offensichtlich deutlich mehr Zeit als fünf Minuten pro Familie in Anspruch nahmen, bis durchsickerte, dass die gesamte Kita, die aus­drücklich zu dem Test bestellt wurde, nicht gelistet sei“, schildert die Leverkusenerin. „Als wir um 17 Uhr mit unseren trotz Winterkleidung durchgefrorenen Söhnen nur noch eine Familie vor uns hatten, wurde uns mitgeteilt, dass das Testzentrum nun schließen werde, da keine Tests mehr vorhanden seien. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch rund 200 bis 300 Personen hinter uns in der Schlange.“

Auf Drängen der Eltern habe ein Mitarbeiter der Malteser noch ein Kontingent Tests besorgt. „Somit gehörten wir zu den glücklichen Familien, die nach insgesamt drei Stunden Wartezeit gegen 17.30 Uhr getestet wurden“, berichtet die Schlebuscherin. „Andere Familien wurden nach Hause geschickt, da es unrealistisch war, vom hinteren Ende der Schlange noch getestet zu werden. Wiederum andere wurden nach 19 Uhr aufgrund der Schließzeit abgewiesen.“

Die Stadt räumt eine „Panne bei der Datenübertragung an das Abstrichzentrum“ ein. Deswegen seien etwa die Kinder der Kita Von-Diergardt-Straße und der Schule Herderstraße nicht getestet worden. „In Absprache mit dem Malteser Hilfsdienst wurde für diese beiden Einrichtungen eine Regelung gefunden, damit die Testungen zügig durchgeführt werden können.“ Die Benachrichtigungen an die Eltern laufe über die Kitaleitung und die Schulleitung. Die Einzelpersonen, die hätten getestet werden sollen, sollen vom Fachbereich Medizinischer Dienst einen kurzfristigen Termin bekommen.

Für die Leverkusener Mutter trotz Neu-Terminierung ein Ärgernis: „Solche Fehler dürfen sich gerade anlässlich der Pandemie nicht ereignen“, betont sie. Und moniert: „Ist es verboten, sich in der Öffentlichkeit mit mehr als zehn Personen aus maximal zwei Haushalten zu treffen, so treffen am Testzentrum geschätzt 500 bis 600 Menschen mit erhöhtem Risikopotenzial der Ansteckung auf engstem Raum aufeinander. Kleine Kinder, teilweise Säuglinge und Menschen jenseits der 80 Jahre mussten über drei Stunden in der Kälte ausharren, ohne WC, und konnten final zum Teil doch nicht berücksichtigt werden.“ Sie empfiehlt der Stadt „mehr Security zwecks Kommunikation sowie Leitung und Überwachung der Abstände in der Schlange einzuteilen“. Und: „Mit drei halben Testtagen lässt sich das Testaufkommen ganz offensichtlich nicht bewältigen. Hier sollten unbedingt täglich Tests angeboten werden... Kleinere gezielterer Zeitfenster oder gar die Terminvergabe wären zielführender und weniger riskant.“ Sie fragt auch nach Hilfe durch die Bundeswehr und Bereitstellung von mehr Personal für administrative Belange. Fragen, die die Stadt möglicherweise am Freitag bei der nächsten Corona-Lage-Pressekonferenz beantwortet.

Ein Lob hat die Leverkusenerin aber auch: für die Malteser und die Security- und anwesenden Ordnungsamts-Mitarbeiter: „Sie haben sich sehr bemüht, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und waren bereit, zusätzliche Kontingente zu beschaffen und in Überstunden weiter zu testen.“