Leichlingen: Die liebe Familie

Leichlingen: Die liebe Familie

Die Theater-Gruppe des Vom-Stein-Gymnasiums nimmt sich Woody Allens "Hannah und ihre Schwestern" als Vorlage fürs neue Stück.

Beziehungsstatus: kompliziert. Nein, das ist diesmal kein neuer Eintrag in den sozialen Medien - auch wenn es sich danach anhört. Es ist das Stück, das die Theatergruppe des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in rund einer halben Woche auf die Bühne bringen wird. Oberstufenschüler und viele Ehemalige probten eifrig. Vorlage ist "Hannah und ihre Schwestern" von Kult-Regisseur Woody Allen.

Im Mittelpunkt steht eine recht große Familie, die sich mit den typischen und untypischen Problemen herumplagt, die das Leben so mit sich bringen. Die Mitglieder der Familie versuchen auf ihre Weise, ihre Leben auf die Reihe zu bekommen - zwischen Liebe, Job und Unwägbarkeiten. "Und haben sie mal kein Problem, machen sie sich eines", berichtet Regisseurin Edith Englich lächelnd. Seit 23 Jahren erweckt die Lehrerin mit Schülern Theaterliteratur zum Leben. "Das Vierteljahrhundert will ich auf jeden Fall vollmachen", betont sie. Und am liebsten wäre es ihr, könnte sie dieses Engagement noch ein bisschen darüber hinaus ausüben.

Die Schüler jedenfalls sind Englich für die Theater-AG dankbar. Das ist alleine schon damit zu belegen, dass sich ehemalige Schüler weiterhin für die AG begeistern - und noch lange nach dem Abitur auf der Bühne stehen. "Das liegt daran, dass das Gruppengefühl so groß ist", erläutert Englich. Zudem erlebten die 15-bis 22-Jährigen, sich aufeinander zu verlassen. Jeder werde gebraucht, ein jeder sei wichtig, damit solch eine Theaterproduktion zustande kommt.

Da die Altersunterschiede nicht allzu groß sind, klappt die Arbeit mit der jungen Schauspielgruppe sehr gut. Sowohl jüngere Schüler als auch die Abiturienten unter ihnen "begreifen plötzlich, wie Menschen im Leben ticken". Schließlich basiert das aktuell einstudierte Stück auf zwischenmenschlichen Problemen. Diese zu erkennen und wie damit umzugehen ist, habe einen Lerneffekt.

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Insgesamt fünf Hauptrollen teilten die 15 Schauspieler unter sich auf. Drei Stücke hatten sie zunächst gelesen, ehe sie sich für das Werk von Woody Allen entschieden. Dieser hatte damals in seinem eigenen Stück den Part des Mickey, eine der Hauptrollen, übernommen. Nun wird der 19-jährige Tobias Raupach auf der Bühne in die Fußstapfen Allens treten. "Klar ist das irgendwie eine Ehre", sagt er bei der Generalprobe. Gleichwohl wolle er seinem Charakter seine ganz persönliche Note verleihen. "Ich bin seit gut drei Jahren dabei - das ist meine erste Hauptrolle. Mickey ist Hypochonder. Und er nimmt das so ernst, dass alle anderen Menschen ihn nicht mehr ernst nehmen", erzählt der 19-Jährige. Sich in eine solche, seinem echtem Charakter im realen Leben komplett konträr entsprechende, Person hinein zu versetzen, ist für Raupach das Wunderbare an der Schauspielerei.

Und es ist wohl auch eines dieser Dinge, die dafür sorgen, dass er sich nicht von der Gruppe lossagen kann. "Das ist wie eine Sucht", betont auch Edith Englich. Sie muss es wissen - seit 23 Jahren.

Eines aber wird auch für Englich recht neu sein: Die Aufführungen ab dem 15. Juni werden nicht in der großen schuleigenen Aula stattfinden können. Denn die ist weiterhin wegen des Wasserschadens von Mitte Dezember gesperrt. Mickey und Co. spielen auf der Bühne der Gesamtschule Schlebusch.

(RP)