Leichlingen: Leichlinger erleben echte Hilfsbereitschaft

Leichlingen: Leichlinger erleben echte Hilfsbereitschaft

Pumpen und andere Geräte wurden an Unbekannte verliehen, in den Netzwerken geht es um Austausch aller Art.

"Ich bin stolz, ein Leichlinger zu sein." Dieser Satz macht seit der Unwetter-Nacht die Runde. Auf den Straßen der Blütenstadt, wo Anwohner erschöpft in Gruppen zusammenstehen und über das Erlebte sprechen. Oder in den Sozialen Netzwerken, wo sich die Betroffenen weiterhin intensiv austauschen.

Bauschutt und verschlammter Müll landen in den Containern. Foto: Fotos (2) wOA

So bedrückt die Stimmung auch gestern mancherorts immer noch war - alle sind sich einig: Der Zusammenhalt in den Stunden nach der Katastrophe war und ist enorm. "So etwas habe ich noch nie erlebt, und es erfüllt mich mit Stolz", sagte ein Anwohner aus Weltersbach. Da gab es Kaffee und andere Getränke sowie Kuchen, belegte Brötchen und Pizza für die erschöpften Helfer, die stundenlang Müll wegräumten, Wasser schaufelten und Säcke schleppten.

Viele Möbel sind nach dem Regen unbrauchbar und reif für den Sperrmüll. Foto: Anja Wollschläger

Pumpen und andere Geräte wurden spontan an Unbekannte verliehen und noch in derselben Nacht dorthin transportiert, wo sie gebraucht wurden. Ganz zu schweigen von den unzähligen freiwilligen Helfern, die ohne zu zögern beim Nachbarn oder sogar ein paar Straßen weiter mit anpackten. "Ohne euch hätten wir das nicht geschafft", schreibt beispielsweise die Besitzerin einer Gaststätte.

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Eine der Schaltzentralen in der Nacht zu Sonntag war die Facebookgruppe "Leichlingen Info & Offenes Forum". Dominique Rondé, der die einzelnen Beiträge in der Gruppe moderiert, erzählt: "Von Mitternacht bis zum nächsten Morgen haben wir pausenlos Menschen zusammengebracht. Ich hätte nicht gedacht, dass es in unserer Stadt so viel Hilfsbereitschaft gibt." Filme und wichtige Verkehrsinformationen wurden sofort geteilt, Bilder von ausgebüxten Tieren wurden veröffentlicht, und Betroffene und Helfer fanden im Forum unkompliziert zusammen. Aber nicht nur Pumpen, Schaufeln und Eimer wurden im Netz angeboten. Sogar Massagen für müde Einsatzkräfte gab es und Rat beim Ausfüllen von Versicherungsanträgen.

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"Was ich nun aus der Ferne sehe, ist eine Welle von Hilfsbereitschaft und Solidarität innerhalb unseres kleinen Städtchens. Und so oft man sich auch anzickt, zeigt es doch, dass im Ernstfall alle zusammenhalten", schrieb eine Leichlingerin im Forum. Und eine andere berichtete: "Wir haben viel Elend gesehen, aber nirgends sah ich Verzweiflung, sondern Einsatzwillen, Kraft und vor allem Galgenhumor und nicht zuletzt Dankbarkeit. Ich habe viele tolle Leichlinger kennengelernt, die mir gerade noch wildfremd waren - und es lief Hand in Hand, wie selbstverständlich."

Viele Schäden wurden erst gestern sichtbar, und es wird Wochen oder Monate dauern, bis alle beseitigt sind. Dennoch, so sagen viele Leichlinger, waren die Erfahrungen in dieser Unwetter-Nacht für sie so etwas wie "eine Sternstunde".

Die Auswirkungen auf den Straßen und in den öffentlichen Gebäuden werden wohl noch eine ganze Weile zu sehen und zu spüren sein - siehe weiteren Text unten auf dieser Seite.

(RP)
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