Monheim: Stadt soll Berliner Viertel erwerben

Monheim : Stadt soll Berliner Viertel erwerben

Bei der RP-Aktion auf dem Monberg ging es neben der Fitness in Heimatkunde auch um aktuell brennende Themen.

Wie aus der Pistole geschossen spulte Daniel Zimmermann die fünf Partnerstädte der Stadt Monheim beim Quizspiel der RP-Aktion "Zocken mit Zimmermann, Pokern mit Poell" ab - klarer Vorteil für den Amtsinhaber. So war ihm auch geläufig, dass die Gänseliesel im Stadtwappen vom Amtssiegel der Vogtsfamilie Aschenbroich stammt. Der Physiker bewies seine Affinität zu Zahlen, er kannte nicht nur das Alter der Marienkapelle sondern auch die (ungefähre) Höhe des Schelmenturms. Manfred Poell konnte wiederum den politischen Hintergrund der Rede des Karnevalsprinzen Hans I. (Derendorf, Metzgermeister von der Doll Eck) von 1974 benennen, nämlich die kommunale Neuordnung und den drohenden Verlust der Selbstständigkeit Monheims. Er wusste auch, dass der Leinpfad an den Baumberger Rheinterrassen an das Treideln erinnert.

Beide Kandidaten mussten indes bei der Frage, wie Ulla Hahns erster Roman hieß, passen. Der Roman "Ein Mann im Haus" löste in Monheim einen Skandal aus, "nachdem sich einige Monheimer in der Sammlung erotischer und pornografischer Anekdoten porträtiert fanden", schrieb im März 1992 der Spiegel. Ebenso wenig hatten die Kandidaten parat, welche Funktionen das Deusser-Haus vor seiner musealen Nutzung hatte: Es war das Wohnhaus von August Deusser und die Direktorenwohnung der Rhenania-Raffinerie. Auch hinsichtlich der Legende vom Spielmann müssten beide eigentlich nachsitzen.

In der anschließenden Diskussion ging es um Gewerbeansiedlung, die Bausubstanz im Berliner Viertel und die medizinische Versorgung. Bert Schukat wollte von den Kandidaten wissen, wie die Stadt mit Anfragen von kleineren Unternehmen und Handwerksbetrieben umgehe. Gemäß der vom Rat beschlossenen Ansiedlungskriterien erwarte man, dass man für die Abgabe eines der raren Grundstücke hohe Gewerbesteuereinnahmen verbuchen könne, so Zimmermann. Dies könne ein normaler Handwerksbetrieb nicht erfüllen. Angestammten Betrieben versuche die Wirtschaftsförderung aber Angebote im Bestand zu machen. Da die Zahl der Beschäftigten in Monheim zurückgegangen sei -bei einer wachsenden Zahl von Arbeitsplätzen - müsse man die Handwerksbetriebe als potenzielle Arbeitgeber für Monheimer fördern, findet Manfred Poell.

Schukat bemängelte auch, dass ein Großteil der Bausubstanz im Berliner Viertel seit den 60er Jahren unverändert sei. Poell: "Man kann die Eigentümer nicht zur Sanierung zwingen." Die Grünen treten daher für die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugenossenschaft ein. "Dann wären wir selber Eigentümer." Flächendeckend würde die LEG zwar ihren Bestand nicht verkaufen, so Zimmermann. Aber einzelne Immobilien stünden zum Verkauf. Auch seine Partei Peto habe daher die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft vorgeschlagen. Gerade habe die LEG einige Blocks an der Tegeler Straße saniert. Vorbild könnte künftig eine Siedlung in Ratingen sein. Durch die grundlegende Sanierung habe man dort den Vandalismus in den Griff bekommen. Auf jeden Fall wolle man ein umfassendes Energiekonzept für das Viertel in Auftrag geben.

Annemarie Hein beklagte, dass nach der Schließung des St. Josef-Krankenhauses die Wartezeiten im Richrather Krankenhaus enorm gestiegen seien. Sie erklärte auch, dass der SPD-Vorschlag, im Gebäude an der Alten Schulstraße ein Hospiz einzurichten, am Bedarf vorbeigehe. Nach den Plänen der Krankenkassen sei der Bedarf im Kreis gedeckt, so dass für eine Neugründung auch keine Mittel fließen würden. Auf die Versorgung mit stationären Betten habe eine Stadt wenig Einfluss, sagte Zimmermann. Nach dem Krankenhausbedarfsplan des Landes sei Monheim "optimal versorgt". Dennoch wolle er sich dafür einsetzen, die in der ambulanten Versorgung fehlenden Fachrichtungen anzusiedeln. Poell findet wichtig, dass durch den Gesundheitscampus bestehende Ärztehäuser nicht zerstört werden.

Der Fahrradverkehr auf der Krischerstraße bewegte Stephan Emmler. Für unsichere Radfahrer soll es künftig einen Streifen zwischen Fahrbahn und Parkplätzen geben - auch um sie vor ausparkenden Pkw zu schützen, sagte Zimmermann. Poell legt Wert auf genügend sichere Abstellmöglichkeiten. Auf der Opladener Straße sei die Hauptlastschaltung für querende Radfahrer ein Ärgernis, Priorität solle aber der Vorrang der Busse haben. "Beim Verlassen der Haltstellen sollen sie direkt in die grüne Welle hineinfahren", so Zimmermann.

(RP)
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