Monheim: Erst- und Viertklässler lernen gemeinsam

Monheim : Erst- und Viertklässler lernen gemeinsam

An der Astrid-Lindgren-Schule gibt es kaum noch eine Trennung zwischen den Klassen. Das Konzept hat sich bewährt.

Die beiden Grundschüler Leonie und Lennart sitzen konzentriert nebeneinander. Sie bearbeiten Aufgabenblätter mit Schulaufgaben. Sie ist in der zweiten Klasse und übt Grundrechenarten. Er ist Viertklässler und beschäftigt sich mit den Feinheiten der deutschen Grammatik. Trotz des unterschiedlichen Entwicklungsstandes werden die beiden Kinder an der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) so oft es geht gemeinsam unterrichtet.

Seit 2005 läuft ein Großteil der Stunden an der Grundschule jahrgangsübergreifend. Möglich ist das durch ein ausgeklügeltes System, in dem der vorgeschriebene Stoff flexibel vermittelt wird. "Frontalunterricht gibt es bei uns nur noch selten", sagt Schulleiterin Ulrike Quast. "Der Alltag besteht eher aus Projekt- und Gruppenarbeit. Hinzu kommt das differenzierte und klassenübergreifende Lernen."

Dafür musste erst das passende Lernumfeld geschaffen werden. Jedes Klassenzimmer der Schule ist annähernd identisch ausgerüstet. Die einzelnen Stufen haben jeweils einen festgelegten Arbeitsplan mit Aufgaben aus den einzelnen Fächern, die in verschiedene Farbbereiche unterteilt sind - entsprechend dem chronologischen Ablauf des Schuljahres. In großen Wandregalen liegen die verschiedenen Lernmaterialen nach Farben sortiert bereit. Die Kinder können damit selbstständig und ihrem jeweiligen Wissensstand entsprechend lernen. Lehrer greifen dabei, wenn es nötig ist, unterstützend und erklärend ein. "Das hört sich zunächst vielleicht etwas chaotisch an, aber es läuft alles systematisch ab", betont Quast. Weil die Klassenräume und das System vereinheitlicht sind, sei es deutlich einfacher, Vertretungsdienste für kranke Kollegen zu organisieren. "Das Modell bietet im Grunde nur Vorteile - vor allem für die Kinder."

Gemeint ist damit das weitgehend individualisierte Lernen. Die Schüler werden nach der Einschulung an ihrem Wissensstand "abgeholt" und mit entsprechenden Aufgaben gefördert. Sie erhalten einen Plan für die jahrgangsübergreifenden Stunden. Damit können die Kinder zu den Regalen mit den Aufgaben gehen und diese lösen. Wenn sie die Lernziele der Farbe gelb erreicht haben, folgt die nächste Stufe - zum Beispiel Orange oder Rot. Ob der Stoff gelernt ist, entscheidet die Lehrkraft. "Die Unterschiede der Schüler in der Entwicklung können sehr groß sein", meint Quast. "Durch unser Modell können wir jedes Kind optimal weiter entwickeln, ohne es aus dem Klassenverband zu nehmen." Sitzenbleiber gebe es an der ALS demnach nicht mehr. "Ein weiterer großer Vorteil sei, dass sich die Kinder gegenseitig unterstützen und so auch viel voneinander lernen können.

Das Farbsystem ist eine Idee von Maike Grunefeld, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Silke Schmolke das Fachbuch "Individuelles Lernen mit System" veröffentlicht hat. Inzwischen ist Grunefeld stellvertretende Schulleiterin der ALS. "Unser Konzept hat bereits viele Interessenten aus ganz Deutschland und sogar dem Ausland zu uns gelockt", freut sich die 40-Jährige.

Mit dem Farb-System und klaren Jahres-Stoffverteilungsplänen, seien die Schüler schon im Anfangsunterricht schnell in der Lage, selbstständig zu arbeiten. "Alles ist auf die Kinder abgestimmt", unterstreicht Grunefeld. Das Konzept ermögliche es, Lernschwächen und Förderbedarf zu ermitteln - und macht es unnötig, dass Schüler, die im Stoff schon weiter sind, unterfordert werden. Rund 200 Kinder besuchen derzeit die ALS an der Krischerstraße. Meist werden die Klassen eins und zwei sowie drei und vier gemischt. Es kommt aber auch vor, dass alle Jahrgänge zusammen wirken - mit speziell auf die Altersgruppen zugeschnittenen Aufgaben.

"Das Konzept hat sich bewährt", unterstreicht Quast. "Wir haben von den weiterführenden Schulen viele positive Rückmeldungen erhalten." Auch vom Schulministerium des Landes habe es bereits viel Lob gegeben. "Die Kinder lernen einfach motivierter, sind immer gefordert - und werden bei Bedarf gefördert", sagt die Schulleiterin.

(arod)
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