Fußball : Spiel mit dem Feuer

TuSpo Richrath befindet sich ohne Vorstand in einer sehr gefährlichen Situation. Trotzdem trennte sich der Verein vom bisherigen Trainer Ganija Pjetrovic. Nachfolger Marcus Feinbier will versuchen, etwas Normalität herzustellen.

Die Lage ist ernst, denn TuSpo Richrath taumelt mal wieder dem Abgrund entgegen. In diesem Fall hats aber wenig mit der sportlichen Entwicklung der ersten Mannschaft zu tun, die in der Fußball-Landesliga nach elf Spieltagen auf dem akzeptablen Platz zehn steht. Dafür gehts hinter den Kulissen drunter und drüber. Nach dem Rücktritt des 1. Vorsitzenden Gerd und des 2. Vorsitzenden Horst Ehlers ist der Verein im Grunde führungslos. Trotzdem gönnte sich Richrath den Luxus, nach dem 2:0 gegen den 1. FC Grevenbroich-Süd am Sonntag die Trennung vom bisherigen Trainer Ganija Pjetrovic zu vollziehen (wir berichteten).

Überbringer der Nachricht war Geschäftsführer Günter Bremer, der zumindest offiziell so was wie die Rest-Führung des Vereins ist. "Die Entscheidung war unabhängig vom Ergebnis und vorher getroffen", bestätigt Bremer. Dennoch hätte Pjetrovic viele Argumente, um seine Tätigkeit fortzusetzen – denn das Votum des Vereins dürfte wenig wert sein. Die Formel: Kein Vorstand, keine Entscheidungsgewalt, keine Entlassung. "Für mich ist es zwar immer noch schwierig", sagte Ganija Pjetrovic gestern, "aber ich will mich nicht querstellen." Er "akzeptiert die Entscheidung des Vorstands". Kleiner Haken: Dieses Gremium gibt es momentan gar nicht.

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Ein Herz für die Jugend

Der Trainer-Nachfolger steht fest, denn heute Abend wird Marcus Feinbier dem Team vorgestellt. Der 39-Jährige ist – wie Kollege Pjetrovic – ein Ex-Profi und deshalb mit allen Unwägbarkeiten des Geschäfts vertraut. Zurzeit kümmert sich Feinbier bereits um die Richrather A-Junioren (Niederrheinliga), die er weiterhin betreuen und fördern will. Darin liegt für ihn auch einer der Hauptgründe, jetzt zusätzlich die Landesliga-Elf zu übernehmen. "Wenn ich dem Verein helfen kann, tue ich das", meint Feinbier, "vielleicht schaffe ich es, ein bisschen Ruhe reinzubringen. Es ist wichtig, dass im Verein wieder ein bisschen Normalität entsteht." Das Engagement ist zunächst lediglich als Interimslösung gedacht – bis sich einige andere Dinge geklärt haben.

Amtliche Angelegenheit

Ausgeschlossen ist hier wohl gar nichts. Zu klären wäre zunächst, wie der Verein finanziell durch die Saison kommt. Und selbst die Einberufung einer außerordentlichen Mitglieder-Versammlung könnte extrem schwierig werden. Das ist normal die Aufgabe der dazu befugten Vorstandsmitglieder. Alternativ dürften zwei Drittel aller Mitglieder gemeinsam die Versammlung verlangen – was kaum realistisch sein wird. Vielleicht muss in Kürze doch das Amtsgericht eingreifen.

(RP)