Langenfeld: Schauraum zeigt Handel der Zukunft

Langenfeld: Schauraum zeigt Handel der Zukunft

Im Langenfelder Marktkarree präsentiert seit gestern auf 300 Quadratmeter Fläche die "White Box" digitale Systeme.

Der Roboter blickt mit seinen schwarzen Knopfaugen etwas treudoof drein. Aber das weiße Kerlchen hat es in sich: Es rollt an einem Verkaufsregal mit Shampoos und WC-Spülsteinen vorbei, speichert ab, wo etwas fehlt. "Das ist ein mobiler Roboter, der in Supermärkten den Lagerbestand erfasst", erklärt Andreas Bley vom Hersteller Metralabs. Gut möglich, dass Kunden solch einem Roboter in wenigen Jahren beim Einkauf begegnen. Vorerst ist er noch ein Ausstellungsstück in einem gestern im Marktkarree eröffneten Schauraum.

Das Konzept für die Langenfelder Innenstadt der Zukunft heißt "Future City" und der besagte Schauraum für Händler heißt "White Box". Auf 300 Quadratmeter Fläche im Obergeschoss zeigen Hersteller, wie sich Ladeninhaber auf digitalem Weg und mit modernen Geräten fit für die längst begonnene Zukunft machen können.

"Experten prophezeien dem stationären Handel schwere Zeiten oder sogar ein Massensterben", sagte Bürgermeister Frank Schneider in der White Box. Läden und Innenstädte müssten sich gemeinsam neu erfinden, um ihre Anziehungskraft zu erhalten und auszubauen. Citymanager Jan Christoph Zimmermann wies auf den wachsenden Druck durch Online-Händler hin. Um Geld in den Langenfelder Geschäften zu lassen, bekomme aus Kundensicht das Einkaufserlebnis einen immer höheren Stellenwert.

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Als erster großer Baustein des vom Land NRW mit 200.000 Euro geförderten Pilotprojekts Future City wurde zur Kundenbindung im September letzten Jahres der Langenfelder Stadtschlüssel eingeführt. Damit können Kunden beim Einkauf in angeschlossenen Läden Punkte sammeln und ihre Parkgebühren verringern. Die White Box als zweiter großer Baustein gibt nach Schneiders Worten dem Langenfelder Digitalisierungskonzept nun einen festen Raum. Er zeige Händlern und auch Bürgern, "welche Chancen und Möglichkeiten in der Nutzung von neuen und smarten Anwendungen liegen".

So können Ladeninhaber an Ort und Stelle ausprobieren, wie computergesteuerte Systeme rasch die Verfügbarkeit von Waren feststellen. Auch virtuelle Rundgänge durch Läden auf Großbildschirmen sind möglich. "80 Prozent der vorgeführten Systeme könnten sofort eingesetzt werden", meinte Innovationsberater Frank Rehme, der am Future-City-Konzept mitwirkt. Dazu gehören etwa Rufknöpfe, mit denen Kunden in der Umkleidekabine eine Verkäuferin oder Restaurantbesucher einen Ober via Smartphone zu sich holen können. "Themen, die hier aufgegriffen werden, sind für große und kleine Läden gleichermaßen wichtig", meinte Michael Grünhoff vom Hagebaumarkt.

Wie er nutzen Langenfelder Händler die White Box auch unter wechselnden Themen als gemeinsame Werbeplattform für ihre Produkte. Laut Citymanager Zimmermann soll dies dazu beitragen, sich untereinander zu vernetzen und Kräfte zu bündeln. Zum Auftakt lautet das Motto "Kurzurlaub zum Ich". So stellt etwa Optiker Tim Holterbosch Sonnenbrillen aus, direkt daneben machen ein Fahrrad, Grill, Bücher und Köstlichkeiten Lust auf einen Kurzurlaub. Gemeinsame Aktivitäten seien gut für alle, meinte Holterbosch. "Auch beim Stadtschlüssel waren wir gleich dabei."

(mei)