Monheim/Langenfeld: Blindenschach verblüfft Grundschüler

Monheim/Langenfeld: Blindenschach verblüfft Grundschüler

Die Monheimer Schule am Lerchenweg setzt auf Ganztagsangebote und Inklusion.

Achim Nöhles ist vom Konzept seiner Schule am Lerchenweg voll überzeugt. "Unser Schwerpunkt ist eindeutig das Ganztagskonzept. Von den zwölf Klassen befinden sich neun im Ganztag von 8 bis 16 Uhr, in drei Jahren werden es alle Klassen sein", sagt der Monheimer Schulleiter. Die Anmeldezahlen geben ihm Recht. 118 Kinder seien zuletzt angemeldet worden, aber nur 81 könne die Schule aufnehmen. "Auch wenn wir in den Klassen 28 bis 31 Kinder haben und damit an der Obergrenze der Klassenstärke sind, freut es uns doch, so nachgefragt zu sein", sagt der Pädagoge. Der Zulauf habe seinen Grund auch im starken Zuzug nach Monheim.

"Inklusiv, interkulturell, multiprofessionell und vernetzt" - mit diesen Schlagworten auf der neu erstellten Homepage ist auch das umschrieben, was die Schule ausmacht. Die 346 Schüler der "Lerche" werden von einem multiprofessionellen Team aus 61 Mitarbeitern betreut, unterrichtet und gefördert, darunter sind 24 Grundschullehrer, aber auch Erzieher, Sozialpädagogen, Sonderpädagogen, FSJler. Zum Teil kommen die Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Die anerkannt inklusive Schule nimmt auch Kinder mit geistiger Behinderung, lern- und verhaltensauffälligen oder motorischen Defiziten auf. "Auch wenn es nicht immer einfach ist, die Erstklässler in den Schulalltag einzubinden, sehen die Eltern doch, dass wir Hilfen zur Verfügung stellen", betont der Schulleiter.

Die Aufgabe der Grundschule sieht er darin, ein breites Angebot von Fördermöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. So gibt es ein Musikangebot in Zusammenarbeit mit der städtischen Musikschule, reichlich Sport und eine Kooperation mit der Kunstschule. Nöhles hat die Grundschule 2005 neu aufgebaut. "Ich bin mit Leib und Seele an einer Brennpunktschule, da ist mein Platz, da gehöre ich hin."

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Jetzt kam - zum zweiten Mal nach 2013 - das Team der "Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung" in die Schule, um den "Ganz normalen Tag" zur Sensibilisierung der Schüler für Menschen mit Behinderung durchzuführen. "Warum haben Sie eine Sonnenbrille auf", fragt ein Lerchenschüler den blinden Wolfgang Krafft, der zum Team gehört. "Weil meine Augen durch die Augenkrankheit nicht so schön aussehen", sagt er und geht ohne Brille zu allen Kindern der Klasse. Manfred Glasmacher, ebenfalls blind, zeigt die Alltagshilfen für Sehbehinderte: "Beim Mühle- oder Schachspiel kann ich fühlen, welche Farbe die Steine und Figuren haben." Ilka Hilbich ist gehörlos. Mit Kenneth Seidel zeigt sie den Kindern der "Lerche", wie sich gehörlose Menschen durch Gebärden mit den Händen verständigen. "Ich habe meist gehörlose Freunde, da kann ich gebärden."

Besonders gefragt beim Parcours ist das Fahren mit dem Rollstuhl und als "Blinder" mit einer Schlafbrille auf dem Tandem. Aber auch mit dem Blindenstock zu gehen und mit Gehilfen Stufen zu überwinden steht auf dem Programm. Das zu Beginn des Tages von allen Schülern gesungene "Lerchenlied" passt zu diesem Tag: "Wir sind ganz verschieden. Jeder kann was andres gut. Wir helfen einander. Das macht uns allen Mut."

(RP)