Monheim: Erster Knatsch um Sandys Schlagercafé

Monheim : Erster Knatsch um Sandys Schlagercafé

Anwohner fühlen sich durch die Schlagerpartys gestört. Die Stadt möchte vermitteln, sagt aber: Alles im Rahmen!

Mit Grauen sieht Klaus Audersch dem 6. September entgegen, wenn Sandy Christen wieder seine Schlagerparty gibt. "Sechs Stunden deutscher Schlager auf Ballermann-Niveau - und das in Heavy-Metal-Lautstärke", klagt der 56-Jährige, der im alten Rathaus wohnt. Selbst bei geschlossenen Fenstern könne er dann weder einem Gespräch folgen noch fernsehen. Audersch, der als ehemaliger Schlagzeuger lauter Musik grundsätzlich nicht abgeneigt ist, betont, mit den Lärmbelästigungen zu den Hochzeiten der Altstadt sei er gut zurechtgekommen. Auch die Musik-Veranstaltungen im benachbarten Biergarten bezeichnet er als "anwohnerfreundlich". Bisher hat der Betreiber des Schlagercafés - für die Stadt ein wichtiger Mosaikstein für die Wiederbelebung der Altstadt - erst zwei solcher Partys veranstaltet. Audersch: "Aber am Abend ist man als Anwohner mit den Nerven fertig. Ich möchte ja nur, dass sie leiser werden."

Schützenhilfe bekommt er von seinem Nachbarn Stephan Hanewinkel. "Es geht nur darum, dass Herr Christen am Volumenregler dreht." Bei der ersten Veranstaltung habe er den Café-Betreiber darum gebeten und dafür nur Pfiffe und Gejohle geerntet, berichtet der 53-Jährige. Eine Veranstaltung von solcher Lautstärke müsste man eigentlich in eine Halle verlegen, aber Christen beschalle ungehindert die gesamte Altstadt. "Im Garten kann man dann nicht mehr sitzen." Er habe damals die Polizei gerufen, die Beamten hatten aber kein Dezibelmessgerät dabei.

"Wer in die Altstadt zieht, weiß, was ihn erwartet", erklingt es dagegen fast unisono aus dem Mund anderer Anwohner. "Ich fühle mich nicht gestört", sagt Petra Stapelfeldt. "Mir ist nur wichtig, dass mein Nachtschlaf nicht beeinträchtigt ist, die Musik bricht aber um Schlag 22 Uhr ab." In der Vergangenheit seien die nächtlichen Ruhestörungen durch den "Spielmann" gravierender gewesen. "Ab zwei, drei Uhr schlug man sich gegenseitig aufs Köpfchen", bestätigt ein 48-jähriger Anwohner. Klaus Beck, früher selbst in der Gastronomie tätig, freut sich über jede Belebung. "Das Café wird von den Besuchern, die gen Rhein strömen, gut angenommen." Auch andere empfinden es als Bereicherung. "Ich gucke sonntags raus, wer da ist, und entscheide dann, ob ich mich dazugeselle", sagt der 48-Jährige. "Ein bisschen "Rambazamba" zur Eröffnung findet Meinhard Klabuhn (48), der an der Franz-Boehm-Straße wohnt, normal. Auch schließe das Café ja schon um 20 Uhr. Er vermutet, dass auch die von der Stadt initiierte geänderte Verkehrsführung, die dem Café einen Bereich für die Außengastronomie sichern sollte, die Anwohner stört.

Die Stadt hat aufgrund der Beschwerden beim Ordnungsamt die Anwohner für den 3. September zu einem Treffen eingeladen. "Wir wollen Transparenz für das schaffen, was erlaubt ist und was nicht. Die Partys bewegen sich im gesetzlichen Rahmen einer wiederkehrenden Veranstaltung bis 22 Uhr", sagt Bürgermeister Zimmermann. Die dafür geltenden Grenzwerte würden eingehalten. Das hat die Stadt zwar nicht gemessen, sie verlässt sich da auf das Urteil ihrer erfahrenen Mitarbeiter. "Genau kann das nur gutachterlich erfasst werden." Zimmermann vermutet, dass die Schlager von denjenigen Anwohnern als besonders störend empfunden werden, die diesen Musikstil nicht mögen. Außerdem fürchteten diese, dass das Café nur der Auftakt zu einer Reihe weiterer Spektakel ist, die mit den von der Stadt angestrebten Kneipen-Eröffnungen zwangsläufig einhergehen. Pascal Lütz, Betreiber des Biergartens, ist zwiegespalten: Einerseits ist er für eine Altstadt-Belebung, andererseits erkennt er das Ruhebedürfnis der Anwohner an und fürchtet, dass einer klagen und der Kreis künftig die Zahl der Terrassenplätze vorschreiben könnte.

(RP)