Kolumne Kr Wie Krefeld: Packende Debatte

Kolumne Kr Wie Krefeld: Packende Debatte

Baugebiete draußen und Wohnen in der City: Schweifen wir mal ab, in die Zukunft nämlich.

Die Diskussion im Planungsausschuss zum neuen Baugebiet Wiesenhof in Traar über die Gesamtstrategie einer Stadt und Partikularinteressen in den Stadtteilen war packend. Es ist wohl richtig, dass sich SPD und CDU entschlossen haben, dieses Baugebiet auf den Weg zu bringen. Wenn es stimmt, dass in Düsseldorf in den kommenden Jahren 60.000 Menschen bezahlbaren Wohnraum suchen, ist es nur klug, wenn auch Krefeld von diesem Exodus profitieren möchte. Wer aus Düsseldorf nach Krefeld zieht, gehört zu solider Mittelschicht. Krefeld kann einen Schub für dieses soziale Milieu gut gebrauchen. Die Innenstadt bleibt eine strategische Herausforderung. Keine Bange, jetzt kommt nicht die 180. Litanei darüber, wie schmutzig Krefeld ist. Auch deshalb nicht, weil sie nicht stimmt. Die City ist gar nicht so schmutzig; es gibt ein - jetzt kommt eine sehr persönlichere Anmerkung, also volle Deckung: - Drecksloch, das ganz Krefeld 'runterzieht: Theaterplatz und Seidenweberhaus. Diese Zone schadet dem Ruf der ganzen Stadt.

Aber "Nieder mit dem Seidenweberhaus!" ist noch keine Strategie. Es gibt so viele Expertisen über die Probleme von Innenstädten, über den Wandel ihrer Funktionalität, über die Notwendigkeit, Wohnraum in Innenstädten zu schaffen, dass es Zeit ist, der Wahrheit ins Auge zu sehen: Die City der Zukunft ist kein Open-air-Einkaufscenter mehr, sondern Stadt im Innern, zum Wohnen und zum Einkaufen. Wenn es stimmt, dass es deutschlandweit zu viel Einzelhandelsfläche gibt, dann sind Leerstände nicht nur und immer wieder mit neuen Geschäften zu füllen. Stadtviertel wie Fischeln oder Hüls sind ja genau deshalb so beliebt: weil die Mischung aus Wohnen und Einkaufen gleichmäßiger verteilt ist als in der City.

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Ein Fanal wäre es, wenn Krefeld die Fußgängerzone verkürzen, die Innenstadt für den Autoverkehr öffnen und dort entschlossen Wohnraum schaffen würde. Die Feindschaft gegenüber dem Auto gehört beendet: Nur wer in der Stadt parken kann, wird dort auch wohnen.

Schon klar, alles Zukunftsmusik. Nur: Zurzeit klaffen Expertisen über das, was die Zukunft bringt, und die Realität aberwitzig weit auseinander. Kann jemand das Wort "demografische Entwicklung" noch hören? Mal ehrlich: Man schläft spätestens bei der Silbe "fi" ein. Ja, wir werden alle älter, gottlob, ja wir brauchen Wohnraum in der City, ja, er sollte barrierefrei und altengerecht und bezahlbar sein. Wenn eine Stadt damit anfangen würde, wäre das Publikum schlagartig wach. In ganz Deutschland vermutlich. vo

(RP)