Krefeld: Das Begegnungscafé Dein Name ist Mensch musste schließen. Ein Streit mit dem Verein Dein Name ist Mensch war eskaliert.

Streit um Obdachlosenhilfe in Krefeld : Begegnungscafé musste innerhalb von einer Stunde geräumt werden

Ein Streit im Begegnungscafé an der Marktstraße ist eskaliert. Innerhalb von einer Stunde musste die Betreiberin das Café räumen. Mehr als 50 Helfer fanden sich ein, um beim Ausräumen zu helfen.

Der Streit im Begegnungscafé an der Marktstraße, der sich in den vergangenen Wochen zwischen der Betreiberin Sabrina Tophofen und den Vorständen des Vereins „Nothilfe Mensch“ entwickelte, ist eskaliert. Am Montagabend musste das Café deshalb schließen. „Plötzlich bekam ich einen Anruf, dass die Vereinsverantwortlichen, die mich ursprünglich unterstützen wollten, uns eine Stunde Zeit geben, das Café zu räumen“, sagt die geschockte Betreiberin Sabrina Tophofen unter Tränen.

Vereinsvertreter Horst Renner rechtfertigt das Vorgehen in einer Erklärung auf Facebook, aber auch in einer persönlichen Stellungnahme auf Anfrage unserer Redaktion  mit Auflagen der Stadt. „Wir haben baurechtliche Auflagen bekommen, die bis Freitag hätten erfüllt sein müssen. Diese Frist haben wir bis zum letzten ausgereizt und alles versucht. Jetzt haben wir eigentlich um fünf nach Zwölf gehandelt. Es war der einzige Weg, Zwangsgelder gegen den Verein, aber auch gegen uns als handelnde Personen, zu verhindern“, sagt er.

Dieser Darstellung widerspricht Tophofen vehement. „Das ist eine Frechheit. Ich hatte kürzlich ein Treffen mit Herrn Adam vom Bauamt. Er war extrem unterstützend, hat Vorschläge gemacht, wie Dinge unbürokratisch gelöst werden könnten und bot uns jede Hilfe an. Der Stadt den schwarzen Peter zuzuschieben, ist unfair“, sagt sie. Die Wahrheit liegt offenbar in der Mitte. „Die Vereinsverantwortlichen haben beim Ortstermin Anfang des Jahres zugesagt, den nötigen Bauantrag zu stellen. Trotz mehrfacher Nachfrage der Bauaufsicht ist das nicht geschehen. Zuletzt ist vor vier Wochen eine Frist bis zum 24. Mai gesetzt worden. Von einer plötzlichen Entwicklung kann keine Rede sein. Wir haben bereits auch Frau Tophofen Unterstützung zugesagt und werden sie nun auch bei der Suche nach einem neuen Objekt beraten“, sagte Stadtsprecher Timo Bauermeister auf Anfrage.

Pikant ist die Entwicklung auch deshalb, weil Tophofen in den vergangenen Wochen immer mehr Ungereimtheiten auf Seiten des Vereins festgestellt haben will. In einer Etage des Gebäudes, in der eigentlich Übergangszimmer für Obdachlose eingerichtet werden sollten, die auch teilweise mit Hilfe von Freiwilligen und Spenden gebaut worden seien, entstanden plötzlich Büroräume, erklärt Tophofen. Am Eingang tauchte ein Briefkasten mit vier Firmennamen auf. „Von denen war aber nie jemand hier. Sie hängen wohl mit den Personen der Nothilfe Mensch zusammen“, sagt Tophofen. Auf Vereinskonten, die auch Spendengelder enthielten, habe sie fragwürdige Buchungen festgestellt, mehrfach sei die Steuerfahndung im Café vorstellig geworden und habe nach den Firmeninhabern gefragt.

Daher hatte sich die Cafébetreiberin bereits vor der Schließung entschlossen, neue, wieder eigene, Räumlichkeiten zu suchen. Von der kurzfristigen Räumungsaufforderung wurde sie dennoch komplett überrascht. Eine Hilfsbitte auf Facebook immerhin hatte großen Erfolg. Über 50 Helfer, viele von ihnen hatten zuvor nichts mit dem Café zu tun gehabt, fanden sich ein, halfen beim Ausräumen, brachten teils sogar angemietete Autos und Transporter mit und stellten private Räume in Kellern und sogar Wohnungen zur Verfügung, um die Einrichtung unterzustellen. „Ich habe den Aufruf gelesen und mich sofort auf den Weg gemacht. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass jemand da ist, wenn man Hilfe braucht, und Frau Tophofen hilft so vielen Menschen, da hat sie jede Hilfe verdient“, sagt beispielsweise Nika. Die 32 Jahre alte Krefelderin kaufte sogar Getränke für alle Helfer. Ein anderer besorgte Pizza. So klang der Abend trotz des Schrecks und der Arbeit doch noch versöhnlich mit gemeinsamem Essen und Gesprächen aus.

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