Krefeld: Begegnungscafé bietet Raum und Essen nicht nur für Obdachlose.

Krefeld: Begegnungscafé an der Kölner Straße : Ein Ort nicht nur für Obdachlose

Sabrina Tophofen lebte früher auf der Straße. Jetzt widmet sie ihr Leben dem Versuch, Menschen zu helfen.

Obdachlosigkeit ist ein Problem, das in der Gesellschaft oft nur begrenzt wahrgenommen wird. Nur Wenige setzen sich intensiv für Menschen ohne Unterkunft ein. Eine von ihnen ist Sabrina Tophofen. Sie weiß, wovon sie spricht, lebte früher selbst auf der Straße und war in den 90ern Deutschlands jüngstes Straßenkind. Heute hat sie Wohnung, Job und Familie und widmet ihr Leben dem Versuch, anderen ebenfalls zu helfen.

Nach vielen Aktionen, wie wöchentlichem Kochen für Obdachlose, eröffnete die 37-Jährige im Sommer ein Begegnungscafé an der Kölner Straße. Mittlerweile fand sie Mitstreiter, die ihr helfen, dieses 24 Stunden, sieben Tage die Woche geöffnet zu halten. Für jeden, der kommt, gibt es eine kostenlose Mahlzeit. Essen gibt es dreimal am Tag. Das Beeindruckendste: Die junge Frau verbringt nicht nur fast ihre gesamte Freizeit dort, um den hilfsbedürftigen Menschen Unterstützung und Ansprache zu geben, sie finanziert auch alles aus eigener Tasche. Die Miete für das Ladenlokal an der Kölner Straße, die Lebensmittel, sowie alle Gebrauchsgüter besorgt sie von eigenem Geld. Davon hat sie als Krankenpflegerin nicht viel, gibt es aber darum nicht weniger gern für Andere.

„Ich bekomme auch Unterstützung. Bauer Funken aus Kempen gibt uns kostenlos allerlei Salate, wir kriegen oft Brot und anderes Gebäck, es gibt Spenden, gleich hier über die Kreuzung ist ein türkisches Geschäft, da bekommen wir immer etwas. Nicht etwa abgelaufene Ware, Sachen unmittelbar aus der Auslage. Da habe ich immer ein richtig schlechtes Gewissen“, sagt sie. Doch was unterscheidet sie von der Tafel? „Wir sind keine Konkurrenz zur Tafel. Die machen eine ganz tolle Arbeit und ich will ihnen auch nichts wegnehmen. Im Gegenteil“, sagt Tophofen. „Ich möchte das Angebot der Tafeln ergänzen. Dort gibt es Lebensmittel für Menschen mit Sozialschein in irgendeiner Form. Bei uns kann jeder kommen. Und wir bieten eben auch den Raum, die Ansprache, die Möglichkeit für die Menschen, sich wieder als Menschen, wahrgenommen, zu fühlen, sich hier aufzuhalten.“

Dabei ist Tophofen stets bemüht, sich selbst aus dem Fokus zu nehmen. Ihre eigene Rolle spielt sie herunter. Nicht aus Understatement, sondern offenkundig aus Überzeugung. „Wir sind hier elf  Leute, die mitmachen. Wir sind in drei Schichten und immer mindestens zu Zweit hier. Alle, die dabei sind, machen das ganz hervorragend“, sagt sie. Dabei ist die Powerfrau selbst sichtbar müde. Während des Gesprächs ist sie bereits seit weit über 24 Stunden auf den Beinen. Ihre Kinder kommen nach der Schule oft in den Laden. Ansonsten passt der Ex-Mann auf sie auf. Er wohnt im gleichen Haus.

Doch warum tut sie das? Hat sie nicht das Bedürfnis nach Freizeit und Hobbys? „Nein. Menschen zu helfen, das ist mein Hobby. Ich bin so dankbar für das Leben, das ich jetzt führen darf. Und ich möchte anderen Menschen die Hand reichen, dass sie es auch schaffen können. Unser Motto ist „Dein Name ist Mensch“ und ich möchte, dass Jeder, der herkommt, Wertschätzung erfährt. Das ist vielleicht noch wichtiger als Essen“, antwortet sie.

Dabei hofft sie, dass ihr Beispiel Schule macht und die Ablehnung gegenüber Menschen ohne Unterkunft abnimmt. „Wir haben hier eine Dame, immer elegant gekleidet, die kommt oft her, setzt sich zu den Menschen, redet und isst mit ihnen und wirft dann unauffällig Geld in die Spendendose. Nicht, um sich zu profilieren, sondern aus Überzeugung. Solche Menschen bräuchte es mehr“, sagt Tophofen. Doch glaubt sie wirklich, mit dem Laden etwas verändern zu können? „Ja!“, antwortet sie klar. „Wir verändern in jedem Moment etwas für die Menschen, die her kommen. Es gibt ein tolles Zitat, ich glaube aus dem Film Schindlers Liste: „Wenn Du nur eine Seele rettest, rettest Du die ganze Welt“. Das ist sehr richtig. Die Menschen sind weder faul noch sonst etwas. Einige arbeiten hier zwölf bis 14 Stunden ohne einen Cent. Sie brauchen nur eine Hand. Die wollen wir ihnen geben“, sagt sie und gibt lächelnd das nächste Essen aus.