Der erste „Passat“ entstand in Krefeld-Uerdingen

Autobau in Uerdingen : Der erste „Passat“ entstand in Uerdingen

Ein Historiker aus Herne recherchiert zum Pinguin und landet in Krefeld. Dabei geht es nicht um Eishockey und auch nicht um den Zoo, sondern um einen Kleinwagen. Im Kontext mit der Automarke Pinguin stieß Jörg Militzer auf den Prototypen „Passat“, der in Uerdingen gebaut worden war.

Der Uerdinger Erfinder und Mechaniker Kurt Faust ist fast vollständig in Vergessenheit geraten. Das will ein in Herne geborener Historiker ändern. Jörg Militzer hat vor Jahrzehnten Mitarbeiter der Ruhrfahrzeugbau Romanus Müthing getroffen und Interessantes über einen Kleinwagen Pinguin erfahren. Die Recherchen für ein Buchprojekt führen ihn nun nach Krefeld. Denn dort gab es einen weiteren Betrieb, der in der Entwicklung von Kleinwagen tätig war. Der Uerdinger Kurt Faust gründete die Passatwerke und hatte Großes vor.

Bei Passat denkt natürlich jeder an Volkswagen. Seit den 1970er Jahren ist die Verkaufsbezeichnung „Passat“ untrennbar mit dem Konzern in Wolfsburg verbunden. Am Stammsitz, aber auch in Emden und Zwickau ist dieses Erfolgsmodell millionenfach aus  deutschen Produktionshallen gerollt. Doch kaum jemand weiß, dass es bereits zu Beginn der 1950er Jahre einen „Passat“ gegeben hat. Ob dieser ein Einzelstück war oder ob mehrere der „sportlich“ anmutenden, dreisitzigen Coupés gefertigt wurden, sei unklar, berichtete Militzer. Anfragen beim Krefelder Stadtarchiv und beim Heimatbund brachten ihn bislang nicht weiter.

Ganz klar scheine für die Kleinwagen jedoch deren Entstehungsort – die Duisburger Straße in Uerdingen. Unter der Hausnummer 36 habe  bereits Ende der 1940er Jahre der Erbauer dieses „Ur-Passat“, Kurt Faust, mit seinem kleinen Fahrzeugbauunternehmen firmiert. Der rührige „Schrauber“, der in den von Mangel und Not geprägten frühen Nachkriegsjahren allerlei Fahrzeuge wohl aus Gebrauchtteilen auf die Räder stellte, hatte jedoch nicht nur den „Passat“ in seinem Verkaufsprogramm. Noch unterhalb des mit einem fünf- bis sechshundert Kubikzentimeter großen „Motörchen“ ausgestatteten „Passat“ gab es hubraumschwächere, dreirädrige Modelle mit Namen wie „Aeolus“ oder „Monsun“.

All diese automobilen Kreationen hatten eine für damalige Verhältnisse ungewöhnliche Getriebeautomatik, die später in den niederländischen DAF-Kleinwagen in großen Stückzahlen als „Variomatic“ zum Einsatz kam und noch heute bei vielen Motorrollern verbaut wird. „Damit können Kurt Fausts Konstruktionen wohl zu Recht als zukunftsweisend betrachtet werden“, urteilte Militzer.

Allerdings verfügte der Visionär neben seinem großen technischen Talent kaum über kaufmännisches Geschick, und so verschwanden sowohl die Kleinwagen „Made in Uerdingen“ als auch deren Erbauer spurlos aus der kollektiven Erinnerung. Kurt Faust habe in den 1950er Jahren noch Zugmaschinen produziert. Für seine „Passatwerke“, in die sein Fahrzeugbau umfirmiert werden sollte, verfolgte er hochfliegende Pläne.  Dafür wollte er vom Rhein an die Emscher ins Ruhrgebiet umzuziehen. „Mit dieser Information verlieren sich seine Spuren“, berichtete der Historiker.

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