1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefeld: Erfolgsgeschichte einer kleinen Bücherei

Krefeld : Erfolgsgeschichte einer kleinen Bücherei

Die katholische öffentliche Bücherei der Pfarrgemeinde St. Maria Waldrast finanziert ihren Betrieb zum Großteil aus Mitgliedsbeiträgen und profitiert von klug ausgewählten Öffnungszeiten.

Sie liegt etwas versteckt hinter der Kirche und deren Rückbauten — und doch hat sich das Angebot der Pfarrbücherei Maria Waldrast längst in Forstwald herumgesprochen. Schließlich hat sich über die Jahre hinweg ein beachtlicher Medienbestand entwickelt: 8700 Bücher und Zeitschriften wie "Schöner Wohnen" oder das Magazin der Stiftung Warentest können die Forstwalder direkt vor der Haustür ausleihen. Hinzu kommt eine Auswahl von 650 DVDs, CDs und Hörbüchern.

"Das DVD-Angebot bauen wir immer weiter aus, und demnächst kommen auch E-Books hinzu", erklärt Ulrich Hübbers. Der 52-Jährige hat vor 15 Jahren die Leitung der Einrichtung übernommen, nachdem die Bücherei ein halbes Jahr schließen und sich personell neu aufstellen musste.

"Ich wurde damals angesprochen, weil ich direkt auf der anderen Straßenseite wohne. Seitdem bin ich mit Leidenschaft dabei", berichtet Hübbers, der sich zusammen mit 33 Kollegen ehrenamtlich neben seinem Vollzeitjob bei Bayer für die Bücherei engagiert. Das Ehrenamt sei die tragende Säule, ohne die sich das Angebot nicht halten könne.

  • Die ersten Holzplatten auf der neuen
    Wirtschaft in Krefeld : Siempelkamp liefert längste Presse Asiens
  • Bundestagswahl 2021 Ergebnisse : SPD wird im Wahlkreis Krefeld II - Wesel II mit 31,8 Prozent stärkste Kraft
  • Bundestagswahl 2021 Ergebnisse : CDU wird im Wahlkreis Krefeld I - Neuss II mit 29,5 Prozent stärkste Kraft

Ihre Zielgruppe sieht die Pfarrbücherei vor allem in Kindern und Jugendlichen, die oft mit ihren Eltern herkommen. Aber auch für ältere Leser ist immer etwas dabei. "Wir haben ein Bestsellerregal, bei dem wir uns an populären Neuerscheinungen orientieren und auch auf Wünsche der Mitglieder eingehen", verrät Ulrich Hübbers. Jeder Mitarbeiter hat zudem ein literarisches Fachgebiet und schlägt daraus Titel vor, die angeschafft werden könnten.

Diesen Mix weiß auch Helge Antony zu schätzen, die oft mit ihren Kindern Pia (6) und Ferdinand (2) einen Ausflug in die Bücherei unternimmt. "Die Öffnungszeiten sind einfach phänomenal. Sonntags können viele Leute ein Buch ausleihen, die es wegen des Jobs nicht in die Mediothek schaffen. Freitags baut der Markt direkt vor der Tür auf, und durch die direkte Nachbarschaft zur Kita können viele Eltern wie ich das Angebot nutzen." Für Mitarbeiterin Birgit Juranek birgt die Lage auch den Vorteil, einen Versammlungsort in der Gemeinde zu haben, den es sonst in dieser Form nicht gebe.

Die Ehrenamtlichen sind stolz, den jährlichen Anschaffungsetat für neue Medien in Höhe von 5000 Euro ohne Subventionen aufbringen zu können. "Den überwiegenden Teil nehmen wir über die Beiträge unserer 400 aktiven Leser und den Verkauf ausrangierter Bestände ein. Etwa ein Viertel des Geldes schießt das Bistum Aachen bei", so Hübbers. Hinzu kommt der Vorteil, die Räumlichkeiten der Pfarre kostenlos nutzen zu dürfen.

Während in Uerdingen nach der Schließung der Bücherei großes Wehklagen zu hören ist, rät Ulrich Hübbers, die Augen zu öffnen. "Mit der Pfarrbücherei von St. Heinrich gibt es dort weiterhin eine Möglichkeit, Literatur auszuleihen", so der 52-Jährige. Das sei aber nicht als Statement für die Schließung des Mediothek-Ablegers gemeint. "Die bedaure ich genauso wie die Uerdinger."

(RP)