Krefeld: 120.000 feiern beim Rosenmontagszug

Krefeld : 120.000 feiern beim Rosenmontagszug

Zwei Krefelder Phänomene thematisierten die Narren beim Rosenmontagszug: Haushaltsmisere und Bauboom in der City. Der Besuch war gut, die Stimmung prächtig.

Im traditionell eher unpolitischen Krefelder Straßenkarneval haben am Rosenmontag gleich mehrere Fußgruppen und Wagen den Nothaushalt zum Thema gemacht. Seit Monaten wird in Krefeld die Schließung von städtischen Einrichtungen und Streichung von Veranstaltungen diskutiert — das politisch dominierende Thema dieser Stadt machten sich auch einige Narren zu eigen. Der größte Blickfang war dabei der Wagen der Minister des Prinzen. Models aus Pappmaché, die kopfüber oder mit den Beinen im Wasser stecken, waren zu sehen, daneben der Spruch: "Krefelder Fashion World 2014 — ins Wasser gefallen." Aus Finanzgründen war die diesjährige Straßenmodenschau bekanntlich gestrichen worden.

Sieben Kilometer langer Zug mit rund 1300 Aktiven

Am kreativsten kommentierte die Fußgruppe des Fischelner Jugendzentrums den Nothaushalt: Die Jugendlichen kamen verkleidet als Dosen — "Krefeld geht ans Eingemachte" war auf einem dahinter fahrenden Wagen zu lesen.

Um 12.11 Uhr war der sieben Kilometer lange Zug am Sprödentalplatz gestartet und erreichte gegen 13 Uhr den Rathausplatz, laut Polizei ohne größere Komplikationen. "Es gab keine besonderen Vorkommnisse", sagte eine Polizeisprecherin. 120.000 Besucher sollen den Straßenrand gesäumt haben.

Bei kaltem, winidgem Wetter fanden sich hunderte Narren am Fuße des Rathauses ein und feierten den Zug. Auf dem Balkon kommentierte Karin Meincke mit Andreas Dahms — ein überzeugendes Duo. Der Friedrichsplatz am Zugende wird seit Jahren immer besser besucht. Laut Festkomitee verabreden sich die Jugendlichen bei Facebook für den Platz. Weil die Sternstraße abgesperrt war, gab es in diesem Bereich kaum Probleme mit Glasscherben.

Spender retteten den Zug

Sieben Prunk- und 32 Festwagen zogen am Rathaus vorbei — begleitet von 33 Gruppen, davon 17 Fußgruppen sowie 17 Kapellen mit 400 Musikern. Insgesamt zogen nach Schätzung von Albert Höntges, Zugleiter vom Festkomitee Krefelder Karneval, 1300 Aktive im Zug mit, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, auch der Zug war kürzer. Ohne die Spenden all der Krefelder, die sich an der Aktion "Ne Penning für Freud" beteiligt haben, wäre wohl neben der Straßenmodenschau auch der Straßenkarneval ins Wasser gefallen.

Zum Dank an diese fuhren mehrere Wagen voraus, die die Unterschriften aller Spender zeigten — eine schöne Geste. Albert Höntges vom Festkomitee bilanzierte am Nachmittag: "Ich bin sehr glücklich, der Besuch war gut, es gab kaum größere leere Flächen. Auch die Stimmung war gut."

Jubel für das Prinzenpaar

Euphorischer Jubel dann für Prinz Michael I. und Prinzessin Karin I. (Zecha) aus Bockum — als sie auf den Rathausplatz fuhren, lugte die Sonne kurz zwischen den Wolken hervor. Und trotz Nothaushalts geizte der Prinz — und Ratskandidat der CDU für Bockum bei der kommenden Kommunalwahl — nicht mit Gaben: Im Sekundentakt warf er Bonbons auf dem Rathausplatz. Wenige Minuten vorher war der eigentliche Hausherr vorbeigefahren: Oberbürgermeister Gregor Kathstede fuhr wieder auf dem Wagen der Prinzengarde mit und winkte euphorisch in Richtung seiner Bürgermeisterin Karin Meincke.

Der Karneval gestern spiegelte aber auch die andere große Entwicklung dieser Stadt: Der Wagen der Fidelen 11 und GKG 1878 machte auf den Bauboom in der Stadt aufmerksam. "Wir reißen uns für Euch den Ostwall auf", hieß es auf dem Wagen — ein Hinterteil mit Reißverschluss war zu sehen, das derbste Motiv des Tages. Die lustigen Klosterbrüder fuhren in Bauarbeiterbekleidung durch die City — "Krieewel bout öm — Wer och" (Krefeld baut um, wir auch) war ihr Motto. Die Uzvögel kamen im roten Bus mit dem Schriftzug "Sightseeing Krefeld" — ein Hinweis darauf, dass Krefeld sich als Ausflugsziel lohnt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So feierten die kleinsten Krefelder Karneval 2014

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