Krefeld: Ein Viertel ohne Bismarck

Krefeld : Ein Viertel ohne Bismarck

Warum fehlt Bismarck auf dem Bismarckplatz? Krefelder Schüler machten sich auf die Spur nach einem Stadtviertel, das seit 64 Jahren ohne Namensgeber dasteht. Und voraussichtlich wird Bismarck auch nicht zurückkommen.

Bismarckviertel Es ist 20 Jahre her, da wurde in Krefeld eifrig über den Bismarckplatz diskutiert. Damals stand die Frage im Raum, was auf den Sockel des Bismarckdenkmals gesetzt werden sollte. Ein Zeitzeuge hatte die geniale Idee: Man könne doch einfach einen Bismarckhering draufsetzen. Seit dem Zweiten Weltkrieg besteht das Denkmal, das einst den Reichskanzler Otto von Bismarck zeigte, nur noch aus einem Sockel.

Die Geschichte mit dem Hering ist nur eine von vielen Anekdoten, die der 13er Geschichtskursus des Berufskollegs Uerdingen unter der Leitung von Dominik Plaschke ans Licht brachte. Er beschäftigte sich mit seinen Schülern mit der Geschichte des Bismarckdenkmals und fand heraus: Heute wie gestern weiß man in Krefeld nicht so richtig, was mit dem verfallenen Sockel an der Friedrich-Ebert-Straße zu tun ist – wenn er denn überhaupt wahrgenommen wird. „Viele Schüler wurden sich erst einmal der Existenz dieses Denkmals bewusst, als wir mit dem Projekt begannen“, erzählt Kursleiter Plaschke.

Geschichte vor Ort lernen

Ganze vier Monate ersetzte die Projektrecherche den Unterricht des Grundkurses. Während dieser Zeit besuchten die Schüler das Stadtarchiv und nahmen zahlreiche Fotos und Schriftverkehr in Augenschein. Dort fanden sie heraus, dass Krefeld bereits 1885 einen Bismarckplatz besaß. Erst zehn Jahre später wurde dort, als Erinnerung an die Annäherung Bismarcks und Kaiser Wilhelms II, ein Denkmal in Form einer Statue errichtet.

Die Bilder vom Festzug, ebenfalls auf der Website zu sehen, illustrieren die städtebauliche Pracht des damaligen Krefelds. Sogar von Papst Leo XIII. kam ein Glückwunschschreiben. Hundert Jahre später war all das vergessen: Der Sockel ging bei Bauarbeiten in den 60ern buchstäblich verschütt. Gerade das Forschen nach solchen Einzelheiten habe Spaß gemacht, findet Raphael Kaets (19). Die nämlich gebe es nicht im Internet.

Die Idee für das Projekt war im Herbst entstanden – die Zeit, in der Dominik Plaschke traditionell die Bismarck-Ära behandelt. „Man muss vermitteln, dass Geschichte nicht irgendetwas ist, was im Schulbuch steht, sondern vergangene Realität.“

Die 19 Kursteilnehmer waren von der Idee eines Geschichtsprojekts mit lokalem Ansatz sehr angetan. Sebastian Langguth (20) ist sich sicher, dass er durch das Erarbeiten der Informationen viel mehr gelernt hat, „als im normalen Unterricht“.

Glanzstück des Projektes ist eine Website, die einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Denkmals gibt. Für Björn Salgert (19), zukünftiger Informatikstudent in Aachen und zuständig für das aufwändige Design, war es „auf jeden Fall mal was anderes, in Geschichte eine Website zu gestalten.“ Bei all dem Aufwand ist die spärliche Würdigung des Projekts für die Schüler zwar enttäuschend, aber nicht überraschend. Sie hatten schließlich selbst erarbeitet, dass die öffentliche Meinung das Denkmal „als für das aktuelle politische Geschehen uninteressant“ abtut.

Interessant ist aber hierbei das Ergebnis einer Umfrage, die die 13-er durchführten: Eine Mehrheit der Befragten wünscht sich, dass das Denkmal wieder aufgebaut wird. Die Adresse: www.bkukr.de/fileadmin/bismark/wikka.php

(RP)