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Die Fantasy-Welt des Krefelder Bestseller-Autors Bernhard Hennen

Fantasy : Hennens Fantasy-Welt: eine Erkundung

Er schreibt Bestseller, seine Werke werden international übersetzt: Bernhard Hennen ist Krefelds erfolgreichster Autor aller Zeiten. Wir laden ein zu einer literarischen Erkundung: Was ist dran an seinen Werken?

Wer Western für einfältige Piffpaffpuff-Filme hält, sollte nicht weiterlesen. Der Western ist von seinen Verächtern genauso unterschätzt wie Fantasy-Romane. Beginnen wir also noch einmal und erkunden die literarische Welt eines Autors, der aus Krefeld stammt, in Krefeld lebt und der erfolgreichste Krefelder Autor aller Zeiten ist: Bernhard Hennen. Für den ersten Band seiner neuen Trilogie hat er den „Seraph 2019“ für den besten Fantasy-Roman des Jahres erhalten. Warum? Was ist dran an dieser Literatur? Steigen wir ein in die „Chroniken von Azuhr“.

Es gibt diesen einen Satz, der wie ein Schlüssel zu dem ganzen Werk ist – und er klirrt vor Kälte und Klarheit: „Sie redeten in das Geschäft des Krieges hinein, ohne dessen Notwendigkeiten und Abgründe wirklich zu begreifen.“ Wer das zu über wen sagt, ist einstweilen egal. Entscheidend ist die Charakterisierung des Krieges: Notwendigkeiten. Abgründe. Wie wahr. Im Krieg verschwimmen die Grenzen von Gut und Böse; Kriege beschädigen ethisch immer auch die, die für das Gute kämpfen.

 Band I: Der Verfluchte, ausgezeichnet mit dem Fantasy-Buchpreis Seraph 2019 als Bester Fantasy-Roman, erschienen im Fischer-Verlag.
Band I: Der Verfluchte, ausgezeichnet mit dem Fantasy-Buchpreis Seraph 2019 als Bester Fantasy-Roman, erschienen im Fischer-Verlag. Foto: Tor-Verlag
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Der Satz steht im ersten Band der „Azuhr“-Trilogie. Er ist aufschlussreich für das ganze Genre: Es hat seine Naivität, seine Unschuld  verloren. Komplex waren die Geschichten schon immer. Man denke nur an den Gottvater des modernen Fantasy-Romans: J.R.R. Tolkien und der „Herr der Ringe“. Seine epische Welt ist weit gespannt, das Personal reich, und doch ist das Konstrukt in der Tiefe simpel. Hier gut, dort böse; die Bösen sind praktischerweise hässlich (Orks), die Guten entweder schön (Elfen) oder drollig (Hobbits). Nur in wenigen Zügen deutet sich an, dass sich Gut und Böse mischen können: Gollum und Frodo werden von der Macht des Rings auf die Seite des Bösen gezogen. Doch  zugleich erlöst der Ring seine Opfer vom Bösen: Es ist etwas ihnen Fremdes. Tolkien war eben auch Seelsorger und Optimist. Das Gute bleibt der Kern des Seins.

 Die Chroniken von Azuhr – „Der träumende Krieger“.
Die Chroniken von Azuhr – „Der träumende Krieger“. Foto: Tor-Verlag

Lange her: Der „Herr der Ringe“ erschien 1954. Heute ist jede Comic-Verfilmung eine ungleich komplexere moralische Erkundung über Gewalt, Selbstermächtigung und Selbstauslegung des Helden.  Batman weiß, dass er das Gesetz übertritt, um es zu schützen, er weiß um das Zwielicht von Heldenlegenden, und er weiß um jedes Quäntchen Angst in seiner alten, müden, verletzten Seele. Batman ist erwachsen und weiß um die Mühsal des Weltenlaufs.

 Die Chroniken von Azuhr – „Die weiße Königin“.
Die Chroniken von Azuhr – „Die weiße Königin“. Foto: Tor-Verlag

So wie die Fantasy-Literatur. In Azuhr sind gut und böse nicht sauber verteilt. Die Inselreich Cilia ist von politischen und militärischen Konflikten zerrissen. Die Fronten sind verwickelt: Es gibt die Liga der Stadtstaaten mit Kaufleuten, die skrupellos die angestammte Bevölkerung versklaven;  es gibt das Volk der Schwertherzöge, die um ihre Freiheit kämpfen; es gibt Söldner, die im Krieg den eigenen Vorteil suchen. In diesem Kampf bleibt niemand rein, auch Schönheit nicht: Geflügelte Schildmaide entpuppen sich als Folterknechte; die schöne Kaiserin und die nicht minder schöne „Weiße Königin“ agieren mit Tricks und Finten, weil auch sie verlieren können. Niemand ist unverletzlich, alle sind korrumpierbar; Gewalt zeitigt neue, immer noch ruchlosere Gewalt. Es gibt bestenfalls die Besseren, die Gewalt eindämmen wollen und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit nicht ganz vergessen haben.

Die Gewalt ruft neue Akteure ins Leben: Fantasy-Dämonen, die lebendig werden und darin Ausdruck des Schrecklichen sind, das die Menschen sich antun: der Menschen verschlingende Grym oder der Basilisk mit dem tödlichen, alles versteinerndern  Blick. Die Symbolik ist klar: Menschen schaffen sich ihre eigenen Teufel.

Gegenmittel sind Positiv-Erzählungen, Geschichten von einer besseren Welt. Eine der Hauptfiguren – der junge Milan – ist ein solcher „Weltenweber“. Er ist begabt mit der Macht, durch seine Erzählungen den Lauf der Dinge zu verändern. Wieder ist die Symbolik klar: Es braucht Visionen vom Frieden, um Frieden zu schaffen.

Hennen verdichtet alle Konflikte geschickt in einem Vater-Sohn-Konflikt: Milans Vater Nandus ist als Erzpriester Parteigänger der Liga. Milan sagt sich von ihm los, weil er angewidert ist von der Ungerechtigkeit, für die eben auch sein Vater steht:  die Vernichtung und Versklavung der Schwertherzöge. Heute würde man sagen: Die Liga strebt einen Genozid an.

Im Laufe der Handlung aber wird auch Vater Nandus kriegsmüde, selbst angewidert von der Gewalt. So nähern sich beide wieder an. Gerade an diesen beiden Figuren wird deutlich, dass der beachtliche Umfang der Hennen-Bücher – jeder Band der Trilogie hat um die 600 Seiten – keine reine Stoffaufschwellung durch immer neue Wendungen bei Kämpfen ist. Dauer und Elend des Krieges sind es, die die Entwicklungen in den Figuren auslösen. Die Dicke der Romane wird so plausibel und hat wenig mit der Logik von Computerspielen mit ihren ewigen Kämpfen gemein. In Hennens Epik verändert die Realität die Figuren langsam; so wie es im richtigen Leben auch sein mag.

Das Ganze ist in einem Stil erzählt, der schnörkelloses Deutsch spricht und  all die Fallen vermeidet, in die man in unserer schönen, reichen, deutschen Sprache tappen kann. Keine Adjektiv-Orgien, keine schiefen Vergleiche, keine peinlichen Metaphern, keine Marotten. Einfach nur gutes, klares Deutsch. Das ist alles andere als banal, das ist eine Leistung, die nicht jedem Bestsellerautor gelingt. Michael Ende zum Beispiel hat unsterbliche Figuren geschaffen, verfiel aber immer wieder ins Beschreiben von Landschaften. War stets miserabel geschrieben. Als Leser war man immer froh, wenn es wieder zur Sache, sprich zur Handlung und zu den Figuren ging.

Hennen passiert das nicht. Er ist ein souveräner Ökonom des Erzählens, seine Sprache verschwindet hinterm Vorrang der Handlung und trägt so leicht durch Tausende Seiten. Wer offen ist für das Fantasy-Sujet wird mit diesem Autor ganz viele Stunden der Muße und der Spannung erleben. Was auch damit zusammenhängt, dass die Welt, die Hennen erschafft, eine von Erwachsenen ist. Geschult an den Abgründen der Realität.

Prädikat: Bestes erzählerisches Kunsthandwerk.