Aus der Bezirksvertretung Fischeln Bis 17 Uhr: Tempo 30 auf Kölner Straße

Fischeln · Als erste Hauptverkehrsader Krefelds wird die Kölner Straße ein Tempo 30- Limit bekommen — allerdings auf die Zeit zwischen 6.30 Uhr und 17 Uhr begrenzt. Entsprechende Schilder werden demnächst aufgestellt.

 An dieser Stelle der Kölner Straße soll ein zeitlich begrenztes Tempolimit eingerichtet werden. Es wird zwischen 6.30 und 17 Uhr gelten. Die Fischelner Bezirksvertreter waren alles andere als zufrieden mit diesem Kompromiss.

An dieser Stelle der Kölner Straße soll ein zeitlich begrenztes Tempolimit eingerichtet werden. Es wird zwischen 6.30 und 17 Uhr gelten. Die Fischelner Bezirksvertreter waren alles andere als zufrieden mit diesem Kompromiss.

Foto: Carola Puvogel

Es ist ein absolutes Novum für Krefeld: Auf der Kölner Straße wird in Kürze ein Tempo-30-Limit eingerichtet, das zeitlich begrenzt ist und sich an den Öffnungszeiten der beiden dort befindlichen Kindertageseinrichtungen orientiert. Montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr am Morgen und 17 Uhr am Nachmittag müssen Autofahrer künftig langsamer fahren. Die neue Regelung gilt für die Strecke zwischen den Hausnummern 395 und 505, das ist etwa ab Eingang Stadtpark, kurz vor der Kita „Klein&Groß“ bis Höhe Rathaus. Außerhalb der genannten Zeiten gilt dort weiterhin Tempo 50.

Die entsprechende Beschilderung ist bereits beim Kommunalbetrieb in Auftrag gegeben und soll zügig erfolgen. Diese Nachricht überbrachte Norbert Goertz-Gorr, Leiter des städtischen Straßenverkehrsamts, am Donnerstag der Bezirksvertretung Fischeln.

Damit reagiert die Verwaltung auf eine langjährige Forderung der Fraktionen der SPD, Grünen und Linken in der Bezirksvertretung Fischeln – allerdings in einer abgespeckten Version. Die Fischelner Politiker hatten nämlich Tempo 30 — ohne Zeitlimit — für den gesamten Fischelner Bereich der Kölner Straße gefordert, also bis zur Untergath.

Das Zeitlimit ist ein Kompromiss zwischen Verwaltung und SWK-Mobil. „Die SWK-Mobil ist fast umgefallen, als sie von den Tempo-30-Plänen gehört hat“, berichtete Goertz-Gorr in der Bezirksvertretung. Die Verkehrsbetriebe hätten vorgerechnet, dass bei Beibehalten der Straßenbahn-Taktung bei Tempo-30 pro Tag zwei Bahnen mehr eingesetzt werden müssten, so dass übers Jahr Mehrkosten im sechsstelligen Bereich entstehen würden. Daher habe man sich bei „Gesprächen auf höchster Ebene“ darauf geeinigt, Tempo-30 zeitlich zu begrenzen.

Mit dem nun verkündeten Kompromiss ist allerdings niemand so richtig zufrieden. Das wurde in der Diskussion des Gremiums überdeutlich. Allen voran Verkehrsexperte Goertz-Gorr selber, der kein Geheimnis daraus machte, dass er in Sachen Tempolimit jetzt gegen seine Überzeugung agieren muss – und zwar auf Weisung „von oben“: „Kreuz-Bube sticht Pik-Bube“, sagte Goertz-Gorr versinnbildlichend. „Ich bin angewiesen worden, das anders zu handhaben, als ich es für sinnvoll halte“, sagte der Verwaltungsmann, dessen Vorgesetzte Kämmerer Ulrich Cyprian und Oberbürgermeister Frank Meyer sind.

Die Kölner Straße sei nicht ohne Grund Vorbehaltsstraße und „wichtige Verbindung nach Fischeln“. Goertz-Gorr glaubt, dass nun Verdrängung einsetzen könnte und Autofahrer das dortige Tempolimit auf anderen Straßen umfahren werden. Eine andere Befürchtung des Verkehrs-Fachmanns ist, dass die neue Regelung wie ein „Dammbruch“ wirken und nun für viele Stellen in der Stadt ebenfalls zeitlich begrenztes Tempolimit gefordert werden könnte. Außerdem stellte er die Frage in den Raum: „Kann der Krefelder Autofahrer das?“.

Die neue Temporegelung sei überhaupt nur deshalb möglich, weil seit dem 1. Januar eine neue Gesetzesregelung in Kraft getreten ist, die Tempo-30 auf so genannten Vorbehaltsstraßen möglich macht, wenn sich dort „schutzwürdige Einrichtungen“ befinden. Als solche gelten die beiden Kitas „Klein & Groß“ sowie die Einrichtung der Markus-Gemeinde, großzügig ausgelegt, weil sich die Eingangsbereiche nicht direkt an der Straße befinden. Auch das Jugendzentrum, das Schwimmbad sowie Zufahrtsbereiche der angrenzenden Schulen in Königshof liegen künftig im Tempolimit-Bereich.

Viel Kritik an der Zeitbeschränkung und der Tatsache, dass auf der Kölner Straße vom Stadtpark bis zur Gath weiter Tempo 50 gefahren werden darf, gab es aus Reihen der Bezirksvertreter. Anja Cäsar (Grüne) nannte die Regelung „zeitlich begrenzten Mumpitz“ und bezweifelte die Richtigkeit der Berechnungen der SWK. Jürgen Oppers (SPD) hielt es sogar für „zynisch“, dass die SWK Wirtschaftlichkeitsüberlegungen vor den Schutz von Kindern- und Jugendlichen stelle, die auch zu anderen Zeiten Jugendzentrum und Schwimmbad besuchten. Die zeitlich und räumlich begrenzte Tempo-30-Strecke sei bestenfalls „ein erster Schritt.“ Die Fischelner SPD werde das so auf Dauer nicht hinnehmen. Goertz-Gorr erwiderte: „Mir war klar, dass Sie jetzt, wo Sie den kleinen Finger kriegen, die ganze Hand wollen.“ In einer offiziellen Verlautbarung der SPD wird die neue Regelung von Bezirksvorsteherin Doris Nottebohm als „wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit“ begrüßt.Goertz-Gorr kündigte an, dass es für Autofahrer eine Eingewöhnungsphase von ein paar Wochen geben werde. „Danach wird dort geblitzt.“

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