Korschenbroich: Bürgerbusverein bleibt optimistisch

Korschenbroich : Bürgerbusverein bleibt optimistisch

Mit fast 300 Fahrgästen pro Monat ist der Korschenbroicher Bürgerbus längst nicht voll ausgelastet. Der Betreiberverein ist trotzdem zuversichtlich. Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass solche von Bürgern organisierten Fahr-Dienstleistungen Jahre brauchen, bis sie voll etabliert sind.

Über einen Mangel an freiwilligen Chauffeuren kann sich Hubert Tokloth nicht beklagen: "Es haben sich in den vergangenen zwei Monaten wieder fünf gemeldet", berichtet der Scherfhausener, der zu den führenden Köpfen des Korschenbroicher Bürgerbus-Projekts gehört.

Fahrgäste könnte der neunsitzige Bus freilich noch einige mehr transportieren. In den ersten beiden Monaten seit der Jungfernfahrt am 6. April waren es etwa 260 Menschen pro Monat, die das Angebot nutzten, preisgünstig aus den kleineren Stadtteilen an der Peripherie nach Korschenbroich, Kleinenbroich oder retour zu kommen. Im Juni seien es noch einige mehr gewesen, sagt Tokloth. Doch ganz gleich ob 260 oder 300 im Monat: Tokloth ist zuversichtlich, dass sich das Projekt positiv entwickelt.

Stadt bürgt für 50 000 Euro

Finanziell wird der von mehr als 40 Fahrern ehrenamtlich gesteuerte Bus durch die Stadt Korschenbroich mit einer Bürgschaft unterstützt. Die Stadt hat zugesagt, über zehn Jahre jährlich mit bis zu 5000 Euro einzuspringen, sollte der Verein Defizite einfahren.

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Diese Bürgschaft sei nötig, damit das Vorhaben gegenüber dem Land und dem Kooperationspartner NVV als finanziell abgesichert ausweisbar sei, hatte Bürgerbus-Vorständler Willy Schellen Korschenbroichs Politikern erklärt, als er im Mai vorigen Jahres für deren Zustimmung zur Bürgschaft warb. Der Verein wolle diese Bürgschaft jedoch nicht nach Möglichkeit nicht dazu ausnutzen, um ein unrentables Projekt durchzuziehen. "Ich glaube, dass wir das auch schaffen werden", ist Hubert Tokloth etwas mehr als drei Monate nach dem Start weiter überzeugt.

Der Scherfhausener meint, es könne ein Jahr dauern, bis die erhofften Fahrgastzahlen erreicht werden. Etwas verhaltener ist da Franz Heckens, Vorsitzender des Vereins Pro Bürgerbus NRW, eine Art Dachverband der 91 im Lande rollenden Bürgerbusse: "Man darf die Erwartungen nach wenigen Monaten nicht zu hoch hängen." Die Erfahrung in anderen Städten zeige, dass es vier bis fünf Jahre brauche, in denen die Fahrgastzahlen kontinuierlich steigen.

Der ausgereifteste Bürgerbus der Bundesrepublik fährt in Heek/Legden in der Nähe von Ahaus und hat in 25 Jahren mehr als 200 000 Fahrgäste transportiert. Derzeit seien es etwa 10 000 pro Jahr berichtet Vereinsvorsitzender Bernhard Volkmer. Allerdings absolvieren die Münsterländer ein nicht ganz so ehrgeiziges Programm wie das Korschenbroicher: Fünfmal täglich zwischen 7 Uhr und 18 Uhr legt der Heek/Legdener Bus eine 80 Kilometer lange Hin- und Rückfahrt hin, bei der die Bürger nach Ahaus gebracht oder Anschluss an den Verkehr nach Münster bekommen.

Unterstützt wird das Projekt von vier Gemeinden, die einspringen, wenn es Defizite einfährt. "Ohne die Unterstützung von Gemeinden geht es nicht", meint Volkmer.

Während des Sommers soll in Korschenbroich erst einmal alles weiterlaufen wie gehabt. Danach, so Tokloth, werde der Verein überlegen, ob er den Fahrplan der Jahreszeit und dem Wetter anpassen müsse: "Zu überlegen ist, ob wir auch im Winter jeden Abend bis 20.30 unterwegs sein müssen oder etwas früher Schluss machen."

(RP)
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