Korschenbroich: Der Bürgerbus rollt

Korschenbroich : Der Bürgerbus rollt

Um 8 Uhr ist der Korschenbroicher Bürgerbus gestern an der Glehner Kirche zur ersten Tour durchs Stadtgebiet gestartet. Etliche Senioren nahmen den neuen Dienst schon gerne an. Denn der Bus macht mobil für wenig Geld.

Der erste Fahrgast fuhr kostenlos und bekam auch noch Blumen: Peter Schulz-Winge hat einen Behindertenausweis, darum durfte er gestern Morgen in Glehn ohne zu zahlen die Jungfernfahrt des Bürgerbusses mitmachen. Die startete um 8 Uhr und führte über Epsendorf und Lüttenglehn zurück nach Glehn.

"Ich kam auf meinem Weg zum Arzt gerade vorbei, sah hier den Menschenauflauf um den Bus stehen und bin dann eingestiegen", erzählt der 74-Jährige, der mitsamt eines Rollators in den Bus stieg. Zum "Auflauf" um den Bus gehörten Bürgermeister Heinz Josef Dick und Willy Schellen, einer der führenden Köpfe der Korschenbroicher Initiative, die den Bürgerbus möglich gemacht hat.

Schulz-Winge lebt seit 50 Jahren in Glehn. Wegen einer Krankheit darf er nicht mehr Auto fahren und die Busse fahren ihm zu unregelmäßig. "Viele wurden eingestellt, weil meistens nur drei Leute drin saßen", erinnert sich der Glehner. Zum Einkaufen in Kleinenbroich oder Korschenbroich will er künftig mit dem Bürgerbus fahren.

Ratsfrau Renate Erhart (CDU) stieg mit ihrer Schwiegertochter Heike Steuer an der Hedwigstraße ein. Die 50-Jährige trägt derzeit einen Gipsarm und war gestern froh, den Bürgerbus nutzen zu können. "Sonst fahre ich Auto. Aber mit dem Gipsarm zum Chirurgen nach Korschenbroich — da wäre ich auf fremde Hilfe angewiesen", erzählt die Glehnerin.

Leonore Conrads ist ehrenamtliche Busfahrerin und schaute ihrem Kollegen Klaus Michalak über die Schulter. Der hatte gleich mehrere Jobs zu erledigen: die Namen der Haltepunkte aufrufen, lenken und auch kassieren.

"Ich war gestern bei der feierlichen Einweihung des Busses nach dem Hochamt", erzählte die 71-jährige Rubbelratherin Margret Klann über die Segnung, die der Glehner Pfarrer Michael Tewes dem Bus am Ostermontag erteilt hatte. "Ich wohne seit 50 Jahren in Rubbelrath und besitze keinen Führerschein. Für uns ist der Anschluss durch den Bürgerbus wirklich super!"

Günter Hauptkamm monierte beim Einsteigen lächelnd eine geringe Verspätung. "Das ist aber heute bei der Premiere wegen des großen öffentlichen Interesses zu verzeihen", meinte Hauptkamm, der selber zu den Fahrern gehört. Am Haltepunkt Glehner Kirche warteten Hans-Peter Gerhards und Ulrich Menn vom Vorstand der Bürgerbus-Initiative — und schmiedeten bereits weitere Pläne: "Bei der Schleife in Damm wäre später eine Verzahnung mit dem geplanten Jüchener Bürgerbus wünschenswert", meint Menn.

(RP)
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