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Serie "Büro, Büro": Arbeitszimmer im Museum.Kurhaus

Serie: Büro, Büro (5) : Ein völlig anderes Bild

In einer Serie stellen wir Arbeitszimmer aus dem Kleverland vor. Heute das Büro der Kuratorin Susanne Figner im Museum Kurhaus. Wer hier Kunstwerke en masse erwartet wird enttäuscht.

Der Weg in das Büro von Susanne Figner wird von Historie und Kunst begleitet. Eine Treppe aus  den 1870er Jahren bringt einen in den zweiten Stock, wo sich ihr Arbeitszimmer befindet. Seit 2014 arbeitet sie im Museum Kurhaus Kleve. Susanne Figner ist 43 Jahre alt und Kuratorin. Wer zu ihr will, muss die letzten Meter entweder durch das Zimmer des Museumsdirektors oder die Bibliothek laufen.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin sitzt auf ihrem Schreibtischstuhl und schwärmt: „Ich habe ein wunderschönes Büro. Wenn nicht sogar das schönste.“ Während sie das sagt, dreht sie sich auf dem Stuhl hin und her. Bei einem ersten flüchtigen Blick durch den Raum ist die Schönheit nicht zu erkennen. Ein Schreibtisch wie er in jeder Verwaltung steht. In der Ecke ein grauer Metallschrank für Hängeregistraturen, der seine besten Jahre hinter sich hat und damit noch wohlwollend beschrieben ist. Ein schlichtes, funktionales Regal. Bescheidenheit prägt die Möbelstücke. Büros in Museen stellt man sich anders vor als derart pragmatisch. Es türmen sich Kataloge und Bücher auf dem Arbeitsplatz, ohne den Hauch einer Chance, zu wissen, was dort lagert. Derart viel Literatur wie ein Sammler, der sich von nichts trennen kann. Auch fehlen Bildersammlungen an den Wänden und Plastiken in den Regalen. Dabei steht reichlich Platz für Gemälde zur Verfügung. Zumindest in der Horizontalen. Etwa vier Meter hohe Decken sorgen dafür.

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Was die Kuratorin an ihrem überschaubaren Büro so fasziniert, ist der Ausblick. „Ich sitze hier wie im Wald“, sagt sie. Es gibt zwei große Fenster und hinter beiden geht der Blick ins Grüne. Zur linken Seite fällt er auf den Forstgarten. Wandern die Augen zum rechten Fenster, ist der Tiergartenwald zu sehen. Es sei etwas Besonderes, den Wechsel der Jahreszeiten derart nah mitzuerleben. Susanne Figner weiß ihr aktuelles Arbeitszimmer nicht allein wegen der Aussicht zu schätzen. „Bei einer Stelle in New York war das Büro in einer Tiefgarage untergebracht“, sagt sie.

Was die kärgliche Einrichtung betrifft, so ist die Kunstwissenschaftlerin damit zufrieden. Die komme von der Stadt, sie brauche hier kein Wohnzimmer. Bei einem genaueren Blick in die vier Wänden fallen einem Dinge auf, die hier nicht hingehören. So stehen mehrere Pakete Ziegelsteine auf dem Boden. Doch sind diese zurzeit Teil ihres Jobs. Sie bereitet eine Installation des Künstlers Haim Steinbach vor. Der Amerikaner will in der Wandelhalle die Ziegelsteine bis unter die Decke stapeln. „Ich habe ihm verschiedene Exemplare angeboten“, erklärt Figner die Kartons in ihrem Büro und hebt den hellsten Stein hoch: „Er hat sich für den von der Firma Swertz entschieden.“

Aber wie ist es um die Kunst im Büro einer Kuratorin eines etablierten Museums bestellt? „Ich bin sehr wählerisch“, erklärt Susanne Figner. Ein Bild des Amerikaners Carl Andre und ein Werk von Liza Dieckwisch. Es ist ein blauer Tropfen aus Silikon, der so aussieht, als würde er die Wand hinunter laufen. Nicht für jedermann als Kunst sofort zu erkennen. Was die Zahl der Werke betrifft, so ist das Büro äußerst minimalistisch eingerichtet. Doch Figner will das Kapitel Kunst im Arbeitszimmer noch nicht abschließen und weist auf drei Stühle hin. Es ist der Freischwinger des Möbeldesigners Michael Thonet. Er schön und ein Klassiker. Was die bedeutenden Objekte im Raum betrifft, so war es das wohl. Doch wartet ein weiteres hinter dem Fenster. Der Blick auf die Bäume von Park und Wald wirkt wie ein Landschaftsgemälde. Derzeit verliert das Grün in der Natur an Substanz. Der Ausblick in das nackte Geäst der Bäume wird folgen. Deshalb liebt Susanne Figner ihr Büro. Es zeigt ihr regelmäßig ein anderes Bild.