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Insektenfreundliches Kleve sät Wildblumenwiesen für die Bienen

Insektenfreundliches Kleve : Wildblumenwiesen für die Bienen

Die Umweltbetriebe der Stadt Kleve wollen 2019 knapp 100.000 Quadratmeter Wildblumenwiesen aussäen. Dazu muss Gerät angeschafft und Personal eingestellt werden. Auch Kitas und Schulen sollen Saatgut bekommen.

Kleve soll eine blühende, insektenfreundliche Stadt werden. Die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) wollen Randstreifen, Brachflächen und andere städtische Flächen insektenfreundlich in Wildblumenwiesen verwandeln, Schulen und Kitas sollen animiert werden, in einem Wettstreit ebenfalls auf ihren Gelände insektenfreundliche Flächen anzulegen.

Die Vorstellung, wie die USK sich ein insektenfreundliches Kleve vorstellen und wie noch dieses Jahr mit der Arbeit begonnen werden kann, kam bei den Mitgliedern im Umwelt- und Verkehrsausschuss am Donnerstagabend gut an. Auch wenn Förster Gerhard Thomas anmerkte, man müsse in vielen Bereichen das Rad nicht neu erfinden und könne auf das Know-how von Verbänden zurückgreifen. Zuvor hatte USK-Chef Karsten Koppetsch die Ergebnisse eines runden Tisches mit Teilnehmern aus Stadt, USK, Kreis, Politik sowie Studenten der Fachschule für Agrarwirtschaft auf Haus Riswick vorgestellt. Mit Letzteren könnte sich Koppetsch auch durchaus eine Kooperation vorstellen.

Es geht dabei um städtische Flächen, zum Beispiel große Brachflächen in Industriebereichen oder entlang der Spoy, wo man kurzfristig eingreifen könne. Es geht um private Flächen, wo man mit „Starter-Kits“ zum Blumengarten statt der Schotterwüste animieren möchte und schließlich um verpachtete landwirtschaftliche Flächen, wo es Rand- und Saumstreifen geben soll. Hier hat die Stadt, bestätigte Kämmerer Willibrord Haas, bereits die betroffenen Landwirte angeschrieben. „Wir haben nur aufgrund dieses Schreibens schon von mehr als der Hälfte eine positive Rückmeldung“, so der Klever Kämmerer.

„Wir mussten Vertreter des Kreises dabei haben, weil wir beispielsweise brachliegende Gewerbegrundstücke bearbeiten wollen. Die dürfen dann aber nicht zu schützenwerten Flächen deklariert werden, weil wir sie ja veräußern wollen“, erklärt Koppetsch die Lage. Man habe sich geeinigt, dass diese Flächen, wenn sie dann verkauft werden, auch weiter als einfache Gewerbeflächen gelten. Zusätzlich wird die USK die Gewerbebetriebe ansprechen, ob man nicht die Freiflächen entsprechend behandeln könne oder beispielsweise große Dachflächen mit einem Gründach versieht. „Das könnte man beispielsweise durch Nachlässe bei den Abwassergebühren fördern“, zeigte Koppetsch Fördermöglichkeiten auf.

Für Kindertagesstätten (Kita) und Schulen sollen Samentütchen verteilt werden. Des Weiteren soll es Auszeichnungen für insektenfreundliche Kitas und Schulen geben. „Wenn wir dann entsprechende Flächen geschaffen haben, können wir auch Stadtrundgänge zu diesen Flächen organisieren – beispielsweise für Schüler und Kindergärten“, sagt Koppetsch. Zusätzlich stehen auch entlang der Europaradbahn 16.000 Qaudratmeter zur Verfügung, die noch hinzu kommen.

„Das machen wir auch gerne“, so Koppetsch. Aber es wird auch kosten, mahnte der USK-Chef. Die Rechnung ist einfach: Für die Bearbeitung von Wildblumenwiesen brauchen die Umweltbetriebe einen Balkenmäher und ein Sammelfahrzeug. Beide Anschaffungen kosten zusammen rund 25.000 Euro. Dazu muss das Saatgut für rund zehn Hektar Wildblumenwiese gekauft werden, das rund 75.000 Euro kostet. Und weil Wildblumenwiesen nach der Blüte manchmal etwas wüst und verlassen aussehen und nicht immer auf die richtige Akzeptanz beim Bürger stoßen, braucht man 30.000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit. Hinzu kommen, und da hofft USK auf Fördergelder, vier Mann, die die Arbeit machen. Hier setze Koppetsch auf die gute Zusammenarbeit mit dem Theodor-Brauer-Haus (TBH). Das seien zunächst mehrere Jahre voll geförderte Arbeitsplätze. Mit dem Vorteil: „Wir übernehmen regelmäßig Mitarbeiter, die vom TBH bei uns arbeiten, in feste Verträge“.

Das Konzept von Koppetsch geht jetzt in die Fraktionen, stößt in der Politik auf ausgesprochen positive Resonanz. Haas will für die Beratungen Empfehlungen von Fördermöglichkeiten hinzufügen, so dass es bald eine Drucksache gibt und die Politik endlich ein insektenfreundliches Kleve beschließen kann.