Kevelaer: Riesengewerbegebiet nimmt Form an

Kevelaer : Riesengewerbegebiet nimmt Form an

Die Kommunen Weeze und Goch haben sich zu einem Zweckverband zusammengeschlossen. Dieser soll die Entwicklung des 49 Hektor großen Areals zwischen Poco und Autobahn vorantreiben. 2018 könnte gebaut werden.

Die Bauausschüsse hatten gut vorgearbeitet und alle fraglichen Punkte geklärt. Deshalb ging der förmliche Beschluss, ein interkommunales Gewerbegebiet auf den Weg zu bringen, in beiden beteiligten Kommunen ohne jede Debatte über die Bühne. Die Räte der Stadt Goch und der Gemeinde Weeze beschlossen das schon jetzt als "historisch" gehandelte Projekt ohne Gegenstimme und wählten Mitglieder der Fraktionen in die zu gründende Zweckverbandsversammlung.

Im Gocher Rat war es die (halbe) Stunde der Juristen und Planer, Konkretes war wenig zu erfahren. Doch das Wichtige war ja bereits in den Bauausschüssen besprochen worden. Damit auch die interessierten Bürger so einigermaßen auf dem Stand waren, fasste Wolfgang Peiter, Abteilungsleiter Bauen und Planung, noch einmal Wesentliches zusammen: "Das Gebiet hat eine Fläche von 49 Hektar, 13 davon gehören zum Stadtgebiet Goch, der größere Teil zur Gemeinde Weeze. Elf der 13 Hektar Gocher Fläche sind als so genannter Siedlungsbereich definiert, die eigentliche Gewerbefläche gehört ganz überwiegend zu Weeze." Ende des Jahres wird der Gebietsentwicklungsplan geändert - bis dahin müssen die beiden Kommunen die Vorarbeiten für das gemeinsame Projekt erledigt haben.

Auf Goch kommt zu, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen: Der Verkehr muss von der Kevelaerer Straße und der Uedemer Straße in das Gewerbegebiet hinein und wieder hinaus geführt werden, Ver- und Entsorgungsleitungen sind zu verlegen. Vermutlich werden in den Einmündungsbereichen zwei Kreisverkehre angelegt, damit die Vielzahl der Lastwagen, die zu erwarten ist, den fließenden Verkehr nicht allzu sehr beeinträchtigt. Wie berichtet rechnen die Kommunen zuversichtlich mit der Ansiedlung eines großen Unternehmens, das fast 15 Hektar erwerben und einen Betrieb bauen möchte, in dem produziert und von dem aus die fertigen Waren zu den Kunden transportiert werden. Die nahe Autobahn und der niederländische Markt gleich nebenan sind Gründe für die Ansiedlung. Nach RP-Informationen gibt es nicht "nur" dieses eine Unternehmen, das 150 Arbeitsplätze in Aussicht stellt, es sollen sich auch schon weitere Interessenten gemeldet haben. Mit jahrelang brachliegenden Flächen wird eher nicht gerechnet.

Das finden die Akteure in den Rathäusern gut - Planer, Kämmerer und Kommunalpolitiker gleichermaßen - es gibt aber auch Stimmen, die den erheblichen Flächenverbrauch beanstanden. "Wie schon im Bauausschuss sprach auch in der Ratssitzung ein Landwirt noch einmal seine Sorgen an", erzählt Wilheim Moll-Tönnissen, Fachbereichsleiter der Gemeinde Weeze. Dass die Flächen am Flughafen, weit weg von der Autobahn und reserviert für "flugaffines Gewerbe" keine Alternative darstellen wiederholte Bürgermeister Ulrich Francken. Außerdem wies er darauf hin, dass die Bezirksregierung im Kreis Kleve drei Bereiche für flächenintensives Gewerbe vorsehe - eben Goch/Weeze, Straelen und Emmerich. Entsprechend werden solch große Ansiedlungen eben am ehesten dort befürwortet.

Weezes Kämmerer Johannes Peters erläuterte gestern, dass mit der Gründung des Zweckverbandes jetzt die Arbeit richtig losgehen könnte. Zum Jahresende wird die Änderung des Regionalplanes erwartet. So lange will man aber nicht warten, sondern sich bereits jetzt parallel mit dem Flächennutzungsplan und dem Bebauungsplan beschäftigten. Sollte der Regionalplan dann tatsächlich in seiner jetzigen Form beschlossen werden, könnte es dann sehr schnell gehen. Bereits 2018 könnte dann eine erste Baugenehmigung auf dem Gelände möglich sein.

"Das ist eine tolle Sache und ein tolles Ergebnis", freut sich Weezes CDU-Fraktionsvorsitzender Guido Gleißner. "Das ist eine wichtige Entscheidung für die Weiterentwicklung der Region." Immerhin gehe es bei der Firma, die sich ansiedeln will um 150 Arbeitsplätze. Für die Region sei das schon eine echte Hausnummer. Interkommunale Zusammenarbeit werde immer wichtiger. Heutzutage sei Kirchturmdenken der falsche Weg.

Gochs Justitiar Dr. Georg Kaster erklärte den Ratsmitgliedern kleine Änderungen an der Satzung, die die Kreisverwaltung für nötig gehalten habe. "Die kurzfristige Abstimmung hat den Vorteil, dass wir jetzt schon wissen, dass der Kreis unser Vorhaben genehmigen dürfte, denn der neue Entwurf ist bereits abgesegnet."

(RP)