Kevelaer: "Verspäteter" Zug fällt aus: Frau strandet nachts in Kevelaer

Kevelaer : "Verspäteter" Zug fällt aus: Frau strandet nachts in Kevelaer

Als Delia Sprenger in der Nacht zu gestern gegen 1 Uhr am Bahnhof vorbeifuhr, fiel ihr dort eine Frau mit Gepäck auf. Diese winkte hilfesuchend. Delia Sprenger stoppte ihren Wagen und erfuhr von der Frau eine schier unglaubliche Odyssee. Die 47-Jährige aus Portugal war mit Ryan-Air um 21.30 Uhr in Weeze gelandet und wollte nach Düsseldorf weiter. Der erste Airportshuttle sei aber abgefahren, ohne anzuhalten. Mit dem nächsten Bus sei sie dann schließlich nach Kevelaer zum Bahnhof gekommen. Um 22.49 Uhr gab es dort den Hinweis "Zug hat voraussichtlich 40 Minuten Verspätung". Nach 40 Minuten kam aber kein Zug. Statt dessen verschwand der Hinweis einfach. Der Niersexpress kam nicht. Und auch der letzte reguläre Zug sei nicht gekommen. Die Dame habe daraufhin versucht, ein Taxi zu bekommen, aber die örtlichen Unternehmen hätten schon Feierabend gehabt und auswärtige Firmen horrende Preise verlangt. Auch Anrufe bei Hotels hätten nicht weitergeholfen, die seien ausgebucht gewesen. Da auch das Bahnhofsgebäude geschlossen war, musste die Frau in der Kälte frieren. Delia Sprenger bot der Frau spontan an, doch bei ihr zu übernachten. So bekam der Gast aus Portugal dann am Ende doch noch ein warmes Zimmer.

Gestern Morgen brachte Delia Sprenger die 47-Jährige zum Bahnhof, damit sie weiter nach Düsseldorf fahren konnte. Für Delia Sprenger war der Vorfall wieder ein Beispiel dafür, wie problematisch es werden kann, wenn jemand abends in Kevelaer "strandet". "Wir müssten als Stadt hier besser strukturiert sein", meint sie. "Es muss meiner Meinung nach eine Infotafel am Bahnhof, gut sichtbar von der Bushaltestelle der Airportshuttle, her, zweisprachig am besten. À la: Wenn Sie nachts in Kevelaer stranden, dann. . . " Dort müsste es konkrete Hinweise geben, an wen sich jemand in einem solchen Fall wenden könne. Immerhin sei Kevelaer ja auch eine Tourismusstadt. "Die Dame konnte glücklicherweise noch gut Deutsch, aber wenn jemand noch Probleme mit der Sprache hat, wird es ganz schwierig." Die Geschichte hat Delia Sprenger auch öffentlich gemacht, in der Hoffnung, dass vielleicht zuständige Stellen bei der Stadt tätig werden und Lösungen entwickeln. Bei allem Ärger über die Situation hat sie eine Sache mitgenommen: "Die Begegnung mit der Frau hat mich sehr bereichert, ich werde mit ihr in Kontakt bleiben", sagt sie.

Maik Seete, Sprecher der Nordwestbahn, erläuterte gestern, dass der vermeintlich letzte Zug nur an bestimmten Tagen fährt. Das ist für Auswärtige auf dem Fahrplan offenbar nur schwer zu erkennen. Zudem habe der andere Zug gar keine Verspätung gehabt, sondern sei pünktlich abgefahren. "Wegen eines technischen Fehlers wurde aber angezeigt, dass der Zug in 40 Minuten kommt", sagt er. Intern werde geprüft wie es zum Fehler kommen konnte. Man könne sich nur entschuldigen und biete an, für mögliche Unkosten aufzukommen.

(zel)
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