Radtour in Weeze folgt den Flieger-Absturzstellen

Radserie : Radtour folgt den Flieger-Absturzstellen

Über die Grenze hinweg soll es drei so genannte Crashrouten geben. Sie sollen Punkte verbinden, an denen im Zweiten Weltkrieg Maschinen abgestürzt sind. Auch die Gemeinde Weeze ist bei diesem Projekt mit im Boot.

Der Name klingt dramatisch, die Idee auf den ersten Blick fast makaber: Auf einer „Crashroute“ sollen künftig drei thematische Radtouren die Punkte miteinander verbinden, an denen Maschinen im Zweiten Weltkrieg in der Region abgestürzt sind. Anlass ist, dass sich das Ende des Zweiten Weltkriegs im kommenden Jahr zum 75. Mal jährt. Daher wird jetzt intensiv an dem Projekt gearbeitet, das im Oktober abgeschlossen sein soll.

„Es geht darum, Radtouristen durch diese spezielle Route zum Nachdenken zu bringen, an die Zeit des Krieges zu erinnern und der Menschen zu gedenken, die an den Absturzstellen ihr Leben gelassen hat“, so Khalid Raschid von der Gemeinde Weeze. Auf niederländischer Seite kommt zudem vor allem der Aspekt der Befreiung dazu, und überhaupt ist der grenzübergreifende Charakter der Route auch ein wichtiges Zeichen für das Zusammenwachsen. Folgerichtig sind die niederländischen Gemeinden Bergen, Gennep und Mook en Middelaar Partner von Weeze. Das Projekt wird als so genanntes Interreg-Programm gefördert, zusätzliche Gelder kommen von den beteiligten Kommunen.

Auch zur Absturzstelle einer Halifax Am Heekeren soll die Route führen. Fünf Punkte gibt es in Weeze, hinzu kommt das Museum. Foto: Archiv Siemes/Pelka

35 Absturzstellen werden die drei Routen umfassen. Eine Zahl, die zeigt, wie viele Flugzeuge hier bei den Kampfhandlungen abgeschossen wurden. Fünf der Erinnerungspunkte soll es in Weeze geben: in Niederhelsum am Schwarzen Weg (Absturz einer niederländischen Spitfire), an den Brückenhöfen in Wemb (britische Spitfire), in Hees, Groote Straße (polnische Wellington), Weeze Cyriakusplatz (US-amerikanische B 17) und am Heekeren in Weeze (britische Halifax). Thematisch aufgearbeitet wird das Projekt mit Unterstützung des Royal Airforce Museums.

Dort hat sich eine kleine Arbeitsgruppe in den vergangenen zwei Jahren damit beschäftigt, die Flugzeugabstürze zu untersuchen, die sich im Zweiten Weltkrieg rund um Weeze ereigneten. Zuletzt beschäftigte sich das Team vor allem mit einem spektakulären Ereignis am 14. Februar 1945. Damals waren über dem Niederrhein am Ortsrand von Weeze gleich zwei britische Jagdflugzeuge des Typs Spitfire abgeschossen worden. Ein Flugzeug kam in Wemb herunter. Eine damals zwölfjährige Augenzeugin hatte berichtet, wie die brennende Maschine auf ein Gehöft zukam. Kurz vor den Häusern drehte es nach links ab und schlug 100 Meter vor dem Haus in einer Wiese ein. Der Pilot Warren M. Lightbourn starb dabei. Er wurde zunächst am Waldrand bestattet und später im Reichswald auf den Forest War Cemetery umgebettet. Die Augenzeugin ist sicher, dass der Pilot bewusst sein Flugzeug vom Gehöft weg gesteuert hat, um die Bewohner nicht zu gefährden. Bei diesem Absturz sind inzwischen so gut wie alle Details sicher geklärt. Die Untersuchungen zu der Thematik laufen weiter.

In die Route wird auch das Museum einbezogen. Es passt thematisch gut zur Intention, zudem kann die Einrichtung dadurch mit zusätzlichen Besuchern rechnen.

Foto: RP/Podtschaske , Alicia

Die Fahrradroute soll entlang bestehender Radwege verlaufen und auch das Knotenpunktsystem zur Orientierung nutzen. Überlegt wird, die einzelnen Punkt zu kennzeichen. Im Herbst soll der Startpunkt der Route eröffnet werden. Er wird in den Niederlanden im Bereich Bergen liegen. Dort wird der Künstler Juul Baltussen die Nachbildung eines Flugzeugflügels anfertigen. Sie soll drei Meter hoch sein.

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