Kirche in Kevelaer: Feierlicher Start in die Wallfahrt-Saison

Kirche in Kevelaer : Feierlicher Start in die Wallfahrt-Saison

Nicht einschließen, sondern nach draußen gehen, das gibt Bischof Peter Kohlgraf den Pilgern zur Eröffnung am 1. Mai mit. Der Geistliche aus Mainz wird die Pilgerpforte mit den drei Hammerschlägen öffnen.

Vor zwei Jahren wurde Peter Kohlgraf als Nachfolger von Karl Kardinal Lehmann zum Bischof von Mainz ernannt. Der 52-Jährige zählt zu den reformorientiertern Bischöfen. Das hat er auch gerade erst im Interview mit dieser Zeitung gezeigt, als er im Gespräch ausführte, dass die Kirche sich bewegen müsse.

Eben deshalb müsse man auch über die Berufung von Frauen ins Weiheamt reden. „Wenn wir über ein Weiheamt für Frauen reden, kommen wir an der Apostolin der Apostel sicher nicht vorbei. Auch in den Evangelien wird davon berichtet, dass Frauen Jesu nachfolgen; also nicht nur die zwölf Jünger. Ihre Rolle ist eine sehr starke“, sagt er.

Jetzt kommt der Mainzer Bischof nach Kevelaer, um hier die Wallfahrtssaison zu eröffnen. Mit Kevelaer verbinde er viele schöne Erinnerungen, so Peter Kohlgraf. „Ich war bis zu meinem Wechsel auf die Professur im Bistum Mainz 2012 regelmäßig in Kevelaer“, sagt er. Schon als Kind sei er als Messdienern seiner Kölner Heimatgemeinde regelmäßig an den Niederrhein gepilgert. Am Mittwoch, 1. Mai, wird er in dem Marienwallfahrtsort die diesjährige Pilgersaison eröffnen. Dazu wird er um 10 Uhr drei Mal symbolisch mit einem Hammer gegen das Pilgerportal schlagen und in den Sprachen Deutsch, Lateinisch und Niederländisch „Öffnet die Tore eures Herzens Christus, dem Erlöser“ sagen.

Auch die Wallfahrt in Kevelaer steht unter dem Eindruck der Krise, in der sich die Kirche derzeit befindet. Kohlgraf ermuntert die Menschen, dennoch zu pilgern. Zwar gebe es immer wieder die Versuchung, sich einzuschließen. Doch „gerade in der heutigen Zeit“, betont Kohlgraf, „brauchen wir Menschen, die beten und die Anliegen der Welt und der Kirche mit ins Gebet nehmen. Eine Erneuerung der Kirche kann nur so geschehen.“ Das Unterwegssein sage etwas über die Hoffnung aus, dass Kirche beweglich und auf den Straßen der Welt zu Hause bleibt. Mit Blick auf das Gnadenbild, das in Kevelaer auf Augenhöhe der Pilger hängt, merkt er an: „Ich denke an ein Marienlied, in dem Maria als ,Frau aus dem Volke‘ bezeichnet wird. Sie blickt dem Menschen, der sich ihr betend zuwendet, ins Gesicht. Mir scheint dies eine gute Haltung für jeden Menschen zu sein.“

Die Wallfahrtsaison steht unter dem Leitwort „Wohin sollen wir gehen?“. Für Wallfahrtsrektor Gregor Kauling trifft dieses Wort aus dem Johannesevangelium „den Kern unseres Zeitgefühls im kirchlichen Leben dieser Tage, das erschüttert ist“, wie er im Vorwort zum Kevelaer-Journal schreibt. Dazu mische sich eine ganze Portion Ratlosigkeit, Enttäuschung und Wut. Jesus habe den Jüngern die Frage gestellt: Wollt auch ihr weggehen?“. Vielen sei heute danach zumute. Kauling lädt aber alle ein, nicht wegzugehen, sondern hinzugehen, nicht wegzusehen, sondern hinzusehen. „Eine Wallfahrt kann uns helfen, den Blick zu schärfen und die verwundete Seele zu entlasten“, meint Kauling.

Nach der Öffnung des Pilgerportals wird in der Wallfahrtskirche ein festlicher Gottesdienst gefeiert. Chor und Orchester der Basilikamusik werden mit dem Münsterchor St. Vitus Mönchengladbach die Eucharistiefeier unter der Leitung von Chordirektor Romano Giefer mit der „Messe solennelle“ (op. 16) von Louis Vierne musikalisch gestalten. Im Anschluss wird Wallfahrtsrektor Gregor Kauling die Pilger im Forum Pax Christi begrüßen.

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