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Konzert mit La Folia Barockorchester in Kempen

Konzert in Kempen : La Folia Barockorchester: Wildheit und Emotionen in schönster Manier

Zum Auftakt der Konzertreihe „Musica antica e viva“ gastierte das Orchester mit der Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann in der Paterskirche.

Cleopatra war das musikalische Thema beim Konzert in der ehrwürdigen Paterskirche. Höchst lebendig präsentierten La Folia Barockorchester unter der Leitung des Geigers Robin Peter Müller und die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann (Jahrgang 1986) die schillernde Frauengestalt von den Ufern des Nils.

Jubelnden Applaus gab es gleich nach dem ersten Werk, Ausschnitten aus „Cleopatra e Cesare“ von Carl Heinrich Graun (1704-1758). Jubel und Begeisterung sollten sich als Leitmotiv auf der Publikumsseite durch den Abend ziehen. Die musikalische Handschrift des Kammerorchesters mit seinen historischen Instrumenten macht mit den ersten Takten unmissverständlich klar, dass hier niemand vor Ehrfurcht vor alten Meistern erstarrt, sondern in frischer Manier deren Musik interpretiert. Mit einem tänzerischen Duktus gestalten die 16 Instrumentalistinnen und Instrumentalisten mit der Sinfonia aus Grauns Werk einen schwungvollen Einstieg in das Programm.

Die Sopranistin kann sich daraufhin mit der Koloraturarie „Tra le procelle assorto“ vorstellen. Von Naturgewalten, denen Menschen zum Opfer fallen, ist darin die Rede, sie spiegeln den Seelenzustand einer aufgewühlten Cleopatra wider. Ihr Gesang erfährt mit dieser Orchesterbegleitung eine mitreißende Interpretation. Als Kontrast folgt die Arie „Se tu sarai felice“ aus „Antonico il Grande“ von Giovanni Legrenzi (1626-1690). Die Stimmung im Raum kann sich kurz beruhigen: Man lauscht einer Liebeserklärung in barocken Klangfarben, voller Zartheit und Hingabe. Das Publikum ist zu Recht genauso begeistert über den ausdrucksstarken Gesang in technischer Perfektion.

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Beim Violinkonzert in D-Dur von Antonio Vivaldi (1678-1741) kann das Orchester seine Qualitäten mit vielen weiteren Facetten und sein Dirigent sich als Solist präsentieren. Temporeich virtuos gibt Müller den Wirbelwind auf der Geige, aber in jedem Tempo pflegen die Musiker in perfekter Abstimmung den Dialog zwischen den Instrumenten. Selbstverständlich werden gefühlvolle bis tragische Momente oder Geschichten in ihren Interpretationen höchst anschaulich.

Nach der Arie „Vò goder senza contrasto“ von Alessandro Scarlatti (1660-1725) sind die Zuhörer derart in den Bann gezogen, dass sie nicht einmal zum Applaus fähig sind. Dieses Wechselbad der Gefühle, das ein hervorragend zusammengestelltes Programm und seine meisterlichen Interpretationen auslösen, machen den Konzertabend zu einem Hochgenuss.

So frisch, so lebendig und facettenreich wird hier Musik des 17./18. Jahrhunderts dargeboten, dass kein Staubkörnchen eine Chance hat, auf den Notenblättern der Alten Musik liegen zu bleiben. Den Begriff „Folia“, der während des Barocks unter anderem für Wildheit und Ausgelassenheit stand, kann man nicht lebendiger und überzeugender umsetzen, als es Orchester und Solistin bei ihrem Auftritt in der Paterskirche getan haben. Noch mit ihrer Zugabe, bei der Regula Mühlemann und die Harfenistin Katerina Ghannudi als Gesangsduo auftreten, überraschen sie das Publikum und begeistern es natürlich. Ein perfekter Einstieg in die Konzertreihe „Musica antica e viva“.