Georg-Forster-Gymnasium: Zeitzeuge berichtet vom Leben in der DDR

Junge deutsche Geschichte am Gymnasium : Zeitzeuge berichtet vom Leben in der DDR

Wie lebte es sich in der DDR, welche tragende Rolle spielten die Mitläufer? Roman Grafe gibt Gymnasiasten dazu Antworten.

Im Mehrzweckraum am Georg-Forster-Gymnasium wartet der Abi-Jahrgang auf den Autoren Roman Grafe. Die Themen „Mythos DDR“ und „Mauerfall“ stehen auf dem Programm.

Grafe ist Jahrgang 1968 und hat die DDR bewusst erlebt. Aus seinem Buch „Die Schuld der Mitläufer – Anpassen oder Widerstehen in der DDR“ will der Herausgeber lesen. Zwölf bekannte Autoren sowie sogenannte „kleine Leute“ erzählen in der Anthologie aus ihrem Leben in der DDR. Die Fachschaft Geschichte hat an der Schule diese Begegnung zwischen Jugendlichen und dem Zeitzeugen vorbereitet. Sie organisierte außerdem die dazugehörige Wanderausstellung „30 Jahre Mauerfall“, die Briefe, Fotos und Dokumente aus 40 Jahren deutscher Teilung zeigt.

Schulleiter Alexander Winzen weist vorab auf die Komplexität der deutschen Geschichte hin: 30 Jahre sind seit dem Mauerfall vergangen. Anlass dazu, in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung über eine Wanderausstellung an die jüngste deutsche Geschichte zu erinnern. „Die Schüler wissen etwas über die DDR, die ihnen aber zugleich wahnsinnig abstrakt vorkommt und gefühlt so lange her ist, wie der Zweite Weltkrieg“, sagt Geschichtslehrerin Natascha Bleckmann.

In den nachfolgenden 90 Minuten erleben die Jugendlichen, was an der DDR so anders war als im Westen. Tatjana Henrich-Maluck von der Konrad-Adenauer-Stiftung, Büro Düsseldorf, stellt das Zeitzeugenprojekt vor, „das in die Tiefe geht in eine Zeit, die ihr nicht erlebt habt, aber die zur deutsch-deutschen Realität gehört“. Für Ihsan Kabatas (18) eine spannende Begegnung, „weil wir damit heute nicht viel zu tun haben. Für mich ist es interessant, von den Gedanken der Leute aus der Zeit zu erfahren.“ Für Axel Rygula (19) ebenfalls spannend, „weil es für uns heute nicht vorstellbar ist, was die Menschen in der DDR erlebt haben und welche Ängste sie hatten“.

Bevor Roman Grafe aus seinem Buch die Geschichte des renommierten DDR-Fotografen Dietmar Riemann, Jahrgang 1950, liest, dreht sich zunächst alles um den Begriff Mitläufer. Grafe will wissen, wie junge Menschen heute diesen Begriff definieren. Angst vor Verantwortung und Selbständigkeit, Angst, anders zu denken als die Mehrheit, Konformität sind Schlagworte, die fallen. Gelernte DDR-Bürger machten im Land des Gehorsams den Mund nicht auf. „Die Täter konnten sich auf die Verschwiegenheit der Mitläufer verlassen“, so Grafe. Er gibt sich als der leise Zeitzeuge, der ohne Mikrofon vor dem Jahrgang steht. Konzentration und Aufmerksamkeit bestimmen den Moment. Die Schüler erfahren aus dem Leben von Dietmar Rieman in der SED-Diktatur, von den Stasi-Anwerbeversuchen, seiner Arbeit als Fotograf. Grafe steuert Erlebnisse aus seinem Leben bei. „Wenn ich in der Schule einen Witz erzählte, hieß es nur, sei still, sonst kommst du nach Bautzen“, so Grafe.

Anpassen oder Widerstehen, das bleibt als Frage auch für die Schüler im Fokus der heutigen Lebenswelt bestehen. Der Besuch des Zeitzeugen hat den Jugendlichen dazu Antworten geliefert.